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Beiträge zur Geschichte der Preise : (Additionelle Ausstellung Nr. 5) ; Bericht / von Carl Theodor von Inama-Sternegg
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Beiträge zur Gefchichte der Preife.

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um fie im heutigen Gelde auszudrücken, diefs doch gewifs kein exactes Verfahren genannt werden kann. Sicher üben mehrjährige Durchfchnittspreife der Kornfrüchte eine gewiffe mittlere Wirkung auf die Preife aller übrigen Bodenfrüchte, Manu­facte und auf die Löhne aus und werden daher ein Kennzeichen vom Sachwerthe des Geldes fein; aber die Wiffenfchaft ift doch fchon tief genug in die verwickelten Gänge diefer fchwierigften Fragen der Preisgefchichte eingedrungen, um zu wiffen, dafs die Veränderungen des Getreidepreifes nicht blofs auf Rechnung der Aen­derung des Geldwerthes, fondern auch ebenfo auf Rechnung der veränderten Pro­ductions- und Abfatzbedingungen des Getreides zu fetzen find, wie ja auch umge­kehrt der Preis des Geldes nicht von den vorhandenen Quantitäten desfelben allein, fondern auch von den Productionskoften desfelben und von dem Bedarfe des Verkehrs nach Circulationsmitteln abhängt; und glaubte der Verfaffer, dafs ihm eine abftracte Getreideforte beffere Bürgfchaft richtiger Refultate bieten werde, als wenn er feinen Berechnungen die Preife des Haupt- Nahrungsmittels( des landes­üblich vorherrschenden Brotkornes) zu Grunde gelegt hätte! Befonders, da er die Verhältniffe der Quantitäten, in welchen jede von, den drei Getreidearten in jedem Zeitraume confumirt wurden, nicht mit in Berücksichtigung gezogen hat.

Wir find übrigens weit entfernt, diefe Unterfuchung über das Getreide als Werthmeffer des Geldes defswegen verwerfen zu wollen, der Verfaffer hingegen gewifs eben foweit entfernt, apodiktifche Wahrheiten darin zu erblicken; und als eine Darlegung relativ richtiger Ideen, bei deren Würdigung die nöthigen Vor­behalte ftillfchweigend verftanden werden, find beide Tableaux mit dem erläu­ternden Texte und den Tabellen im Kataloge nicht blofs gut gedacht, fondern auch fehr gelungen, und was das Befte ift, viel verfprechende Beweife, wie fruchtbar eine verftändige Behandlung der Preisgefchichte für die wiffenfchaftliche Erkenntnifs zu werden vermag.

Die Specialunterfuchungen des Baron A. v. Steiger, deren Ergebniffe gleichfalls in mehreren graphifchen Tableaux dargestellt find, bezogen fich zunächst auf die Vergleichung der Weizen- und Kornpreife in Bern und Prag von 1528-1871 und der Roggenpreife dafelbft von 1620-1871. Ueber das zu Grunde gelegte Material haben wir früher fchon berichtet; die böhmifchen Daten leiden wieder an der Ungleichförmigkeit ihres Charakters, die fchweizeri­fchen fcheinen ziemlich genau zu fein; wir haben fie mit denen des eidgenöffifch­ftatiftifchen Bureaus in Bern verglichen und der Verfaffer hebt aufserdem felbft hervor, dafs von 1783-1830 die aus dem Staatsarchive ermittelten mit den Stadt­marktpreifen verglichen werden konnten und dafs, wenn auch eine mathematifche Gleichheit fich nicht erwarten liefs, doch die aus den verfchiedenen Quellen erho­benen Preife eine Annäherung bis auf wenige Percente ergaben, um welche die Stadtmarktpreife höher find. Was die alte Berner Geldwährung betrifft, fo hätten wir freilich etwas genauere Angaben, befonders über den Silbergehalt des Berner Pfundes gewünfcht, um den graphifchen Tafeln ein unbedingtes Vertrauen ent­gegenbringen zu können; aber die ganze Arbeit macht fo fehr den Eindruck der Sorgfalt und Gediegenheit, dafs wir uns wohl mit dem Gebotenen begnügen dürften. Um dem aus der graphifchen Darftellung hervorgehenden Mifsverftändniffe wegen der wahren Preisfteigerung vorzubeugen, wurden für jede 25jährige Periode die Mittel aller von einem Jahre zum anderen vorgekommenen Preisfchwankungen nach Percenten vom Mittelpreife berechnet und angeführt. Diefes Schwankungspercent nimmt gegen die Neuzeit hin ftark ab, wenn auch die Preife um ebenfoviel Gulden und Kreuzer differiren als in älterer Zeit.

Die Aufgabe diefer vergleichenden Zufammenftellung war, im Wefentlichen. zu zeigen, wie die Macht des Verkehrs und ein höherer Intenfitätsgrad der Wirth­fchaft immer mehr nivellirend auf die Preisunterfchiede verfchiedener Länder wirkt. War für den Verfaffer die Wahl der beiden Vergleichungspunkte zunächft aus äufseren Motiven hervorgegangen( er ift ein in Prag lebender geborner Schweizer, fo fuchte er diefe Wahl doch auch tiefer zu rechtfertigen mit den politifchen und