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Der Welthandel : (Additionelle Ausstellung Nr. 6) ; Bericht / von Carl Thomas Richter
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Der Welthandel.

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desfelben fich in einem runden Grammen- oder Decigrammen- Gewichte ausdrücke, das controlirbar fei für Jedermann, welches auf die hiftorifch gewordenen Münzen aller wichtigeren Münzfyfteme billige Rückficht nimmt und allen Völkern ohne Ausnahme einen Theil der Arbeit auferlegt, welche nothwendig ift, um dasfelbe einzuführen.

Der Vorfitzende brachte nunmehr die Währungsfrage zur Verhandlung und wurde einftimmig anerkannt, dafs das Syftem der reinen Goldwährung als Endziel anzuftreben, und fowohl der Doppelwährung( Alternativ oder Wahl­währung) als auch der reinen Silberwährung vorzuziehen fei. Was nun die Modalität der Einführung der Münzen des neuen Syftemes betrifft, fo bemerkte der Vorfitzende, dafs man Goldmünzen nur dadurch im Lande erhalten könne, dafs man denfelben ein fpecielles Gebiet der Circulation anweife, und wies auf das Beifpiel der Vereinigten Staaten hin, in welchen nur Gold für Zölle angenom­men wird und gewiffe Waaren blofs gegen Gold gehandelt werden und die Regierung das für Zölle eingenommene Gold wieder zur Zahlung der Zinfen der öffentlichen Schuld und Beftreitung einiger anderer Ausgaben verwendet. Aehnlich würden ja auch in Oefterreich die Zölle nur in Edelmetall entrichtet, und gewiffe Zinfen der Staatsfchuld in Silber bezahlt. Die Einführung der neuen Gold­währung müffe auch dadurch gefördert werden, dafs z. B. die Eifenbahnen die Zahlungen, die fie zu empfangen haben, von einem gewiffen Zeitpunkte an in Gold obligatorifch machen.

Herr Sectionsrath Buchaczek machte die Bemerkung, dafs die Ein­führung der neuen Goldwährung mit einem Male in Ländern gefchehen könne, die, wie z. B. Oefterreich, eine Papiervaluta haben. Herr J. Meyer entgegnete hierauf, dafs die formelle, das heifst rechnungsmäfsige Einführung der neuen Währung allerdings mit einem Male erfolgen könne, und dafs in diefem Punkte die Anfchauung des Herrn Vorfitzenden diefelbe fei, was der Letztere beftätigte, dafs jedoch die materielle Einführung, das heifst das Ausprägen der Stücke, namentlich aber auch der Goldmünzen des neuen Syftemes und die Erfüllung der verfchiedenen Verkehrsadern mit denfelben doch nur fucceffive erfolgen könne. Hierauf wurde auch der Antrag bezüglich der Einführungsmodalitäten

angenommen.

Bezüglich der Frage II über die Hauptmünze und die Rechnungseinheit bemerkte der Vorfitzende, dafs das Franc- und das Markfyftem zu einem inter­nationalen Münzfyftem fich nicht eignen, indem fowohl der Centime als der Pfennig als Hundertftel- Münze für die Preisverhältniffe unferer Zeit zu klein feien und dafs in Frankreich der Sou die eigentliche Hundertftel- Münze fei. Derfelbe wies durch vorgelegte Tabellen nach, dafs das Syftem des Francs und noch weniger jenes der Mark die Fähigkeit befitze, fich den hauptfächlich beftehenden Münzen in demfelben Grade zu fubftituiren, wie es der Fall ift mit den Münzen, welche in dem Syftem eines Dollars von 150 Centigramm fein Gold hergeftellt werden können. In diefem letzteren Syfteme, welches auch die Metricität für fich hat, finden fich beinahe alle Hauptmünzen der wichtigeren Münzfyfteme innerhalb weniger Percente, welche aber für den Kleinverkehr von keiner Wichtigkeit find, wiedergegeben. So z. B. ift die Mark nur im Stande, 15 folcher Reproductionen wiederzugeben, ein Zehntel der im Jahre 1857 befchloffenen deutfchen Krone würde nur den Thaler innerhalb fieben Percent, durch 28 Silbergrofchen darftellen, und den füd­deutfchen Kreuzer innerhalb 5 Percent. Diefs, fowie der Umstand, dafs diefem letztgenannten Stücke die Scheidemünze fehlte, war die Urfache des Scheiterns desfelben.

Was das Mifchungsverhältnifs betrifft, fo wurde von dem Vorfitzenden beantragt, eine Münze von 7% Gramm fein Gold mit einem Kupferzufatze von ½ Gramm, fomit im Bruttogewichte von 8 Gramm auszuprägen. Ein folches Stück, verfertigt von einem verlässlichen Goldfchmiede in Berlin, wurde von dem

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