20
Dr. Alois Pokorny.
Bei der Unmöglichkeit, die mineralogifchen und geologifchen Schätze der I. Gruppe nur einigermafsen eingehend von ihrer didaktifchen Seite würdigen zu können, mögen unter der Fülle des Gebotenen nur einige Beiſpiele zum Schluffe hier kurz angeführt werden, als die Ausftellung der Berg- und Hüttenproducte, der k. k. Montanwerke( Idria, Brixlegg, Joachimsthal, Raibl, Swoszowice, Příbram, Häring, Klaufen, Spital) und der öfterreichifchen Salinen im Pavillon des k. k. Ackerbauminifteriums; die prachtvolle Ausftellung der Stafs further Steinund Kalifalze im deutfchen Montan- Pavillon( gegenwärtig dem k. k. Hof- Mineraliencabinet in Wien bleibend einverleibt); die Mineralfchätze der englifchen Colonien, darunter die Cap- Diamanten, die Goldvorkommen von Queensland und Victoria, die Mineralien des neufeeländifchen Colonial- Muſeums; das Salzvorkommen aus den Punjab in Oftindien; die Ausftellungen von Brafilien, Spanien, der Türkei, darunter die paläontologifchen und geognoftifchen Sammlungen von Dr. und Madame Abdullah Bey, von Griechenland, Japan u. f. f.
Botanifche Sammlungen. Gegenüber den fo zahlreichen und reichhaltigen mineralogifchen Sammlungen waren die botanifchen für die mittlere und höhere Stufe des Unterrichtes auf der Weltausftellung, wie es in der Natur der Sache liegt, minder vertreten. Eigentliche Pflanzenfammlungen oder Herbarien eignen fich wenig zur Schauftellung und die Schule und der Unterricht benützen mit Vorliebe und mit Recht theils frifches Material, theils als Erfatz desfelben gute Abbildungen und Modelle. Nichtsdeftoweniger waren auf der Weltausftellung auch Herbarien von hohem didaktifchen und wiffenfchaftlichem Intereffe, vor allem. aber auch in den Ausftellungen der II. Gruppe( Forft- und Landwirthfchaft) ein immenfes botanifches Material von Hölzern, Früchten, Droguen und dergl. aufgefpeichert. Endlich haben die temporären internationalen Ausftellungen lebender Pflanzen, fowie die ftabilen Gartenanlagen ein nicht weniger ergiebiges Feld für den Botaniker geliefert, deffen didaktiſch wichtige Seite wohl im Allgemeinen zu wenig gewürdigt und wegen Kürze der Zeit auch nicht genügend ausgebeutet worden fein dürfte.
Von eigentlichen Schul- und Mufeal- Sammlungen brachte auch auf diefem Gebiete die öfterreichifche und deutfche Unterrichtsausftellung das Meifte; doch waren auch fehr brauchbare und lehrreiche Herbarien von der Schweiz, von Italien, Schweden und den überfeeifchen Ländern ausgeftellt.
Unter den Kryptogamen- Sammlungen ift zunächt die Algenfammlung von E. Leveling aus Wien zu erwähnen. Diefelbe umfafst die Algen des adriatifchen Meeres in 20 Tableaux, unter Glas auf einem Stativ drehbar aufgeftellt. Die Präparation diefer Algen zeigt infofern einen Fortfchritt, als diefelben nicht wie gewöhnlich auf dünnem Papier, fondern auf Cartons aufgezogen find, was feine entfchiedenen Vortheile hat. Das werthvolle Lichenen- Herbar des verftorbenen Profeffors A. Maffalongo( Lichenes veneti rariores, herausgegeben von M. Anzi) war in der weftlichen Agriculturhalle in leider wenig geeigneter Weife zur Anficht ausgeftellt. Weit zweckmäfsiger waren dagegen die Clado niae auftriacae von Dr. S. Poetfch aus Kremsmünfter in zwei Foliobänden eingerichtet. Jedes Blatt diefes Flechtenherbars hatte einen dicken Rahmen, wie in einem Photographie- Album, wodurch die Flechten vor Druck und vor dem Eindringen des Staubes bewahrt blieben, eine Methode, die fich für ähnliche Sammlungen fehr bewähren dürfte.
-
E. de Thuemen Fungi auftriaci exficcati lagen als Verlagsartikel der Firma S. Calvary( Berlin) in der Ausftellung der deutfchen Buchhändler auf und dürften defshalb vielfach überfehen worden fein. Eine andere Pilzfammlung, hauptfächlich gut getrocknete Durchfchnitte gröfserer Pilze enthaltend, von Dr. Bolla aus Prefsburg, waren theils in der Ausftellung des öfterreichifchen Apothekervereines, theils in der ungarifchen Unterrichtsausftellung zu fehen.