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Türkei : Bericht / verfasst im Auftrage des Comité für den Orient und Ostasien von Carl Sax
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Carl Sax.

thümlich die Geftaltung der einzelnen Theile des grofsen osmanifchen Reiches ift. Nun haben fich durch die Erkenntnifs der Regierung und die Thätigkeit derfelben, durch die Thätigkeit einzelner hervorragender Sammler faft die meiſten türkifchen Provinzen, und ausgiebiger als je, an der Weltausftellung in Wien betheiligt. Wären wir daher von vorne herein nur an der Hand der Gruppen- Eintheilung in unferer Darstellung vorgegangen, um die wirthfchaftlichen Kräfte und die Productions­fähigkeit des türkifchen Reiches zu kennzeichnen, fo würde jede einzelne Gruppe ein geographifches und ethnographifches Chaos gebildet haben, aus welchem bei der Unbekanntfchaft mit den Verhältniffen der Türkei wohl Niemand fich zurecht gefunden hätte. Jetzt, nachdem wir die einzelnen Provinzen nicht nur nach ihrer Lage und Bevölkerung, fondern auch nach ihren wichtigften Producten und Productions- Verhältniffen und handelspolitifchen Beziehungen gekennzeichnet haben, jetzt dürfte es leichter fein, am Schluffe unferer Betrachtungen noch im Fluge die Ausstellung der Türkei zu kennzeichnen.

An der erften Gruppe betheiligten fich faft alle Vilayets, welche mine­ralifche Producte liefern; fo Kaftamuni mit Kreide, fchönen Zinnerzen, mit Salz, Adrianopel mit Steinkohlen, Soda und fchönem Marmor, und wie Gallipoli brachte es Meerfalz. Auch Jerufalem, Skodra hatten Salz ausgeftellt. Das Vilayet Adana hatte fchönes Kupfer, Edirne Granit, Kupfer und Zinn, Mitylene Eifenerz, Antimon, Chrom und Schwefel; das Vilayet der Dardanellen Blei, Eifenerz, Thon und Okererde eingefendet. Aus Bourouk war filberhaltiges Bleierz, Kreide, Soda, Mangan und der unter dem Namen Obfidian geſuchte fchwarze Bernftein ausgeftellt. Die reiche Sammlung wurde vor Allem durch die Mengen fchönen und reinen Kupfers, dann durch die Steinkohlen aus den Vilayets Janina, Thuna, Aïdin, Pifren u. f. w. von hohem Intereffe. An mineralifchen Brennftoffen und an den verchiedenartigften Metallen ift die Türkei reich genug, um zahlreiche Induftrien zu unterſtützen.

Am reichften bedacht war in der ganzen türkifchen Ausftellung die zweite Gruppe der Land- und Forstwirthschaft. Mehr als 1000 Ausftellungsgegenstände, welche die Regierung und einzelne Vilayets- Verwaltungen gefammelt hatten, zeigten den landwirthfchaftlichen Reichthum der Türkei. Aus den verfchiedenften Gegenden waren die üppigen Gartengewächfe, Melonen, Bohnen, Zwiebeln und die fchönen, der Türkei allein angehörigen Fifolen, dann alle Arten der Feldfrüchte, Weizen, Gerfte, fchwarze Gerfte, Reis, Zwiebel u. f. w. und die reichen, vielfach verfchiedenen Obftgattungen, zumeift aus dem Vilayet Bagdad, den Vilayets Pifren, Konia und Syrie, ausgeftellt. Adrianopel, Philippopel, Galli­poli hatten Wolle, unbearbeitet und roh und verfchiedene Sorten feiner Ziegenhaare, die für die türkische Teppichfabrication von grofser Bedeutung find, eingefendet. Ismid aus dem Vilayet Gallipoli, Ift amaka und Rizantik aus dem Vilayet Adrianopel hatten die beachtenswerthen und für die türkifche Weberei fo wichtigen Seidencocons in den verfchiedenften Farben von grünlich und grünlichgelb bis zu den filberweifsen und hellen, goldftrahligen Cocons ausgeftellt. Tabak war von allen tabakbauenden Vilayets von den gewöhnlichften bis zu den feinften Sorten, ebenfo Baumwolle aus den verfchiedenften Vilayets ausgeftellt. Die letztere war zumeift durch Kapfeln, Samen und Baumwoll- Flocken vertreten, kurzftaplig, aber fchön weifs und ziemlich feidig war die Baumwolle aus dem Vilayet Iles, aus Tchanakkale und aus dem Vilayet Chypre die Stadt Lefkocha. Die Türkei vermag die Summen ihrer landwirthfchaftlichen Producte keineswegs felbft zu ver­zehren. Getreidefrüchte und Gartenfrüchte, einzelne Handelsgewächfe, viel Hanf­und Leinfamen, dann die Producte des Thierreiches, die von jeher gefuchten türkifchen Wollforten, Fliefse und Felle, die Ziegenhaare, Wachs und Seide wer­den ausgeführt und geben dem Lande das Capital für Leben und Wirthschaft. Unerfchöpflich müffen die Quellen der türkifchen Landwirthschaft genannt werden, denn es ift keineswegs die intenfive Arbeit, fondern der Reichthum und die Ueppig. keit des Bodens, welcher die grofsen Mengen der Feld- und Gartenfrüchte producirt.