Türkei.
53
Die chemifche Induftrie war durch verfchiedene rothe und weifse Schminken, durch Haarfärbe- Mittel und Mofchusfeifen, wie fie der Türke liebt, durch eine hoch bedeutende Sammlung von Opiumarten und Scamoreen, durch den gelehrten Oberft Fay k Bey zufammengeftellt, vertreten. Auch zahlreiche Oele, Rofenöle, Mandelöle, Birnenöl, Lorber- und Waffermelonenöl aus dem Vilayet Guired, Maftix, Scamonium, Laudanum, Terpentin dann verfchiedene Harze, aus dem Vilajet Archipel, weifses und Colophonium, Harz, Naphta und Pech aus dem Vilayet Sivas und Haudavendig und endlich aus dem Vilayet Konia und Amgora Traganth als Producte, welche durch den Handel fowohl nach Europa, wie auch zu anderen afiatifchen Stämmen gebracht werden. Die Türkei ift reich an mineralifchen Wäffern und das Vilayet Konia, das Vilayet Aleppo hat aufser Mineralwäffern auch Schwefelwäffer, das Vilayet Pisren und das Vilayet Trapezonte, Sauerbrunn- Waffer und Mineralkupfer- Waffer ausgeftellt. Die ganze Sammlung diefer Güter war durch das Gouvernement eingefchickt worden.
Der Reichthum der landwirthschaftlichen Producte läfst fich auch daraus fchliefsen, dafs die Türkei auch an der Ausftellung der Nahrungs- und Genufsmittel fich ausgiebig betheiligen konnte. Der Wein, der in vielen Provinzen der Türkei gedeiht, war durch zahlreiche Sorten aus der Umgebung von Conftantinopel und aus dem Vilayet Guirid vertreten. Dann ragten die verfchiedenen Früchte, Früchtenfaft und die verfchiedenen von den Türken fo fehr geliebten Zuckerwerk- Sorten aus Rofen, Citronen, Pomeranzen u. f. w. wie fie das Vilayet Archipel in ganz bedeutenden Quantitäten, das Vilajet Alep und Syrie in den verfchiedenften Sorten für den Handel erzeugen, befonders hervor. Oliven und Olivenöl war aus dem Vilajet Janina und Jerufalem, dann aus Skodra und Diarbekir in reicher Menge, wie es auch in den Handel kommt, eingefendet worden.
Bei jenen Induftrien, welche wie die Textilinduftrie überhaupt, dann die Lederinduftrie und Metallinduftrie die Türkei befonders auszeichnen und die auch für den Handel des Landes von Wichtigkeit find, können wir uns doch ziemlich kurz faffen. Seit die Bewegung, welche das künftlerifche Streben in der Induftrie, zumeift in der Textil- und Metallinduftrie wieder lebendig gemacht haben, ift man im Studium auf die an Tradition und Ueberlieferung hängenden Afiaten, die Türken, Perfer, Indier fehr eifrig zurückgekommen. Die farbenprächtigen, kleinen und ruhigen Mufter der türkifchen Teppichfabrication, wie fie in fo vielen Provinzen als Hausinduftrie und doch für einen ganz bedeutenden Handel geübt wird, die Solidität der Handarbeit, die Schönheit und Feinheit des Materiales find längst bekannt, und die Berichterftatter der einzelnen Gruppen haben fich die Betrachtung derfelben keineswegs entgehen laffen. Und doch hat weder Conftantinopel noch das Vilayet Adana, ebenfo wenig wie das Vilayet Archipel von feinen aus Ziegenhaaren und Wollen gewebten Teppichen das Schönfte eingefendet. Reicher und bedeutender waren die Seidenftoffe von Bruffa und aus den Gebieten des Libanon vertreten. Noch behauptet die Türkei in Vielem die originelle Arbeit und die originellen Mufter. Allein man konnte an manchen Ausftellungsgegenftänden, zumeift unter den Stoffen von Bruffa, den Einflufs Europas, der keineswegs günftig genannt werden kann, fchon bemerken. Zum Glück erhält das Nationalcoftüm noch zahlreiche originelle Mufter und Producte. Es war daher die von der Türkei am reichften befchickte additionelle Ausftellung von Coftümen des türkifchen Reiches von hohem Intereffe. Konnte man einerfeits die Richtung der gefammten türkifchen Textilinduftrie, die mit der Nützlichkeit und der Brauchbarkeit allenthalben Schmuck und Schönheit beim Coftüm zu verbinden fucht, erkennen, fo konnte man anderfeits auch wohl bemerken, dafs jede andere Induftrie, welche auf den Export rechnet, nur dann in die Türkei eindringen und für den grofsen Confum der Bevölkerung arbeiten kann, wenn fie dem nationalen Gefchmacke, den religiöfen und gefellfchaftlichen Bedürfniffen umfaffend Rechnung trägt.
5