Dokument 
Persien : Bericht / on J. E. Polak
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen

28

Dr. J. E. Polak.

Die ausgedehnte Zucht in Isfahan ift wieder eingegangen. Die Rohfeide wird meift nach Frankreich via Marſeille verkauft, nur ein geringer Theil wird im Lande in Tabris, Yezd, Kafchan, Isfahan und Refcht verarbeitet. Die Seidenraupen- Krank­heit war bis 1864 inclufive nicht gekannt, fo zwar dafs viele italienifche Kaufleute jährlich dahin zogen, um gefunde Grains anzukaufen. Die Regierung, welche anfangs die Ausfuhr prohibirte, gab fie fpäter frei. Ob durch die Communication mit Italien oder durch andere Umftände, kurz im Jahre 1865 brach die Krankheit mit Heftigkeit aus und reducirte die Seidenernte auf höchftens ein Dritttheil. Die perfifche Regierung fah fich felbft gezwungen, Grains für eine halbe Million Francs aus Japan zu kaufen, welche jedoch kein genügendes Refultat lieferten. Beffer bewährten fich die Grains, welche aus einzelnen Oafen Choraffans, aus dem Inland bezogen wurden, doch ift im Ganzen der jetzige Ertrag kaum die Hälfte deffen, was er einft gewefen.

27

Bienen erzeugen viel Honig und Wachs, welches letztere auch eine Aus­fuhr hat. Einige Atten von Mylabris vertreten in der Medicin die Stelle von unferen Kanthariden, find jedoch kräftiger als fie.( Siehe Profeffor Schroff's: Die Kanthariden Perfiens". Wien 1862.) Früher, als in der Medicin das Syſtem der Blutentziehung durch Egel eine ausgedehnte Anwendung gefunden, war auch der Export von Gilan und Mafanderan nach Frankreich fehr rentabel. Ein Wechfel im Modus oder in der Mode der Behandlung hat diefen Zweig der Induftrie lahm­gelegt. Aus diefer Skizze ift zu entnehmen, dafs die Urproduction nach dem Ver­hältnisse des culturfähigen Bodens und des Fleifses und des Genies der Ackerbau und Viehzucht treibenden Claffe fehr gering ift, und dafs fie noch einer grofsen Entwicklung fähig ift. Das Volk verlangt dazu nicht den Schutz von, fon­dern vor der Regierung.

Induftrie und-Kunftproducte.

Mit dem Fortfchritt der europäiſchen Maffenproduction durch Maſchinen und Theilung der Arbeit, mit der leichteren Einfuhr der Producte nach Per­fien, mufste die einheimifche Induftrie fowohl an Qualität als an Quantität zurücktreten. Viele Artikel, die früher eine lohnende Ausfuhr hatten, wer­den jetzt entweder gar nicht, oder fchlechter und in geringerer Menge erzeugt. Es lohnt nicht mehr, feine Garne zu fpinnen oder mühfam Damascenftahl zu fchweifsen, felbft die einft berühmten inländifchen Farben müffen allmälig den Anilinerzeugniffen weichen. So wurden auch die einft gefuchten Fayence­gefchirre durch ordinäre Halbporzellane erfetzt. Dazu kommt noch, dafs durch häufigere Berührung mit Europäern und durch Einführung abendländifcher Moden das Bedürfnifs nach Luxusartikeln in ftetem Wachfen begriffen ift. Hätte in dem von Natur fo gefegneten Lande die Urproduction in dem Mafse zuge­nommen, fo wäre leicht ein Ausgleich wieder erzielt worden, doch diefes ift nicht gefchehen. Durch fchlechte Verwaltung und Elementarereigniffe hat diefe fogar bedeutend abgenommen. So ift es leider vorauszusehen, dafs, wenn nicht neue Hilfsquellen eröffnet werden, welches bei fo productiven Boden und Leuten fehr leicht möglich ift, in einigen Jahren, der fämmtliche Nationalreichthum fchwinden mufs.

Im Ganzen kann die Induftrie Perfiens mehr eine Hausinduftrie genannt werden, in dem Sinne, dafs mit Ausnahme der königlichen Zeughäufer, Münze, kurz einiger Staatsetabliffements, keine eigentlichen Fabriken beftehen, fondern nur Werkstätten, in denen das Verhältnifs des Meifters zu den Gefellen und Lehr­lingen befteht. Es herrfcht zwar vollkommene Gewerbefreiheit, das heifst ein jeder