Perfien.
35
Spiegelfaceten etc. fehr luxuriös und bietet ein reiches Feld von Variationen. Doch auch im Bauftyl ift ein wahrer Rückfchritt zu beobachten. Während man früher durch fefte Bauart, grandiofe Hallen, kühne Wölbungen, Verwendung verfchiedener Marmorarten und künftlerifcher Fayencen einen ruhigen Effect erzielte, überladet man jetzt die unfoliden Mauern und die noch unfolideren Plafonds mit Zierrathen, Schnörkel, Blumenbouquetchens und Spiegelfacetten, wodurch zwar ein einzelner Theil betrachtet wohlgefällig fich darbietet, doch im Ganzen wird. der Eindruck des verirrten Gefchmacks vorwiegen. Man braucht nur die jetzigen königlichen Schlöffer, die Karawanferaien, Madraffes und Tekièhs( Arena) mit den früheren in Isfahan, Schiraz u. f. w. zu vergleichen um den Unterfchied herauszufinden. Mit der Vorliebe des Perfers für das Zeltleben verfteht er es, die Zelte nach Bedürfnifs, Reichthum, Bequemlichkeit und Zweck auf verfchiedene Weife zu modificiren und zu decoriren, fo dafs keines dem anderen ähnlich fieht, und dafs in der inneren Ausfchmückung, in Verwendung von Pers- Cotton, Seide, Quaften, Borduren und aufgenähten Muftern fich immer ein origineller, gut durchdachter Plan kundgibt; jedoch ift nicht zu leugnen, dafs die Ausgaben für die Anfchaffung als auch für den Transport viel zum Ruine einzelner Familien. beitragen. Aus diefer allerdings die Induftrie und Production Perfiens nicht erfchöpfenden Skizze wird es hervorleuchten, dafs bei der nüchternen, fleifsigen und erfinderifchen Anlage der Einwohner, bei ihrer Kunftfertigkeit, lebhaftem Sinn für Farbe und edle Formen, bei ihrer rafchen Aneignung fremder Kunftgriffe, bei ihren bewunderungswürdigen Leiftungen in unterirdifchen Erdbauten, durch Einführung neuer Communicationsmittel, verbefferter Inftrumente der Arbeiter und Belehrung, in weit kürzerer Zeit, als man gewöhnlich annehmen will, ein reiches Feld für Induftrie, Production und Kunft fich eröffnen, und dafs mit einziehendem Reichthum ein vortheilhafter Handel für Ex- und Import fich herftellen dürfte, dafs jedoch unter den gegenwärtigen Verhältniffen ein Rückgang der Production ftattfinden mufs.
Befchreibung der Ausstellung.
Es lag im Intereffe der Wiener Weltausftellung, dafs der Orient vorzüglich mit feinen Erzeugniffen vertreten fei, es durfte hiemit Perfien nicht fehlen. Da jedoch diefes Land zu der Zeit von fchweren Calamitäten heimgefucht und hiemit keine Initiative von ihm zu erwarten war, fo wurde der Herr Generalconful von Zwiedinek nach Tabris delegirt, um in Angelegenheiten der Ausftellung zu wirken. Er fand bei feiner Ankunft die Lage kritifch, er fuchte jedenfalls der Mitwirkung des Grofshandlungshaufes Ziegler& Comp. fich zu verfichern, er fammelte auch fehr viele intereffante Daten über den Handel Perfiens, befonders der Provinz Azerbeidfchan, namentlich Tabris, welche hier vielfach benutzt werden. Zu gleicher Zeit im Herbfte 1872 veröffentlichte Dr. J. E. Polak eine Brochure unter dem Titel„ ,, Betheiligung Perfiens an der Wiener Weltausftellung", die mit Hilfe des Herrn Hofrathes Dr. Barb ins Perfifche ele gant überfetzt und mittelft des photo- lithographifchen Verfahrens gedruckt und in vielen Exemplaren nach Teheran gefchickt wurde. Diefe Schrift follte als Anhaltspunkt dienen für die Gegenftände, deren Einfendung von befonderem Nutzen und Intereffe wäre. Nebenbei fei erwähnt, dafs diefs das erfte felbft. ftändige Werkchen war, welches in Europa in perfifcher Sprache veröffentlicht wurde. Als fpäter Herr Graf Dubsky, öfterreichifcher Gefandter am Hofe zu Teheran, in der Hauptftadt anlangte, wirkte er felbftverftändlich für eine möglichft würdige Vertretung von Seite der königlich- perfifchen Regierung. Seine Vorftellungen waren von defto gröfserem Gewicht, als indeffen der Schah den feften
3*