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Dr. J. E. Polak.
Entfchlufs gefafst hatte, Europa und die Wiener Weltausftellung zu befuchen. Die Jahreszeit war doch bereits ziemlich vorgerückt, fo dafs die Sendungen verfpätet und bei dem langfamen Karawanentransport in unterbrochenen Partien ankamen. Unterdeffen hatte fich ein perfifches Comité in Wien gebildet zum Zwecke der Förderung der perfifchen Ausftellung, es fafste auch den Entfchlufs, einen Pavillon nach perfifcher Bauart zu errichten, zumal Bauleute aus Perfien zugefagt waren, welche den decorativen Theil ausführen follten. Befagtes Comité hatte auch Mühe und bedeutende Geldopfer nicht gefcheut, um die Aufgabe würdig zu löfen. So kam der Pavillon zu Stande, der durch die originelle Decoration die Aufmerkfamkeit der Befchauer auf fich zog. Zur Vervollftändigung der additionellen Ausftellung wurde auch von Seite der perfifchen Regierung ein Zelt eingefchickt, auf deffen Bau wir später zurückkommen.
Die perfifche Abtheilung befand fich in einem Seitentransept nahe dem Oftportal, zwifchen der rumänifchen und chinefifchen. Das Portal, gegen die chinefifche Abtheilung fchauend, war durch eine einfache, aber gefchmackvoll gehaltene Decoration von Teppichen verfchiedener Qualität ausgezeichnet, auf deffen Aufsenfeite das perfifche Landeswappen( Löwe mit aufgehender Sonne) und auf deffen Innenfeite ein fein ausgeführtes kalligraphifches Tableau angebracht war. Die Ueberfetzung der Verfe würde etwa lauten:
,, Jeder zeiget Waaren fchlecht und recht,
Wenn's nach Wunſch gefällt, ift's Allen recht."
Die Gegenftände felber waren theils in Kaften untergebracht, theils waren die Webeftoffe decorativ an den Wänden aufgehängt. In der Mitte der Abtheilung befand fich eine wenig erhabene Plattform mit einem grofsen Farahan- Teppich bekleidet, und am Eingange zwei Coftumepuppen, einen Perfer und eine Perferin darftellend, welche von der Art der Bekleidung in der befferen Gefellfchaft eine Vorftellung geben follten.
Auf die einzelnen Gegenftände übergehend, fanden wir
I. Gruppe
( Mineralien und Salze) Salze) nur fchwach durch zufällige nicht gewählte Exemplare vertreten, wie diefs auch bei der herrfchenden Eile kaum anders zu erwarten war, zumal der einzige Mann, der dafür Verftändnifs gehabt hätte, Dr. Schlimmer, nicht zu Rathe gezogen wurde, aufserdem kein Muſeum exiftirt. Um fich künftig vor ähnlichen Mifsgriffen zu fchützen, wäre die Anlage eines mineralogifchen Muſeums, wie ich es fchon vor Jahren projectirte, eine Nothwendigkeit.
Von den vielen und fchönen Marmorarten find nur einige Platten lichtgelben und röthlichen Onysmarmors von Kafchan und Sendfchan, und eine Platte des berühmten Maraghe- Marmors, Sediment der heifsen Quellen von Schirmahal, ausgeftellt gewefen. Von Baumaterialien wurden von den fehr reichen Gypslagern des Landes einige Sorten von kryftallinifchem und ordinärem Gyps eingefchickt, ebenfo fchönes Marienglas; auch mehrere Mergelarten zur Tünche. Eine vorzügliche, bisher jedoch nicht verwendete Kaolinerde lieferte Kermanfchah. Ein anderes Thonsilicat, fogenannte daghiftanifche Erde aus Sendfchan, ift dadurch intereffant, dafs es eine der efsbaren Erdarten liefert, nach welcher viele Einwohner theils aus Nachahmung, theils aus krankhafter Neigung lüftern find, und über welche ich fowohl, als auch Profeffor Goebel in Petersburg früher Bericht erftatteten. Mehrere unanfehnliche Mufter von Kochfalz gaben nur eine geringe Idee von den unerfchöpflichen Lagern, die fich fowohl von Natrium als Kalifalzen im Lande befinden. Auch Mufter von Salpeter und Alaun waren in der Sammlung. Von den vielen Schwefellagern war auch eine geringe Menge amorphen Schwefels wegen des neuen Fundortes Sendfchan beachtenswerth.