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Persien : Bericht / on J. E. Polak
Entstehung
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Perfien.

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Gewicht und die Vorficht, die nothwendig wird, um fie vor Mottenfrafs zu schützen, verhindern derzeit noch den Export. Die Shawls, obwohl nicht durch die fchönften Exemplare repräfentirt gewefen, zeichnen fich gerade wie die Teppiche durch gefällige Mufter, Qualität, wodurch fie den indifchen am nächften ſtehen, und billigen Preis vor anderen aus. Repräfentanten aus Kerman Yezd und Mefched waren vorräthig. Leider zeigte eine mehrmonatliche Erfahrung, dafs das grofse Publicum an die fchreienden Farben und Mufter der europäifchen Shawls gewöhnt, für diefe vortreffliche Waare nur wenig Sinn äufserte und fie im Vorbeigehen kaum eines Blickes würdigte. Auch für die inländifche Shawlfabrication find die oben bezeichneten Klippen gefährlich.

Von fonftigen Wollfabricaten waren die fchmiegfamen Berekflanelle aus Kameelhaar beachtenswerth, die Theuerung des Erzeugniffes und der faft unver­meidliche Mottenfrafs wird doch kaum je einen Export erlauben. Ebenfo werden die abbaï- und thibetartigen Gewebe( Aghri), obwohl fie fich durch Dauerhaftig­keit, Wafferdichte und eingewebte Goldfaden auszeichnen, wohl für Burnus und Talare geeignet find, doch kaum je einen Gegenftand des Exports bilden.

Wir erwähnten fchon, dafs die Baumwoll induftrie die europäiſche Con­currenz nicht zu beftehen vermöge, dies wurde auch durch die eingefchickten Waa­ren vollends beftätigt. Sie war ärmlich bedacht, wir fanden zwar noch einige präch­tige Pers- oder Indienne- Stoffe( Kalamkar), die durch mufterhaften Handdruck und feine Zeichnung herrorragten, und auch rafch Kenner und Käufer herbeizogen, doch waren die Nankings( Gadek), ein Haupt- Bekleidungsftoff der mittleren Claffen, und die Rohcattune( Kerbas) gar nicht vertreten. Mag diefes auch nur Zufall fein, dafs fie vergeffen wurden, fo gab doch der Rückgang der Erzeugung einige Be­rechtigung dazu. Viel Anklang haben die neuen Portière- Stoffe aus Baum­wolle und Wolle durch ihr fhawlartiges Ausfehen und Billigkeit gefunden. Gleich in den erften Tagen haben Liebhaber und Kenner fie zur Nachahmung angekauft. Gerade wie mit den Baumwoll- verhält es fich auch mit den Seidenerzeug­niffen. Wir fanden nur die fchön fchillernden, fchweren, fhawlartigen Seiden­ftoffe( Tirmehnæma) die kleinmuftrigen Halbatlaffe( Gatni) und Halbfammt von Kafchan der Beachtung würdig, während die anderen Stoffe durch ungleiches Gewebe, Glanzlofigkeit, Ungleichheit des Fadens und fchlechte Appretur auffielen, und als Beiſpiel der Vergeudung des erften Materiales der Bekleidung dienten. Ja, in gemifchten Geweben war die Seide fo unvortheilhaft angebracht, dafs man nur durch Prüfung ihrer gewahr wurde. Nebft Teppichen war die Ausftellung am beften durch mofaikartige Zufammenftellung von verfchieden farbigen Tuchforten( Tuch­mofaik) vertreten. Diefe Fabrication wird fchwunghaft in Refcht betrieben. Die gefchmackvolle Zufammenftellung der Farben, das tadellofe Einnähen und die Tambourirung zeichnen die Waare aus. Doch hat die Erfahrung gelehrt, dafs, fo fehr auch das einzelne Stück gefallen mag, es doch gefchieht, wenn viele Waare dem Anfchauer fich bietet, diefer durch die grellen Tuchmufter ermüdet und unbefriedigt vorbei zieht. Der geringe Zufpruch für die Maffe trotz der Schönheit jedes einzelnen Stückes hat das Gefagte beftätigt. Die Stickereien und Strumpf­ftrickereien, als eigentliche Arbeit der Haremfrauen, haben überall durch liebliche Mufter, fleifsige Ausführung und Anfpruchslofigkeit Anerkennung, Nachahmung und Käufer für Muſeen gefunden. An den ausgeftellten Bekleidungsftücken ift der Einflufs europäifcher Moden nur durch verwendete abendländifche Stoffe und Goldfchnüre erfichtlich, in Wirklichkeit ist jedoch die Aufnahme neuer Kleider­formen nach europäiſchem Schnitt, felbft unter Frauen des Harems im fichtlichem Auffchwung begriffen. Zu den Coftumen beiderlei Gefchlechtes ift viel Seide und Shawl verwendet. Der Abgang einer jeden Halsbinde, felbft des Hemdkragens ift charakteriftifch, aber auch für die Gefundheit von befonderem Nutzen; lei derift auch diefer fchöne Gebrauch in Abnahme begriffen. Die berühmte Lammfell- Mütze wurde durch ein fumptuarifches Gefetz verpönt und durch dicke Tuchmützen erfetzt, welches auch nicht befonders zur Förderung der inländifchen Lammcultur beiträgt.