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Persien : Bericht / on J. E. Polak
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Dr. J. E. Polak.

Als Commentar zur Ueberficht der vorzüglichften von Europa nach Perfien importirten Artikel laffen fich folgende Daten anführen.

Die erfte Rolle unter den Einfuhren ſpielen die englifchen Manufacturen, und zwar vor Allem die gefärbten und gedruckten Baumwoll- Stoffe. Die englifchen Fabriken verwenden grofse Sorgfalt auf die Mufter, welche von eigenen Zeichnern nach dem Gefchmacke des Landes angefertigt und von Zeit zu Zeit gewechfelt werden. Auch aus der Schweiz wird ein kleiner Theil folcher Artikel importirt. In früheren Zeiten, fo lange der Handel mit Buchara über Tabris ging, fetzte ein einziges Haus jährlich bis zu 1 Million Francs Schweizer Manufacturen dahin ab ( türkifch- rothe und bedruckte Indiennes, fowie geftickte Mouffeline); jetzt, wo jener Handel von Rufsland monopolifirt wurde, verkauft dasfelbe Haus von folcher Waare kaum mehr für 100.000 Francs.

Grey clothes wurden früher zum grofsen Theile aus Europa importirt und von Tabris wieder nach Transkaukafien exportirt, jetzt finden nur mehr die in Tabris gefärbten dahin Abfatz, da ruffifche Fabriken nun jene Waaren nach dem Kaukafus liefern.

Die nächft wichtigen englifchen Manufacturen nach den ,, Prints" find die englifchen Grey- Calicots. Grofse Quantitäten davon werden in Tabris in fchmale Streifen zerfchnitten, blau gefärbt und dann als perfifche Manufacturen nach Rufsland gefchickt.

Stahl kommt zumeift aus England und aus Oefterreich- Ungarn über Trieft. Die jährliche Einfuhr beträgt gegenwärtig 150 bis 200 Kiften im Gefammtwerthe von 20.000 bis 25.000 Francs.

Der Import von Waffen ift bei der grofsen Vorliebe des Perfers für Jagd und Kriegsfpiel einer bedeutenden Steigerung fähig. Gegenwärtig werden Feuer­waffen, Flinten, Piftolen, Revolver jährlich im Werthe von circa 60.000 Francs eingeführt, und zwar finden Flinten mittlerer Qualität den beften Abfatz. Am gefuchteften find noch immer die englifchen. Das Kaliber ift zu 18-22 Millimeter, die Länge zu 120 bis 125 Centimeter, den Kolben inbegriffen. Befonders mit den neueren Schnellfeuer- Gewehren könnten hier fehr gute Gefchäfte gemacht werden. Die Tafchenpiftolen kommen gröfstentheils aus Belgien, die doppelläufigen aus England, ebenfo die Revolver, die jedoch bisher nur in geringer Menge hier Eingang fanden( durchſchnittlich 40 bis 50 Stück jährlich).

Der jährliche Confum von Kaffee erreicht einen Werth von 30.000 bis 40.000 Francs. Diefer Artikel kommt gröfstentheils aus Arabien über Bender­Bufchir, und nur in geringer Menge aus den Colonien. Der arabifche wird durch­fchnittlich zu 7 Francs per Batman( à 3 Kilogramm) verkauft.

Von Kryftallwaaren kommen jährlich 700 bis 800 Kiften aus Böhmen, 200 aus Frankreich und Belgien und 300 aus Rufsland. Die ruffifche Waare fängt an, der böhmifchen ernftliche Concurrenz zu machen, jedoch nur in den ordinären Gattungen, die feineren kommen noch immer nahezu ausfchliefslich aus Böhmen, namentlich die Flafchen für die Kaliums( Wafferpfeifen). Gefucht find Wafferflafchen mit fehr hohen obeliskförmigen Stoppeln, grofse Gläfer in verfchiedenen Formen, kleine Liqueurgläfer, Gläfer für den Thee, Glasglocken für Kandelaber etc. Dem perfifchen Gefchmack entſpricht vorzüglich dickes, ftarkes Glas mit buntem Farben­fchmucke; elegante und einfache Formen finden keinen Anklang.

Tücher werden ausfchliefslich aus Oefterreich- Ungarn und Deutſchland eingeführt, und zwar wurden gerade in den letzten Jahren directe Verbindungen mit den Fabriken in Reichenberg eingeleitet und von dort im Jahre 1871 ungefähr 100 Ballen auf den Markt von Tabris gebracht.

Eifen und Eifendraht kommt ausfchliefslich aus Rufsland, ebenfo wie faft alle ordinären Eifenwaaren, als: Schlöffer, Riegel, Nägel etc.

Eifenblech wird jährlich im Werthe von 30.000 bis 40.000 Francs aus England eingeführt; es vertritt bei den Perfern, feit die gemalten Fenftergläfer wegen ihrer Koftfpieligkeit aufser Gebrauch gekommen find, häufig die Stelle des