Einzelstück 
Broschüre über "Das Lehrer Pädagogium der Stadt Wien"
Entstehung
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Zeugnisse auszustellen, welche den Inhabern irgend ein Recht ver-leihen könnten, obwol man ursprünglich daran gedacht habenmag, der Anstalt eine solche Befugnis; zuzuwenden. Der Zweckder im Pädagogium stattfindendenWiederholungen" undPrü-fungen" ist sonach lediglich ein interner: es sollen die Unterrichts-ersolge gesichert und constatirt werden. Diese scheinbar ungünstigeSituation des Pädagogiums ist in Wirklichkeit eine höchst glück-liche. Denn je weniger äußere Vortheile das Pädagogiumseinen Besuchern zu bieten vermag, desto entschiedener ist es daraufhingewiesen, seine innere Kraft zu entfalten und sich durchgediegene Leistungen zu behaupten. Nicht dem Eigennutze,sondern nur dem redlichen Streben reicht es die Palme.

15. Die Uebnngsschule, gleichzeitig mit dem Pädagogiumentstanden, hat jetzt fünf Knaben- und fünf Mädchenclassen. Indrei Jahren wird sie vollständig sein.

16. In den ersten Jahren fristete sie ein kümmerliches undsieches Dasein. Während alle anderen Wiener Schulen überfülltwaren, konnte sie nur mühsam eine kleine Schaar von Schülernzusammenbringen. Es fehlte ihr das Vertrauen des Publi-kums. Auch ließen sich die bestehenden Verhältnisse nicht so leichtändern; man mußte warten, bis sie zu einer Umgestaltung reifsein würden. Auch für die Uebungsschule kam im vierten Jahredie Wendung zum Besseren. In Folge dessen wurden ihr beiBeginn des fünften Schuljahres so viele Kinder zugeführt, daßwegen Mangel an Raum circa 200 abgewiesen werden mußten.

17. Zum Director der, Uebnngsschule wurde im November1872 Herr Martin Godei definitiv ernannt, nachdem er bereitsein halbes Jahr als provisorischer Leiter der Anstalt gewirkthatte. Er war einer der ersten Zöglinge des Pädagogiums. Auchalle anderen Lehrkräfte an der Uebungsschule sind aus dem Pä-dagogium hervorgegangen. Die Uebungsschule ist nunmehr aufdem besten Wege, eine Musterschule zu werden.