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Urkunden zur Geschichte des Suezkanals / von Georgi und Albert Dufour-Feronce
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Wenn man die Ausführung einer Verbindung Asiens mit Europa über Suez ins Auge faßt, kann man sich nicht verhehlen, daß es sich um nichts geringeres handelt, als dem Handel die Richtung wieder­zugeben, von welcher ihn Vasco da Gama's Entdeckung ableitete; den Häfen des Adriatischen und Mittelmeeres würde dadurch der Handel mit dem Orient und China für das ganze feste Land von Europa direct zufließen. Unsere Fabriken würden die Urstoffe des Orients nicht mehr auf einem ungeheuren Umwege über England beziehen; die deutsche Schifffahrt würde die Bedürfniße des Gesammt= paterlandes in eigenen Schiffen herbeiführen; die Deutschen Fabriken ( wir gebrauchen das Wort deutsch in seinem allerweitesten Sinne) würden den Märkten Ost Indiens und Chinas näher liegen, als die Englischen, statt daß sie jetzt ihre Erzeugnisse diesen Märkten zum großen Teil über England zuführen müßen und daß ihnen durch diesen Umweg die Conkurrenz mit Englischen Fabriken oft unmöglich wird.

Obgleich auch England viele der Vorteile des Canals genießen würde, dürfte doch dem Scharfblicke der Engländer nicht entgangen sein, daß dem Continent von Europa relativ noch mehr nutzen aus dieser Anlage ermachsen muß; dem ist es wohl auch zuzuschreiben, wenn diese Unternehmung in England nie recht ernstlich in Anregung gebracht wurde. In Frankreich haben sich schon mehr Stimmen für dieselbe erhoben, aber es verkennt kein denkender Franzose, daß eine Anregung von Frankreich aus, bei dem Stande der französischen Eroberungen in Afrika, so wohl in London als in Cairo bedeutende Besorgnisse erregen und dem Zwecke eher entgegen als förderlich sein dürfte. In der Tat müßte es dem Pascha bedenklich erscheinen, wichtige Englische oder französische Interessen auf seinem Boden Wurzel fassen zu sehen, da dieselben leicht Veranlassung zu bedenklichen Ueber­griffen geben könnten.

Ganz anders würde sich die Angelegenheit gestallten, wenn sie mit dem Karakter einer commerziellen Speculation aus der Mitte Deutsch­lands auftauchte und wenn eine Gesellschaft Deutscher Capitalisten, wenn auch mit Hinzuziehung Englischer und Französischer Geldkräfte die Ausführung übernähme. In einem solchen Falle wäre den deutschen Großmächten Veranlassung gegeben, das Protektorat über die Unter­nehmung zum Schutze der Interessen ihrer Unterthanen zu beanspruchen und die übrigen Großmächte aufzufordern, sich zu diesem Zwecke an sie anzuschließen. Auf diese Weise allein kann der Tanal ins Leben ge= rufen werden und als ein zum Heil aller Europäischen Staaten, ohne Georgi- Dufour, Urkunden.

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