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Urkunden zur Geschichte des Suezkanals / von Georgi und Albert Dufour-Feronce
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zwei Großmächte mißtrauisch gemacht, in letzter Zeit die früher von einer englischen Gesellschaft betriebene Postverbindung zwischen Cairo und Prag ganz an sich gezogen hat.

Allein so einig als beide Großmächte hinsichtlich des Grundsatzes der Wichtigkeit der schnelleren Verbindung Europas mit beiden Indien und China und der für Handel und Verkehr daraus entspringenden Vorteile an und für sich auch waren, desto mehr weichen ihre Ansichten rücksichtlich der Art und Weise der durch Egypten herzustellenden Der= bindung von einander ab.

Denn England, eifersüchtig auf das errungene, fast ausschließliche Monopol der Schifffahrt am atlantischen und indischen Ocean wollte immer die beabsichtigte Verbindung durch die Landenge von Suez mittelst einer Eisenbahn herstellen, während Frankreich immer auf die Errichtung eines selbst für größere Ostindienfahrer schiffbaren Canals lossteuerte.

Die gegenseitigen Bestrebungen dieser beiden Großmächte fachten daher statt dem beabsichtigten 3wecke förderlich zu sein, das im Mehmed Ali rege gewordene Mißtrauen und die Eifersucht immer mehr an und machten jede von demselben mühsam erreichte einzelne Begünstigung immer rückgängig. Allein die Ereignisse der letzten Jahre in beiden Indien und China gaben den bisherigen Strebungen eine andere Rich­tung und der Handelsstand der beiden großen Staaten gelangte zur Ueberzeugung, daß die erstrebte schnellere Derbindung mit jenen Ländern jenseits des Oceans nur durch gemeinschaftliches Wirken zu erreichen und daß diese Verbindung bei den gegenwärtigen Verhältnissen Europas zu einer Notwendigkeit erwachsen sei. Unter solchen Voraussetzungen sind in aller Stille einige der achtbarsten Handelshäuser Englands und Frankreichs dahin übereingekommen, daß das hochwichtige Unternehmen unter dem Gesichtspunkte einer Privat- Unternehmung am ersprießlich­sten zu betreiben sein dürfte und alsbald haben sich denselben einige ebenso achtbare Häuser Deutschlands zugesellt.

Auch beim österreichischen Clond in Triest, welchem einige mit­teilungen darüber gemacht wurden, hat die Sache den lebhaftesten Anklang gefunden und in Egypten selbst wurden wichtige Verbindungen angeknüpft.

Mittlerweile wurden zur Erörterung der technischen Fragen drei Techniker bezeichnet, wozu von Seite der englischen Häuser der Ingenieur Robert Stephenson von Seiten der französischen der Ingenieur Paulin Talabot und von Seite der deutschen Häuser der ehrerbietigst Unterzeichnete vorläufig ausersehen, während der seit mehr denn

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