Dokument 
Urkunden zur Geschichte des Suezkanals / von Georgi und Albert Dufour-Feronce
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen

--

81

-

ist, ich habe heute einen Versuch gemacht, wie das Nilwasser bei Damiette, so kann es doch gewiß trinkbar gemacht werden.

Ich werde nächstens eine Reise zu diesem See unternehmen, um die Gegend genauer zu untersuchen. Außer diesem See soll in der ganzen Wüste kein trinkbares Wasser zu finden sein, das Wasser des See's Menzalek aber ist ganz unbrauchbar. Der See communicirt an mehreren Stellen mit dem Meere und sein Wasser ist ganz gleich dem Meerwasser. Wir müssen unseren Wasserbedarf aus Damiette bringen lassen, was mit Unzukömmlichkeiten verbunden ist und Wasser ist hier das notwendigste Bedürfnis, denn alle leiden fortwährend an kaum zu löschenden Durst. Ich habe die Vorkehrung getroffen, daß nie Wassermangel eintreten könne.

Die Sonne geht um 4 Uhr 45 Minuten auf, der Stand des Thermometers ist um diese Zeit durchschnittlich 16 Grad, um 8 Uhr bei 24 bis 26 Grad; um 9-10 Uhr erhebt sich ein kühlender Nordwest­oder Nordostwind( die hier beinahe einzigen Windstriche) und um 12 Uhr fällt dadurch die Hitze wieder auf 22-23 Grad und bei Unter­gang der Sonne um 6 Uhr 30 minuten auf 20-21 Grad. Diese Hitzegrade sind erträglich, doch die Erde, trockener, lockerer Sand, fängt die Strahlen der Sonne auf und macht die Hize sehr fühlbar; der lockere heiße Sand aber ist sehr ermüdend. Die technischen Arbeiten der 3 Ingenieure haben bereits am 14. dieses Monats begonnen und werden mit vielem Eifer fortgesetzt; sie halten sich genau an die von Euer Hochwohlgeboren gegebenen Instruktionen, deren Trefflichkeit sich bei der praktischen Ausführung erweist. Im nächsten Berichte werde ich mich beehren, Euer Hochwohlgeboren einen Rapport, Auszug aus dem Tagebuche, über die bereits fertigen Arbeiten der 3 Herren zu unterlegen; für diesmal würde derselbe, da erst seit einigen Tagen ge­arbeitet wird, noch etwas schmal ausfallen. Unter Einem hoffe ich sodann die Zeit genau bestimmen zu können, in der unsere Aufgabe gelöst sein wird, ich glaube, wenn die Herren fleißig sind und nicht sehr ungünstige Witterungsverhältnisse eintreten, in den ersten Tagen Juli. Pottika ist, obwohl nicht ernannter Oberingenieur, der Leiter der technischen Arbeiten; er benimmt sich mit vieler Umsicht, arbeitet rastlos und es zeigte sich, daß die Art, wie er die Arbeit angreift, immer am schnellsten das erwünschte Resultat bringt. Junker ist sehr tätig und folgt Pottikas Beispiel, dessen praktischeres Wissen er an­erkennt. Maier hatte anfangs, wenn es zu arbeiten galt, immer viel wenn und aber, brachte weitläufige Theorien vor, deren Aus= Georgi- Dufour, Urkunden.

6