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Urkunden zur Geschichte des Suezkanals / von Georgi und Albert Dufour-Feronce
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An Negrelli.

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Leipzig, 22. Novbr. 1847.

Mein verehrtester Herr und Freund!

Seit langer Zeit habe ich nicht das Vergnügen gehabt, mich mit Ihnen zu unterhalten. Innigen Anteil habe ich an dem Verlust ge= nommen, den Sie in Ihrer Familie erlitten haben, niemand kann eine solche Lücke im inneren Kreise besser mitfühlen, als einer, der, wie ich, werte und liebenswürdige Eltern vor der Zeit verlieren mußte, welche die Natur unseren Leben als Grenze bezeichnet hat.

Ich würde nach dem Inhalte Ihres werten Schreibens vom 18. ds. Mts. nichts verfehlt haben, Sie in Tetschen aufzusuchen, wenn nicht mein alter Aßocié Herr Hüttner seit einigen Tagen be= denklich krank wäre und mir daher eine Abwesenheit, wenn auch nur auf einige Tage, unmöglich wird. Sehr interessant war mir der Bericht Ihrer Brigade, welchen ich sofort an unsere hiesigen Freunde mitteilte.

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Vollkommen einverstanden bin ich mit Ihrem Schreiben an Talabot. Die Lauheit dieses Freundes seit der Krisis ist wirklich zum verzweifeln. Mit Stephenson ist es auch nicht viel besser, doch hoffe ich, sie werden beide ihr Wort noch halten, sollte jedoch wieder Erwarten die Unmöglichkeit eintreten, nach Suez zu reisen, so beschwöre ich Sie, Ihre Drohung nicht auszuführen und sich ganz von der Sache Ioszusagen. Das wäre von allem das größeste Unglück. So sehr ich mit Ihnen einverstanden bin und den Wankelmut Talabots tadele, so muß ich doch einräumen, daß beide Talabot und Stephenson durch die Finanz- Krisis in England und die Wiederspenstigkeit der Eisenbahn­Aktionäre in Frankreich, welche nicht einzahlen, bestehende Com­pagnien wieder auflösen wollen und ihre Techniker auf eine unerhörte Weise ängstigen und schikaniren, wol einigermasen zu entschuldigen sind, wenn sie jetzt nicht ganz so entschieden handeln, wie wir es unter andern Verhältnissen von ihnen erwarten und verlangen durften.

Die Abschrift des Briefes und Arbeits- Rapports des Hr. Bourdaloue, Dertreters der Talabot'schen Brigade, haben Sie ohne 3weifel erhalten; er scheint die Sache sehr gründlich zu betreiben aber sehr langsam und sehr kostspielig. Ein Glück, daß Stephenson seine Auskünfte ohne Brigade erhalten hat, sonst hätten unsere 150/ m. fr. nicht gereicht. Georgi- Dufour, Urkunden.

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