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Urkunden zur Geschichte des Suezkanals / von Georgi und Albert Dufour-Feronce
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Studienzeit in Paris sehr genau bekannt geworden war, entschloß sich der Comite, sofort ihn nach Cairo zu entsenden, um womöglich die Erteilung einer Concession zu erwirken. Dies ist nun geschehen und Herr de Lesseps hat, wie schon durch die öffentlichen Blätter bekannt geworden, eine Concession erlangt, deren Ausführung dem im Jahre 1846 begründeten Comite überlassen bleiben soll.

Da jedoch der politischen Verwickelungen wegen der jetzige Augen­blick ungeeignet ist, ein so großes Geldmittel erforderndes Unter­nehmen ins Leben zu rufen, haben die in Paris vor Kurzem zufällig anwesenden Mitglieder des Comites Herr P. Enfantin, Herr Paulin Talabot, Herr Arlès- Dufour und ich beschlossen, für jetzt die An­gelegenheit ruhen zu lassen, so viel wie möglich zu vermeiden, daß die Presse sich mit der Sache beschäftigt und die Zeit bis zu Wieder­herstellung des Friedens lediglich dazu zu verwenden, die Grundlagen zur Bildung einer großen Europäischen Gesellschaft vorzubereiten, welche sofort ins Leben zu rufen sein wird, wenn die politischen Zustände und der Stand der Geldmärkte einen solchen Schritt rechtfertigen werden.

Mittlerweile wird Sr. Exzellenz Herr von Bruck in Konstantinopel von früher her, Mitglied unseres Comites, fortfahren bei der Pforte die Stimmung zu Gunsten des Canals in eine solche Richtung zu leiten, daß von dorther keine Schwierigkeiten in den Weg treten mögen.

Herr Enfantin sollte in den nächsten Tagen eine Audienz bei dem Kaiser der Franzosen in dieser Angelegenheit haben, um ihn von allen bisher getanen Schritten in Kenntnis zu setzen und seinen Einfluß zu Gunsten des Unternehmens zu erbitten. Dieses letztere scheint kaum erforderlich, da er sich schon häufig sehr warm für den Tanal aus­gesprochen hat und diesen Plan mit aller der Wärme aufzufassen scheint, mit welcher er trachtet, viele Ideen seines Oheim Napoleon I. zu verwirklichen.

Bei dem so sehr regen Unternehmungsgeist, welcher in Paris jetzt herrscht, welchem seit der Eisenbahn und Elektro- Telegraphen- Ver­bindung die große Nähe von London mit seinen ungeheuren Geld= kräften einen großen Rückhalt verleiht, wäre es nicht unmöglich, daß die Aktien des Suez- Canals, wenn der Augenblick ihres Erscheinens gekommen sein wird, Gegenstand der Spekulation würden und daß sie in der ersten Aufregung mit Aufgeld bezahlt würden.

Da nun die Königlich Sächsische Staats- Regierung ein Kapital von 6000 Thalern zu den Vorarbeiten verwilligt hat, wovon laut Rechnungs- Auszug meines Handelshauses vom 31. mai 1849 damals