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Urkunden zur Geschichte des Suezkanals / von Georgi und Albert Dufour-Feronce
Entstehung
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An Negrelli.

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Leipzig, 5. März 1855.

Derehrtester Herr und Freund!

Ihre geehrte Zuschrift vom 3. vor. Mts. ist mir richtig zugekommen. Ich bin vollkommen mit Ihnen einig, daß die Central- Gruppe formlos und nicht ganz collegialisch mit uns verfahren ist. Wie Sie aus den beiliegenden Abschriften meines Briefes an Arlès und Enfantin so wie aus den Auszügen der Antwort des Lettern an Arlès ersehen werden, habe ich auch diese Ansicht offen gegen diese Freunde aus­gesprochen. Enfantin scheint über meine Auslassungen gereizt gegen mich, ich hoffe aber, dieses Gefühl wird sich bei ruhigerer Ueber­legung wieder geben.

Der Unterschied der gegenseitigen Stellung, in welcher wir uns mit der französischen Gruppe und Stephenson, der die englische allein vertreten hat, befinden, bestehet darin, daß wir den Act vom Jahre 1846 als ein bindendes Dokument betrachteten, welches wir unter­zeichnet und buchstäblich zu halten hatten. Stephenson, der kein Fran­zösisch versteht, hat wahrscheinlich dessen Inhalt nie verstanden und lediglich als eine Geldverpflichtung betrachtet, die Einzalungen hat er auch aus eigenen Mitteln geleistet, die Franzosen haben sich nie buchstäblich an den Contract gehalten; in diesem Augenblicke aber ist Enfantin durch die Erfolge des Lesseps, durch die so sehr warme Theilnahme des Kaisers und besonders der Kaiserin, die für das Unter­nehmen schwärmt und deren Einfluß viel weiter zu gehen scheint, als man in der Welt weiß, so angeregt, daß er wähnt, allein ohne Deutschland, ohne England den Canal machen zu können; dies ist eine Schwäche, es hilft aber nichts, uns dagegen auflehnen zu wollen. Es wäre leicht, die Pariser Freunde zu überzeugen, daß die in meinem Briefe vom 19. februar gethanen Aeußerungen völlig begründet sind, sie haben diesen Brief auch weder beantwortet noch widerlegt, ihnen zu beweisen, daß es von Enfantin unpaßend ist, uns den Stuhl vor die Thür zu setzen! Aber Sie sind gewiß mit mir einverstanden, daß es uns nicht darauf ankommt Recht zu behalten, sondern so viel in unsern Kräften stehet, zum Gelingen des Canals beizutragen und daher scheint es mir am gerathensten jede Polemik aufzugeben und die Franzosen, die allerdings jetzt das Heft in Händen haben, da die Concession auf de Lesseps Namen stehet und sich noch kein Monarch außer Napoléon für die Sache interessirt hat, ruhig gewähren zu laßen.

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