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Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
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brachten täglich ein paar Bananentrauben und einige Hühner zu uns und empfingen dafür Stoffe und perlen. Auch als Führer dienten sie uns auf unseren Ausflügen in den Wald.

Der war schwerer von unserem Lager aus zu erreichen, als es den Anschein hatte, denn er begann erst einige 100 m über dem Seeufer. Ein außerordentlich steiler Pfad über schlüpfrigem, vom Regen ausgeweichtem Lehmboden führte dort hinauf. Schweißtriefend und außer Atem kamen wir am Waldrande an, um die Überzeugung reicher, daß es nicht möglich sein würde, unser Lager, wie beabsichtigt, hier hinauf zu verlegen. Unsere im Tragen ungeübten Ruderer hätten keineswegs die schweren Lasten dort hinaus bringen können. Der Wald von Rwidschwi ist sehr schön. Hoch­stämmige Bäume, vor allem ein parinarium und eine Sapotacee, bilden ziem­lich dichte Bestände und viel Lianen sowie ein überaus üppiger Niederwuchs erschweren das Abweichen von dem schmalen Pfade, der tief in den Wald hinein führt, ungemein. Bei der Verfolgung von Meerkatzen nach den Aussagen der Eingeborenen die einzigen größeren Säugetiere der Insel lernte ich den Wald kennen. Die Affenjagd gehört überhaupt zu den schwer­sten Aufgaben eines sammelnden Zoologen in Afrika. Die Tiere sind sehr scheu und halten sich bandenweise in den höchsten Baumkronen versteckt, verraten sich aber oft durch ihre Unruhe und ihr charakteristisches Gekrächze. Dann heißt es, bis auf Schußweite heranzukommen. Durch das dichteste Unterholz geht es die steilen Hänge hinaus und hinab, an Dornen und Lianen bleibt man mit Armen und Beinen zugleich hängen, oder sie schlingen sich um die Büchse und den Hals. Streckenweit kriecht man auf allen Vieren durch das Gewirr, dann wieder balanziert man über einen umgefallenen Baum und wenn man endlich, bedeckt mit Schweiß und Schmutz, mit fliegen­den pulsen am Fuße des Baumes steht, aus dessen Wipfel das Gekrächze erscholl, hat der beim pirschen verursachte Lärm die Affen längst verscheucht. Nur ein Rauschen in dem Geäst benachbarter Bäume gibt die Richtung an, in der die Bande sich empfahl. So ging es mir wiederholt in den ersten Tagen unseres Aufenthaltes auf Rwidschwi, so daß ich ganz mutlos wurde und alle Hoffnungen auf die Latwa setzte, die als Jäger berühmten Pygmäen, welche Tamate zu bringen versprach.

Dieser Unterhäuptling Mihigos hatte uns inzwischen mit ein paar Getreuen seinen Besuch abgestattet. Lr war mittelgroß und schmächtig und ziemlich dürftig bekleidet, machte indessen einen intelligenten und willfährigen