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Ins innerste Afrika : Bericht über den Verlauf der deutschen wissenschaftlichen Zentral-Afrika-Expedition 1907 - 1908 / von Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg
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Kuppen, von der höchsten bis zu den vorbergen, im Licht erglänzten, während das Massiv des Kammes noch tief in blauen Schatten lag.

Schon im unteren Belgier-Lager schauten weiße Schneehäupter über die vor ihrer Majestät klein werdenden, mit Erikaceen-Knieholz bekleideten Felskämme hinweg, die im Nebel der vorigen Tage so riesenhaft erschienen waren, und von dem oberen Lager sah ich, daß bald alle Schwierigkeiten überwunden waren und ich mich an dem kalten Nebeltage schon dicht am Ziel befunden hatte, von dem erwähnten Ouellrinnsal aus stieg das Ulimbi- Massiv sanft und allmählich an, eine mit Moos und grauen Alchemillen be­deckte Matte, auf der sich in gemessenen Abständen Senecio-Bäume, Schaft- lobelien, Helichrysum-Büsche und Sträucher von bl^pericum keniense er­hoben, alles leuchtend im warmen Sonnenschein, trotzdem an schattigen Stellen im Moos noch Neif lag. Gemächlich ging es auswärts in kaum merklicher Steigung bis zum Bande des Plateaus und dann ein Anblick von solcher Erhabenheit, daß Schritt und Atem stockte und das Wort ver­sagt, ihn zu schildern. Jäh stürzt der Fels hinab, über der Tiefe, in der der dunkle Spiegel eines Stausees liegt, dehnt sich ungeheuer der Baum, und drüben steigt es auf mit steilen Wänden, wilden schwarzen Felszacken, zwischen denen bläulich die Gletscher schimmern und Gießbäche nieder­rauschen, bis zu dem blendenden Firn dreier königlicher Häupter, aus denen alles erstorben ist im Schweigen des Alls.

Dann ging es noch ein Stück am Bande des Ulimbi-Massivs entlang bis zu derThupa", der als Fremdenbuch dienenden Flasche, die wohl bald auf keinem afrikanischen Hochgipfel mehr fehlen wird (aus dem Ninagongo gab es wohl schon ein Dutzend!). Ich mußte sie leider zerschlagen, da es nicht möglich war, die Zettel herauszukriegen. Schubotz ersetzte sie dann am folgenden Tage durch eine neue. Es zeigte sich, daß, wie wir ja schon wußten, 1906 ein belgischer Offizier Bogaerts und ein Unteroffizier Ioissan hier geweilt hatten, und daß, was wir noch nicht wußten, am 14. Dezember 1907 hier Mr. I. S. Loates von der anglo-belgischen Grenzkommission ball clrunk on tke bealtk ok bis preclecessors". Jetzt wurde mir auch Klar, warum die sogenanntenBelgier-Lager" so frisch ausgesehen hatten. Nebenbei noch eine kurze Notiz für die, welche so glücklich sein sollten, an anderer Stelle solch einSpitzenbuch" in Form einer Flaschenpost anlegen zu können: Nimm einen nicht zu großen Zettel, rolle ihn so zusammen, daß die Schrift nach außen kommt und stecke ihn dann durch den Flaschenhals,' in der Flasche rollt er