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die Last des Marsches mit den letzten Kräften getragen und wie viele wurden dem Schakal zur Beute. Wo sind die Kriegshunde geblieben, die eine Summe schätzbarer Fähigkeiten in dem afrikanischen Orlog entwickeln sollten? Verdorben, gestorben. — Noch einmal ziehen sie an unserem Auge vorüber: das phantastische Heer des Treiberpersonals, die Kapboys, Klipp- kaffern und Bastarde mit ihren heiseren oder schrillen Lauten und die bunte Schar der stets dienstbeflissenen Bambusen, der sonntäglich geputzten Wäscherinnen. Auch unsere schwarzen und gelben Waffengefährten, die Eingeboreneu-Soldaten, die manch Stündchen auf Viehwache — verschlafen, manche Spitze geführt haben — wenn der Weiße voranging. Es waren Brave unter ihnen wie unter unseren niederdeutschen Blutsgeuossen, den Buren, von denen nicht wenige für unsere Sache das Leben gelassen haben. Wir gedenken der Unteroffiziere und der Reiter, der alten in manch schwieriger Lage erprobten, die das entsagungsreiche afrikanische Feldleben wortkarg gemacht hatte, die gewohnt waren, dem Tode wie etwas Alltäglichem ins Auge zu sehen. Und der jungen, noch unternehmend wie bei der Ausreise dreinschauenden, die den Alten es nachzutun sich bemühten. Zwar harmlose Fröhlichkeit und gemütvollen Humor, diese kostbaren Besitztümer der deutschen Volksseele, suchtest du oft vergebens. Kaum daß fernab vorn Feinde ein frisches Marschlied, selten, daß eine vertraute Weise im Lager erklang. Denn was Anstrengungen und Entbehrungen nicht vermocht hätten, das große Schweigen der weiten, einförmigen Flächen besonders im Namaland legte sich wie ein drückender Bann auf das empfängliche deutsche Gemüt; es erschien ernster, gereifter. — Ja, es war kein schlechter Ausschnitt unseres Volkstums, der sich dort auf kolonialem Neuland zeigte: die aus vaterländischer Begeisterung, aus Lust an Kampf und Gefahr oder aus dem innewohnenden Wandertrieb, der Sucht nach dem Unbekannten ausgezogene deutsche Jugend. Deshalb war es auch unter den so veränderten Verhältnissen, in einem Leben, das große Freiheit bot, nicht schwer, Mannszucht zu halten. Ein schönes Gcgenseitigkeitsverhältnis von Vertrauen und Hingabe verband Offiziere und Reiter und bildete die feste Grundlage einer echten Kriegsdisziplin, die — auch wo die straffe äußere Form schwand — sich in allen Lagen bewährte.
Auch der Militärbeamte trat, vorwiegend im Etappendienst, mit der Truppe in Berührung, lernte sie nahe kennen und gewann Wertschätzung. Dem Veterinär, der ein außerordentlich reiches und vielseitiges Tätigkeitsfeld fand, wurde allerseits gern der gebührende Dank. Die Ärzte, deren Kunst manchem das Leben gerettet, viele vor dauerndem Siechtum bewahrt hat, und ihre Gehilfen waren nicht allein Freunde an den Schmerzens- lagern, sie waren ganz Kameraden, rücksichtslos im Einsetzen ihrer Person in der vordersten Gefechtslinie. Die Feldgeistlichen, die Zeugen manches aus sterbender Brust kommenden Bekenntnisses, die Vermittler manch letzten Grußes, hoben die Herzen hinaus über die lastenden Eindrücke des Tages, daß alle inne wurden der läuternden Macht des großen Allbezwingers Krieg. Und jeder der zur Krankenpflege oder zu sonstigem Liebesdienste Berufene wirkte an seinem Teil.
Seinen hehren Traditionen würdig zeigte sich das Offtzierkorps.
— Der Tod rafft die Besten! — so klagen wir mit dem Dichter, und wehmutsvoll verweilen wir an den stillen Grüften, die unter schattenspendendem Busch oder in sonnen- durchglühtem Geröll die Gebeine unserer Tapferen bergen, wehmutsvoll und doch stolz erhoben; zeugen diese Gräber doch, daß Germanias Söhne zu sterben wissen gleich den Vätern.
Fr. Starck,
Hauptmanii.