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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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welcher über freie Fläche zurückging, wurde vollständig aufgerieben. Hierbei wurde Unter­offizier Streichhardt schwer verwundet.

Da die Züge bei dem raschen Vorwärtsreiten durch dichten Busch nicht mehr vollständig geschlossen waren, beschloß ich, auf einer hierzu geeigneten freien Fläche die Kompagnie zu sammeln, ließ aber die Leutnants Freiherr von Hammerstein und Klinger mit elf gut berittenen Reitern noch weiter vorreiten, da in der rechten Flanke noch vereinzelte Schüsse fielen. Diese Abteilung stieß überraschend auf einen etwa 40 Mann starken, teilweise berittenen, mit guten Gewehren bewaffneten Trupp Hereros und führte ein viertelstündiges Feuergefecht, bei welchem der Gegner acht Mann verlor. Gefreiter Bergan wurde verwundet. Er sowie auch Reiter Sworski blieben bis zuletzt im Gefecht. Die Hereros flohen in weitem Bogen über den Weg OtitnaOhosingoMuinge nach dem Waterberg. Die Kompagnie verfolgte den Gegner sechs Kilometer auf Omuweroumue zu. Im ganzen hatten die Hereros 50 Tote.

Hervorzuheben ist die Bravour, mit der Leutnant Freiherr von Hammerstein, im lebhaftesten Feuer des Gegners aufrechtstehend, um besseren Umblick zu haben, das Feuer leitete.

Die geringen Verluste hat die Kompagnie dem Umstand zu verdanken, daß von allen Seiten rasch und rücksichtslos vorgegangen wurde. Die Hereros schössen infolgedessen übereilt und schlecht. Die meisten Schüsse gingen zu hoch.

Eine Anzahl Gewehre wurde erbeutet.

Manger,

Hauptmann und Kompagniechef 2. Komp. 2. Feldregts.

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Wird uns die Überraschung glücken?"

Koes, 15. Dezember 1904.

Anfang Juli 1904 war ich mit der 8. Kompagnie 2. Feldregiments (Wehle) und der 8. Feldbatterie (Kirchner) in Lüderitzbucht gelandet. Im Verein mit der alten Kom­pagnie von Koppy, nunmehr 9. Feldkompagnie, sollte ich den Süden des Schutzgebietes, einen Landstrich, größer wie Süddeutschland, in Ruhe halten und eine immer mehr anwachsende auf­ständische und räuberische Bande, unter ihrem gewandten und tatkräftigen Führer Morenga, unschädlich machen. Diese hatte ihren Hauptstützpunkt in einem Gebirge vom Umfang des Harzes, den unzugänglichen Karrasbergen. Während Unternehmungen gegen Morenga im Gange waren, wurden Anfang Oktober die Witboois aufständisch, ihnen schlössen sich fast sämt­liche Hottentottenstämme au.

Meine kleine Macht wurde in Keetmaunshoop und dem 280 Kilometer entfernten Warmbad zusammengezogen, beide Orte mußten gehalten werden, zu größeren Unternehmungen waren Truppen daher nicht verfügbar. Verschiedene kleinere Gefechte hatten uns bis Anfang Dezember an Toten allein schon vier Offiziere, 29 Mann gekostet; alle brannten darauf, den schwarzen Kerls endlich mal einen entscheidenden Schlag zu versetzen. Ich hatte beschlossen, diesen sofort nach Eintreffen der sehnlichst erwarteten Verstärkungen auszuführen, und zwar gegen Koes, es war dies die ungefähr 170 Kilometer von Keetmaunshoop entfernt liegende Hauptwerft der besonders frechen Feldschuhträgerhottentotten.

Am 12. Dezember traf eine halbe Kompagnie Verstärkung ein, ihr überließ ich die Sicherung letztgenannten Ortes und marschierte am selben Nachmittag mit der 8. Feldkompagnie und drei Geschützen der 8. Feldbatterie auf Koes ab. Nur Überraschung des Feindes konnte zum Ziele führen, dazu bedurfte es eines Gewaltmarsches, der im afrikanischen Hochsommer, bei schlechten Wasserverhältnissen und vielfach tiefem Sand, enorme Anforderungen an Menschen