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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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II.

Mit der blanken Waffe.

I Nachmittags gegen 2^ Uhr waren wir am Fuße der

I besetzten Dünen angelangt und erhielten Befehl:Seitengewehr

I aufpflanzen! Zum Sturm sprungauf! Marsch, marsch!" Als

I wir uns nun erhoben, wurden wir mit lebhaftem Feuer

I empfangen. Nachdem wir aber im vollen Lauf auf dem

I Dünenkamm anlangten, hatte der Gegner die Stellung schon

I geräumt und empfing uns von der gegenüberliegenden Düne

^ mit heftigem Schnellfeuer, so daß wir uns sofort hinlegen und

I gleichfalls Schnellfeuer abgeben mußten. Plötzlich sahen wir

I die Hottentotten in hellen Haufen der Grenze zulaufen und

I schössen wir nun, was aus dem Rohre wollte. Leider kam

I gleich darauf der Befehl zum Stoppen, da der Gegner die

I Grenze überschritten hatte.

I Zahlreiche Tote fanden wir in den Stellungen, eine

I Menge Tiere, Kleidungsstücke und Proviant fiel in unsere Hände.

I Unter Zurücklafsung unserer Waffen führten wir nun unsere

I Tiere zur englischen Station Bisseport zur Tränke und

I standen nun unseren Gegnern auf neutralem Boden gegenüber.

I 156 Mann, einschließlich Morenga und dem Feldschuhträger-

I kapitän Hans Hendrik, hatte die englische Polizei entwaffnet,

und wir gaben uns der angenehmen Hoffnung hin, diese wenigstens unschädlich gemacht zu haben. Während wir noch

Unteroffizier Friedrich Kolberg.

tränkten, wechselte unsere Lagerwache mit auf deutschem Gebiet befindlichen Hottentotten Schüsse, so daß wir eiligst in unser Lager stürmten. Die Nacht ruhten wir auf dem Gefechts­felde unter starken Wachen. Unser Detachement war zirka 120 Gewehre stark. Wir erwarteten vergebens einen Nachtangriff von den auf deutschem Gebiet gebliebenen Feinden. Am Morgen zogen wir nach Klippdamm zurück, da alle Spuren einzeln weiterführten und so eine weitere Verfolgung unmöglich machten.

Am Mittag schon kam seitens der englischen Polizei die von uns nicht gerade mit Schmeichelworten auf besagte Truppe aufgenommene Mitteilung, daß die entwaffnet gewesenen Hottentotten bis aus wenige (anscheinend die Verwundeten) entflohen seien. Dank der Auf­merksamkeit der englischen Polizei waren unsere Mühen und Anstrengungen nun erfolglos geworden, und unsere zwei Toten und fünf Verwundeten waren nicht die letzten, die von den Kugeln der Bande Mvrengas zu leiden gehabt hatten.

Friedrich Kolberg,

früher Unteroffizier in der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika.

Treue Pflichterfüllung.

Als im Juli 1905 der Major Gräser den Bethanierhäuptling Cornelius in den Fischflußbergen verfolgte, bekam Hauptmann d'Arrest den Auftrag, mit seiner Kompagnie, zwei Maschinengewehren und einem Geschütz, die Linie AiaisGaibesKanibeam und Marinkadrift nach Osten hin abzusperren. Nachdem Major Traeger das Kommando