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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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ungefähr 3040 Soldaten oder Polizisten zur Sicherung, die den nach Hunderten zählenden Witbooi-Hottentotten wehrlos in die Hände gegeben waren.

Von der Hauptstadt Windhuk zog sich durch die Mitte des Landes nach dem Süden eine Signallinie hin, die den damals dort noch nicht verwandten Telegraph ersetzte.

Mit Spiegelapparat wurde die Sonne aufgefangen und der Telegrommverkehr ermöglicht.

Diese Stationen waren meist nur mit zwei Mann besetzt und lagen einsam, je nach dem Gelände, 50100 Kilometer auseinander, auf hohen Bergen.

Die HeliographenstationFalkenhorst" lag ungefähr 15 Kilometer nordöstlich von Gibeon am Fischrivier.

Die Lage derselben war für Friedenszeiten idyllisch, leider für den Krieg nicht günstig. Man denke sich ein kleines Tal, umgeben von hohen Bergen. Nur nach Osten gewährte das Fischrivier einen weiteren Ausblick. Aus diesem Rivier bezog auch die Station ihr nötiges Wasser.

Das Wohnhaus war von dem Signalberg wegen des Wassers fünf bis sieben Kilo- meter entfernt.

Am Morgen des 6. Oktober 1905 ritt ich, Unteroffizier Dammköhler, mit dem Gefreiten Werner auf den Signalberg zum Dienst. Der dritte Mann, Gefreiter Nagengast, blieb zurück, um den häuslichen Dienst (Kochen usw.) zu verrichten.

Oben auf dem Signalberge angelangt, wurden die Pferde gekoppelt und die Apparate aufgestellt. Plötzlich kam von zwei Seiten ein heftiges Feuer. »

Werner sank sofort getroffen zu Boden, es gelang ihm aber noch zu dem Unter- >

offizier heranzukriechen, der hatte sofort das Feuer aufgenommen. Schuß um Schuß sandte ^

er dem fast unsichtbaren Gegner entgegen. !

Diesen Widerstand hatten die Witboois anscheinend nicht erwartet, und so gelang es dem Verwundeten, der einen schweren Oberschenkelschuß hatte, den Berg herunterzukriechen >

und in die Nähe der Pferde zu gelangen, während Unteroffizier Dammköhler deckend folgte.

Dann den Verwundeten in den Sattel gehoben, und in Karriere davon! >

Ehe die verblüfften Witboois sich erholt hatten, waren unsere Reiter aus der Schuß- j

linie, und die nachgesandten Kugeln schlugen klatschend in den Sand.

Nagengast, ebenfalls beschossen, hatte sich in die Station retten können und hielt nun durch die Schießscharten Ausschau.

Herangejagt und den Verwundeten vom Pferd heruntergerissen das muß wohl das Werk eines Augenblicks gewesen sein.

Nagengast hatte die Gefahr klar übersehen und ohne Zögern die Station geöffnet.

Der Verwundete, welcher durch den schnellen Ritt stark blutete und seine letzten Kräfte ver­braucht hatte, um im Sattel zu bleiben, wurde in die Station gerettet. j

Einige Schüsse schlugen noch klatschend an die Mauer, dann war Ruhe. !

Zwölf lange Tage mußten dann wir drei auf einsamem Posten stehen, umringt !

von den mordlustigen, verschlagenen Witboois, die auf die entschlüpfte Beute Tag und Nacht wartend im Hinterhalt lagen. !

Mehrere Angriffe des Feindes wurden hartnäckig und mit Verlust des Feindes i

von den Eingeschlossenen zurückgewiesen. Man kann sich denken, daß wir jedesmal unsern !

Mann aufs Korn nahmen. Mehr wie zweimal mußten Dammköhler und Nagengast sich aus der Station zum Wasser schleichen an die Rivier, um nicht zu verdursten. In der einen Hand den Revolver, in der andern den Wasserbehälter, so ging es gewissermaßen dem !

Tode entgegen. Und es gelang, endlich kam Rettung.

Eine kleine, mutige Schar, unter der Führung des tapferen Leutnants Freiherr» von Maltzahn (später leider verwundet in die Heimat zurück), war auf einem gewagten

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