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Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
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Die Artillerie hatte sich auf die Schanzen gut eingeschossen, aber der Gegner machte keine Miene, sie zu verlassen.

Plötzlich sehe ich auf etwa 80 Meter aus einer dichten Baumkrone eine Rauchwolke auf­steigen, und kleine Stückchen Eisen, Glassplitter und kleine Steine schlagen um uns ein. Ich bezeichne den Baum dem rechts von mir liegenden Vizefeldwebel Zander, und wir sandten unser Blei dorthin. Im selben Augenblick wurde Zander tödlich getroffen. Indes hatte der linke Flügel den Bergrand erreicht, und ein stärkeres Feuer verhinderte uns, unsere Stellung zu halten. Ohne Befehl machte ich einen Sprung, wobei sich drei Mann mir anschlössen. Kaum hatten wir den untersten Klippenrand erreicht, da erscholl auch schon vom Oberst Deimling das Kommando zum Sturm. Wir viere waren die ersten, die die Schanzen erreicht hatten; die Herervs konnten unser blankes Eisen nicht sehen und waren übern Berg verschwunden. Sie hatten, wie es sich später herausstellte, die Station als uneinnehmbar betrachtet. Somit war jetzt ihre Kraft gebrochen.

II.

Jetzt begann eine üble Zeit.

Die Verfolgung wurde nun mit aller Macht aufgenommen, und in einer Hetz­jagd ging es hinterher. Sehr wenig und schlechtes Wasser, keine Weide, und spärlich Proviant. Die Hälfte der Pferde war eingegangen, und die Mannschaften mußten den Marsch zu Fuß mitmachen. Inzwischen waren die Banden in mehreren Gefechten ziemlich aufgerieben, und ein jeder freute sich schon auf die Heimreise. Aber wie schrecklich wirkte die Nachricht, die wir in Epukiro erhielten, daß im Süden die Hottentotten aufständisch seien. In aller Eile mußten die Truppen abmarschieren, und ein jeder zog auch dort freudig hin, um den neuen Gegner niederzuwerfen. Die Wasserverhältnisse waren hier etwas besser, und

die Krankheit, zumal der Typhus, herrschte nicht so schlimm. Dagegen war der Hottentott viel ge­fährlicher als der Herero. Unter andern Gefechten hatten wir eins am 29. September 1905 bei Aubes. Die 5. Batterie, Hauptmann von Wolf, hatte aufgeklärt und eine Werft als die von Simon Copper festgestellt. Wir rückten, 101 Gewehr und 2 Geschütze, unter Hauptmann Moraht am 29. früh von Gochas ab. Um unbemerkt zur Werft zu gelangen, marschierte Hauptmann Moraht mit der Abteilung in die Dünen und schwenkte dann rechts. Leutnant Brüggemann mit einem Zuge marschierte am Rivier entlang, um dem Feinde in den Rücken zu fallen, und er hatte Befehl, beim Ein­treffen sogleich anzugreifen. Um 5,15 Uhr stießen wir auf die Werft und eröffneten auch sogleich das Gefecht. Die Abteilung hatte sich durch das weite Ansgreifen um eine Stunde verspätet, und der Gegner hatte Zeit, sich auseinanderzuziehen.

Die Werften von Hendrik Witbooi und Samuel Jsaak lagen tiefer in den Dünen und waren von uns nicht entdeckt. Nach kaum einer Stünde vom Eintreffen der Abteilung hatten die

Gefreiter Paul SchwiederSky.