Dokument 
Deutsche Reiter in Südwest : Selbsterlebnisse aus den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika ; nach persönlichen Berichten / bearbeitet von Friedrich Freiherr von Dincklage-Campe
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen

172

und auf einer inzwischen eingetroffenen Ochsenkarre nach dem Lager transportiert hatte, rückten auch die 12. Kompagnie wie 2. Batterie zurück. Dank der tüchtigen Behandlung des Assistenzarztes Dr. Haupt genas Nitsche schnell und wurde dem Lazarett Dawignab zur vollständigen Wiederherstellung übergeben, aus welchem er bald als geheilt entlassen wurde.

Schoepe,

Sanitätssergeant, früher 2. Gebirgsbatterie der Kaiser!. Schutztruppe f. D.-Südwestafrika,

z. Zt. Kalk bei Köln am Rhein.

Der Obermeister bei der Arbeit, im Gefecht und als Reiter.

Aus den Tagen von Nubib, 12. bis 18. September 1905.

Am 5. August 1905 verließ der 2. Zug der 8. Batterie, unter Führung von Ober­leutnant von Bötticher, die Station Nictmont, um die Gegend von Gibeon bis Malta­höhe abzustreifen.

Wir zogen durch die von allen Truppen so sehr gefürchtete Hudupschlucht und kamen auf den Sammelplatz Lebis, wo Major Meister die Führung übernahm und der Batterie den Auftrag gab, sich zum Gefecht bei Nubib st vorzubereiten. Oberleutnant von Bötticher gab nun Befehl, sämtliche Handwerker seien verpflichtet, zur Linderung der Wassernot beizutragen. Ich als Oberhandwerker sollte meine Ansicht zur Geltung bringen.

Ich kam mit Herrn Oberleutnant sowie mit meinen Kameraden überein, aus unseren Zeltbahnen Säcke zu nähen. Selbst nachts beim Mondenschein freuten wir uns unserer Arbeit.

Für die Tiere nähte ich ganze Ochsenhäute zusammen. So ausgerüstet, auf zwei Ochsenwagen Wasser, haben wir die Wanderung in die Sandwüste in Richtung Südwest an­getreten. Es wurde uns bekannt gegeben, daß das Aufsteigen von gelben Leuchtkugeln be­deuten soll:der Feind ist abgezogen", während rot den Feind bezeichnen sollte. Einen ganzen Tag sind wir nun in der Sandwüste herumgeirrt.

Erst spät abends sahen wir rote Kugeln aufsteigen, und es war ungefähr nachts 12 Uhr, da kam ein Offizier mit verschiedenen Eingeborenen auf schaumbedeckten Pferden angesprengt und verlangte nach Major Meister, von Uthmann und Maercker, und kaum war seine Meldung bekannt, da hieß es wieder satteln und schirren zum Anmarsch auf den Kampfplatz.

Am 12. September 1905, morgens 6 Uhr, kam ich mit dem Munitionswagen am festgesetzten Platze an, mußte aber sofort mit den Tieren 45 Kilometer aus Wasser reiten zur Tränke; denn Pferde nehmen kein Wasser aus den Häuten.

Während dieser Zeit mußten meine Kameraden eine Art Straße auf den Berg bauen, um mit dem Geschütz hochzukommen. Bemerken möchte ich noch, daß zuerst eine andere Batterie den Auftrag hatte, ein Geschütz auf den Berg zu schaffen, doch hielt sie es für eine Unmöglichkeit. So kam Major von Uthmann zu Oberleutnant von Bötticher, und dieser gab zur Antwort:Meine Leute sind es imstande, doch werde ich zuerst Rücksprache nehmen." Und jeder willigte ein.

Abends 6 Uhr begann der Aufstieg. Das Geschütz wurde mit 24 Eseln bespannt und, soweit es ging, hochgezogen; doch als die Schlucht zu enge wurde, erscholl das Kommando:

0 Vgl. Beitrag des Herrn Majors Maercker, S. 120. (D. H.)