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Die Feldwirthschaft : (Gruppe II, Section 1) ; Bericht / von A. A. Schmied und J. Wiesner
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Ant. Adam Schmied.

Der Buchweizen( Polygonum fagopyrum L.), auch Heidekorn genannt, ift das einzige europäiſche Blattgetreide. Der Buchweizen ftammt aus China und wird gegenwärtig in ganz Europa bis 66 Grad nördlicher Breite, vornämlich auf leichtem Boden cultivirt. Die Samen liefern Grütze und gutes Mehl; grün dient die Pflanze als Viehfutter. Für Deutſchland befitzt derfelbe wohl defshalb eine grofse Wichtigkeit, weil er noch ganz gut auf Aeckern, die zu Roggen keine Kraft mehr haben, wächft und auf ungedüngtem Heideboden beffer vorkommt, als irgend eine andere Culturpflanze. In der Weltausftellung waren der gewöhnliche und der filbergraue fchottifche Buchweizen, beide in frühen und späten Sorten, am meiften vertreten; den Silberbuchweizen traf man faft in einem jeden Lande an. Dann fah man dort den fibirifchen oder tatarifchen( P. tartaricum), fchweren, rundkörnigen Buchweizen( aus den Niederlanden), galizifchen und toskanifchen, chinefifchen( P. emarginatum) und japanefifchen Buchweizen, felbſtverſtändlich in verfchiedenen Spielarten( z. B. den Moorbuchweizen aus Norddeutſchland), auf welche nicht näher eingegangen werden foll.

Ohne die zahlreichen Collectiv- und Specialausftellungen, welche zumeift in höchft gelungener Weife und inftructiver Syftematik angeordnet waren, nur zu berühren, foll hier doch ausnahmsweife der erfchöpfenden Expofition der Wiener Frucht- und Mehlbörfe gedacht werden, welche die gangbaren Cerealien, Hülfenfrüchte und Saatgattungen aus allen hervorragenden Productionsgebieten der öfterreichifchen Gefammtmonarchie und in allen Arten und wichtigeren Spielarten in gröfseren, das Vergleichen fehr erleichternden Quantitäten aus­geftellt und zugleich die Bewegung der Preife des Roggens und des Weizens in den Jahren 1823 bis 1872 durch eine gelungene graphifche Darftellung verfinn­licht hat, fowie der prachtvoll aber mühfam zufammengeftellten Samen­fammlung des K. Ritfchel( aus Jaifpitz in Mähren), welche aus 606 Arten, je aus Körnern, Samen und Früchten( Aehren, Rispen oder Kolben) gebildet, beftand und als ein fehr werthvolles Lehrmittel von der k. k. Hochfchule für Bodencultur in Wien erworben wurde.

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Knollen und Rüben.

Die Kartoffeln( Solanum tuberofum) nehmen unter den Wurzelfrüchten die erfte Stelle ein; ihr Anbau hat den durchgreifendften Einfluss auf die gefamm­ten land- und forftwirthschaftlichen Zuftände in Nord- und Mitteleuropa ausgeübt. Aus den Gebirgen Chiles ftammend, wird die Kartoffel in mehr als 430 Varietäten und Sorten bis 70 Grad nördlicher Breite cultivirt. In keinem Lande des Continents fpielt fie aber eine fo bedeutende Rolle, wie in Oefterreich, befonders in deffen nördlichen Gebieten. Die Kartoffeln find nicht nur die hauptfächlichfte, ja oft die ausfchliefsliche Nahrung des kleinen Mannes, fondern überhaupt ein fehr beliebtes Nahrungsmittel, wenn auch ihr Nahrungswerth ein fehr geringer ift, weil ihnen die eiweifsartigen Stoffe fehlen; fie enthalten im Mittel 75'9 Percent Waffer, 2012 Stärkemehl, 2.3 Albumin, 10 Salze, o 4 Zellftoff und 0.2 Percent Fett. Nicht min­der dienen fie für Zwecke der Fütterung( befonders für Schweine) und werden techniſch auf Stärkemehl, Dextrin, Stärkefyrup, Stärkezucker und Spiritus verar­beitet. In den zum vormaligen norddeutſchen Bunde gehörenden Staaten und in Südheffen find im Jahre 1871 nach amtlichen Aufftellungen 35,056.553 Scheffel Kartoffeln zur Branntweinbrennerei verbraucht worden.

In der agricolen Ausftellung des deutfchen Reiches find fehr fchöne Zufammenftellungen von Kartoffeln, fchönen Saat-, Speife- und Hauskartoffeln, Spiritus- und Futterkartoffeln vorhanden gewefen. Unter Anderem ftellte der land­wirthfchaftliche Verein Wafferknoden in Baiern hübfche Kartoffeln aus, darunter Paterfon's Seedling Bock, mit einer Ernte von 21.000 Kilogramm per Hektare und einem Stärkegehalt von 20'5 Percent, Paterfon's blaue mit einem Ertrage von 24.000 Kilogramm per Hektare und 19.5 Percent Stärkegehalt, dann mittelfrühe