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Dr. Julius Wiesner.
Ausfteller von Mais ftärke trat, wenn man von den auftralifchen Proben abfieht, nur Amerika auf. Sowohl die zur Bereitung feiner Backwerke dienliche befte Sorte von Maisftärke als Maizena bezeichnet und feit Jahren auch in Europa bekannt als auch die aus Mais bereitete Fabriksftärke fanden bei den Sachverständigen allgemeinen Beifall. Hoffentlich wird der grofse Auffchwung der nordamerikanifchen Maisftärke Induftrie einen neuen Impuls zur fabriksmäfsigen Ausnützung des Maiskornes auf Stärke bei uns geben. An billigem Rohftoffe ift beispielsweife in Ungarn kein Mangel. Es ift uns wohl bekannt, dafs man vor einigen Jahren in Peft die Erzeugung von Maisftärke in nicht geringem Mafsftabe ins Leben zu rufen trachtete. Dafs das Pefter Actienunternehmen nicht profperirte, fcheint noch nicht zu beweifen, dafs die Maisftärke- Fabrication bei uns in Oefterreich nicht lebensfähig ift.
Von Arrowroot, einem bekanntlich auch bei uns nicht unerheblichen Handelsartikel, waren aufser den bekannten oft- und weftindifchen Sorten noch folgende Producte vertreten: Blendendweiſses Arrowroot aus Java, aus den Knollen von Maranta indica bereitet, gute Sorten aus Franzöfifch- Guyana und Brafilien, aus den Knollen von Maranta arundinacea dargeftellt, das Arrowroot von Tahiti, eine ebenfalls annehmbare, aus den Knollen von Tacca pinnatifida herrührende Sorte, endlich das ausgezeichnete, von uns fchon im Berichte über die letzte Parifer Ausftellung befprochene Arrowroot von Port Natal unbekannter Abftammung, welches feiner Güte halber bereits in dem deutfchen Handel Eingang fand.
In Bezug auf Sago hat die Ausftellung nichts Neues oder fonft Intereffantes gebracht. Bemerkenswerth ift vielleicht, dafs in den holländifchen Colonien noch immer brauner Sago bereitet wird, der feit Jahren aus unferem Verkehre gänzlich verfchwunden ift. Bei dem Umftande, dafs die feinen weifsen Sorten von oftindifchem Sago der Verfälfchung durch den geringeren, im Ausfehen dem erften oftindifchen Sago vollkommen gleichenden Kartoffelfago unterworfen find, dürfte fich vielleicht die Einführung des billigen braunen holländifchen Sago wieder empfehlen.
Die Cultur der Tapioca pflanze, Jatropha Manihot( Manihot utiliffima) hat erfreuliche Fortfchritte gemacht. Diefes Gewächs wird wohl jetzt überall in den Tropen gebaut. Wir fahen Caffavemehl und die daraus bereitete Tapioca nicht nur in der Ausftellung Brafiliens, dem Heimatlande der Jatropha Manihot, wofelbft nach wie vor die bedeutendften Quantitäten von Tapioca dargestellt werden, fondern auch unter den Producten von Martinique, Guadeloupe, Guyana, Venezuela, Réunion, Algier, Oftindien und Ceylon. Ein auffälliger Fortfchritt zeigt fich in der Fabrication der Tapioca. Die in Brafilien bereitete Tapioca war im Vergleich zu der von franzöfifchen Fabrikanten aus tropifchem Rohmateriale erzeugten Producte gering. Die beften Sorten von Tapioca, welche diefsmal aus Brafilien zur Ausftellung gebracht wurden, gleichen im Ausfehen und inneren Werthe dem beften franzöfifchen Erzeugniffe.
Es wäre ungerecht, auf die zahlreichen anderen Stärkeforten aus den Tropenländern, welche uns die Ausftellung vorführte, geringfchätzend herabzufehen, wenngleich felbe für den Weltverkehr auch noch belanglos find. Die Maffenhaftigkeit, in welcher diefe Stärkeforten um billiges Geld in den Handel gebracht werden können, läfst fie für den Induftriellen als fehr beachtenswerth erfcheinen.
Obgleich die von unferer und anderer Seite gethanen Anempfehlungen bis nun kein praktifches Refultat lieferten, fo wollen wir an diefer Stelle dennoch wieder diejenigen Arten namhaft machen, welche fich zur Einführung nach Europa eignen. Vor Allem die auf dem Continente noch unbekannte Cannaftärke( Toloman- Stärke), ein fehr weifses, glänzendes, aus den unterirdifchen Theilen von Canna edulis bereitetes Amylum, welches aus vielen warmen und heifsen Ländern, beiſpielsweife aus Martinique, Guadeloupe, Queensland, Indien, Algier bezogen