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Thierzucht : (Gruppe II, Section 2) ; Bericht / von Johann Pohl
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Thierzucht.

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dafs die Heerden in den überfeeifchen Ländern bei ihrer extenfiven Betriebs­weife, um in der Wollqualität nicht zu fehr zurückzugehen, des edlen continen­talen Blutes nicht entbehren können. Wenn darob nebft vielen anderen auch Heerden von Weltruf auf Koften der Wollfeinheit eine Schwankung auf Woll­maffe machen, fo kann diefs unter Umftänden auch nur ein Fortfchritt von fehr problematiſchem Werthe fein. Um fo ficherer mufs darum verzeichnet wer­den, dafs entgegen diefer Strömung in den letzten Jahren wieder hochfeine Merinoheerden entstanden find, die, wie die Ausstellung zeigte', auf dem beften Wege ftehen, die Miffion jener altehrwürdigen zu übernehmen, die heute über­haupt aufgehört haben zu fein, oder wenigftens das zu fein, was fie waren.

Eine wie hohe Bedeutung die Haidefchnucke auch für die Lüneburger Haide und ähnliche Lagen hat, können die fieben allerdings gut geformten anwefenden Thiere diefer Type doch keine höhere Rückficht beanfpruchen, als die Anerkennung, zur Vollständigkeit der Sachlage das Ihrige beigetragen zu haben. Aehnlich verhält es fich auch mit den anwefenden Rhön- und Franken­fchafen, die zwar als Subftrat zur Aufzüchtung von Fleifchfchafen fehr geeignet bezeichnet werden.

Oefterreich machte mit feinen Schafen einen ähnlichen Eindruck wie Deutfchland, nur hat es noch nicht im gleichen Mafse dem Drange der anders gewordenen Verhältniffe nachgegeben. In der grofsen Mehrzahl waren es Merino­heerden, die in ihren Repräfentanten die 433 ausgeftellten Stücke ausmachten und von denen die hervorragenderen folgende: Grofs- Herrlitz( Graf Franz Belle­garde), Hujece( Anton Jablonowski), Feldsberg( Fürft Johann Liechten­ftein), Ratibořitz( Prinz Wilhelm von Schaumburg- Lippe), Perutz( Graf Thun Hohenftein), Weitersfeld( Fürft Khevenhüller- Metfch), Henners­dorf( Baron Albert Klein), Poftelberg, Frauenberg und Liebiejitz( Fürften Johann Adolf und Adolf Jofef Schwarzenberg), Partfchendorf( Jofef Maria und Emma Arefin), Tierlitzko- Freiftadt( Graf Johann Larifch Mönnich), Drnowitz( Baron Mundy), Kollefchowitz( Graf Carl Wallis), Kirchschlag ( Theodor Freyler), Czernahora( Graf A. Fries), Zdannek und Kwafitz( Gräfin Leopoldine Thun- Hohenftein), Rofsitz( Baron Simon Sina).. Neben der Zucht vorwiegend auf Wollproduction hatte auch die Richtung auf Fleifchproduction ihre Vertreter und find in diefer Hinficht zu nennen: Czernahora( Graf Auguft Fries), Keltfchan( Zuckerfabriks- Actiengeſellſchaft), Tefchen( Erz­herzog Albrecht), Perutz( Graf Thun- Hohenftein), Kunſtadt( Baron Cuno Honrichs) und Waleczow( Franz Altgraf zu Salm- Reifferfcheid), denen fich Horodenka( Baron Jakob Romaczkan) und Andere mit Zackel­fchafen anreihen.

Sowie unter den Merinoheerden Deutfchlands hat auch hier jede ihren eigen­thümlichen Charakter; Tuchwolle zu erzeugen, ift aber Aller Ziel bis auf Ratibořitz. deffen Zucht Boldebucker Abftammung ift und dem entfprechend auf einem hin­fichtlich feiner Stärke in der Mitte zwifchen Rambouillet und Merino ftehenden Körper hochedle Kammwolle trägt. Unter den Uebrigen befand fich noch eine gröfsere Menge von hochedlen Feinheerden, die ihre Traditionen mit Treue bewahren. Merkwürdiger Weife knüpfen fich die bedeutenderen Leiftungen zumeift an die bekannten Züchternamen des Hofrathes von Dedowič und Ernst Heyne in Dresden und gedeihen unter den Aufpicien des Erfteren Perutz und Drnowitz und des Letzteren Grofs- Herrlitz, Hennersdorf, Kirchfchlag, Zdaunek und Kwafitz beftens. Wie fehr züchterifche Thatkraft ein unumgängliches Bedürf­nifs ift, fobald eine Zucht profperiren foll, davon konnte fich der Unbefangene in der Ausstellung hinlänglich Ueberzeugung verfchaffen; denn Mängel im Bau der Wolle, in Dichte, Bewachfenheit u. f. w. waren ab und zu zu gewahren. Dafs darin wohl am allerwenigften für die Zuchtrichtung auf Wollproduction das Rüstzeug liegt, den Kampf mit den heutigen veränderten Wirthschaftsverhältniffen

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