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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
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Forftwirthschaft.

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An Stellen, wo von Terrain- und Waldbeftandskarten, welche vor 30 oder 40 Jahren angefertigt wurden, nur leichte Bodeneinfenkungen, kaum beachtete Wafferläufe und Einfchnitte angegeben werden, finden wir leider und nur zu oft dermalen keinen Wald mehr, dafür aber das Terrain gänzlich geändert die einft leichten Bodeneinfenkungen find tiefe Einſchnitte geworden, die Waffer­läufe haben fich zu fchroffen Abftürzen erweitert, fie find nach oben erheblich verlängert, ausgedehnte Abhänge, auf denen einft eine, wenn auch nur kurz­fchäftige Waldbeftockung ftand, findet man derart verwüftet, dafs zwifchen den Gräben, Einriffen und Abftürzen nur dort und da eine Oertlichkeit gefun­den werden kann, wo die Nachzucht einer neuen Holzbeftockung möglich erfcheint.

Der alte Jäger oder Holzknecht, der uns begleitet, erzählt, wie diefe Ge­gend, als fie noch der alte Wald beschätzte; der Lieblings einftand für Gemfen und Hochwild war. Heute ift das ganze Gebiet verlaffen, verödet, géflohen von Menfchen und Wild.

Doch fehen wir weiter: die Verwüftung von oben trug den Ruin nach unten. Die oben ausgeriffenen Gerölle und Gefchiebemaffen bedecken als troft­lofe Schuttkegel und Muränenmaffen weite Flächen der einft blühenden Thalfohlen. Jeder Regengufs, jede Thaufluth erweitert die beklagenswerthe Calamität, und nun foll der Wald, den man einft rückfichtslos abftockte und vernichtete, wieder helfen. Doch der Weg zu feiner Begründung ift ein unendlich mühevoller und Koften verurfachender. Es mufs die Möglichkeit feiner Anzucht erft gefchaffen

werden.

Wildbäche find im Hochgebirge fchon feit langer Zeit verbaut worden, allein ein Syftem brachte in diefe Arbeiten doch erft die Gegenwart.

Der um das Forftwesen in allen feinen Zweigen hochverdiente fchweize­rifche Forftverein, hat für die Kenntnifs folcher Bauherſtellungen in feiner Ausftellung viel Belehrendes gebracht. Zunächft haben wir der Bauverwaltung des Cantons Graubünden zu gedenken. Sie hatte Situationsplan, Profil, Grundriss und Photographien der Verbauungen am Albertibache bei Davos und Situations­plan fammt Längenprofil der Verbauungen im Rüfitobel Archa granda bei Val­cava in Graubünden ausgeftellt.

Von der Forftverwaltung des Cantons Bern war eine Befchreibung der Verbauungen an der Gürbe( Wildbach im Canton Bern) mit Detailzeichnungen, Grundrifs und Profil nebft 15 Photographien ausgeftellt.

Mit Recht hat man in der Schweiz bei der Durchführung von Regulirungs­bauten an Wildbächen die Herftellung fogenannter Parallelwerke von vornherein aufgegeben. Stöfst die Anwendung derartiger Sicherungsbauten fchon bei tiefer gelegenen Gebirgsbächen von wechfelndem Wafferftande und ftärkerem Gefälle auf Schwierigkeiten, fo find fie zur Regulirung eigentlicher Wildbäche noch viel weniger verwendbar. Kaum beachtete Mängel bei ihrer Herſtellung, durch Zufall entstandene, unerhebliche Gebrechen find gelegentlich der nächften Hoch­wäffer Veranlaffung zum Einfturze ganzer Strecken folcher Anlagen. Die kaum in etwas ruhig gewordene Bodenoberfläche der beiden Bergfeiten verliert fomit ihre Stütze und rutfcht oft auf grofse Flächen nach, ein reiches Material für neue Verwüftungen und Ueberfchüttungen in den Thalfohlen liefernd.

Die über den Wildbach hergeftellten Querbauten, ganz bezeichnend Thal­fperren genannt, entſprechen den gehegten Erwartungen bei Weitem beffer, namentlich dann, wenn man es vermeidet, gleich mit einem Male allzu hohe Ab­dämmungen anzubringen, fondern fich begnügt, felbe in dem Mafse, als die abge­lagerten Schutt- und Gefchiebemaffen ruhiger geworden find, allmälig zu

höhen.

er­

Die Aufgabe des Forftmannes, die letzte Bindung, die letzten Schutzmafs­regeln durch die Nachzucht einer geeigneten Holzbeftockung herzuftellen, ift eine überaus fchwierige.