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Johann Newald.
Diefe die ganze Erfindungsgabe und Energie der Forstwirthe und Techniker herausfordenden Thalverbauungen follen eigentlich eine warnende Mahnung, ein Studienobject fein, welches dem Forftmanne zeigt, was er mit aller Sorgfalt zu vermeiden habe. Und er kann in diefer Richtung fehr viel wirken. Er fchone die oberen Waldgürtel der Gehänge er fchone die auf den exponirten Punkten, fowie auf fteilen Lagen vorkommende Beftockung und Holzvegetation von welch' immer einer Befchaffenheit. Die Forftrente büfst dadurch fehr wenig ein, denn der Werth jener Hölzer, für deren Erhaltung wir fprechen, ift fehr gering gering in Folge ihrer Befchaffenheit und gering in Folge der grofsen Auslagen, welche die Fällung und Bringung verurfacht. Diefe kleinen Opfer werden viel fach aufgewogen durch die mittelbaren Vortheile, welche fich aus dem Verhüten verheerender Calamitäten ergeben.
Die Sage, welche Schiller feinen Tell erzählen läfst:
,, Dafs auf dem Berge dort
Die Bäume bluten, wenn man einen Streich
Drauf führte mit der Axt,
Und dafs fie gebannt, und, wer fie fchädige, Dem wachfe feine Hand heraus zum Grabe"
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die Mahnung, die in diefer Sage liegt fie wird im Hochgebirge nur zu fehr vernachläffigt.
Mit lebhafter Befriedigung mufs hervorgehoben werden, dafs der Bedeutung folcher Thalverbauungen und Thalfperren und der dieselben ergänzenden Forftculturen und Waldanlagen auch in weiter n Kreifen eine wohlwollende Beurtheilung zu Theil wird.
Derk. k. Hofrath und Oberbauleiter der Donauregulirung bei Wien Guftav Wex hatte eine hochintereffante Abhandlung über die Wafferabnahme in den Quellen, Flüffen und Strömen, bei gleichzeitiger Steigerung der Hochwäffer in den Culturländern, ausgeftellt.
Um jene Calamitäten zu beheben, welche theils Urfache, theils Folge der conftatirten Uebelſtände und Erfcheinungen find, wendet der Verfaffer einer fchonenden Waldbehandlung feine Aufmerkfamkeit zu, und bringt die Anlage von Thalfperren in Antrag, deren Wefen jedoch in mancher Beziehung verfchieden ift von jenen Thalverbauungen, auf welche fich die intereffante Ausstellungsgruppe des schweizerifchen Forftvereins bezieht.
Demfelben wurde das wohlverdiente Ehren- Diplom, dem Ingenieur Rohr in Bern, feiner Leiftungen bei Verbauung der Wildbäche wegen, die MitarbeiterMedaille zuerkannt.
Zu den Mafsregeln der Beftandespflege, beziehungsweife Stammpflege übergehend, nahm zunächft eine von der grofsherzoglich ba difchen Domänendirection zur Carlsruhe gebrachte, die Baumäftung im Schwarzwalde darftellende Ausstellungsgruppe unfere Aufmerkſamkeit in Anfpruch. Von den beiden Aeftungsfägen repräfentirte eine die im Murgthale übliche Form mit Holzgriff und Stellfchraube; die zweite war die im Kinzigthale gebräuchliche Säge mit Eifengriff ohne Stellfchraube. Letztere foll von den Arbeitern aus dem Grunde vorgezogen werden, weil fie ficherer und fefter gehalten werden kann.
Längen- und Querfchnitte von Fichten und Weifstannen follten die Folgen von Ausäftungen, welche theils mit dem Beile, theils mit der Säge ftattgefunden hatten, zur Anfchauung bringen.
Es darf als bekannt vorausgefetzt werden, dafs beim Mittelwaldbetriebe in Frankreich und Belgien die Aufäftung feit längerer Zeit in Uebung ift. Namentlich zu dem Zwecke, um die Nachtheile einer allzu grofsen Befchattung und Ueberfchirmung des Unterholzes durch die Oberftänder zu vermindern, werden letztere fo wie Alleebäume ausgeäftet.