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Die Forstwirthschaft : (Gruppe II, Section 3) ; Bericht / von Johann Newald
Entstehung
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Forstwirthfchaft.

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Nach Ablauf der erften 20jährigen Wirthfchaftsperiode erfolgte in den Jahren 1861 bis 1866 eine Reviſion mit einer neuerlichen Einfchätzung der fchlag­baren Beftandesclaffen, Berichtigung der feither eingetretenen Flächen- und Beftandesveränderungen und fohin Neuanfertigung der Wirthfchaftskarten und Schätzungselaborate.

Die Refultate diefer umfangreichen Arbeiten erfcheinen in der Forft­befchreibung" tabellarifch zufammengeftellt, aus welcher Ueberficht wir zu be­urtheilen im Stande find, dafs die neue Ertragsermittlung auf Grundlage des combinirten Flächen- und Maffenfachwerkes ftattgefunden hat.

Bei einem Uebermafs an fchlagbaren Beftänden, wie ein folches in der Ueberzahl der Reviere der Tefchener Kammer vorkommt, kann das wirthschaftliche Streben dermalen der Hauptfache nach, nur auf eine thunlichft gute Verwerthung beziehungsweife Nutzbarmachung der vorhandenen Materialüberfchüffe gerichtet fein. Eine für die Kammer Tefchen höchft günftige Entwicklung mehrerer Eifenbahnlinien ermöglichte die Erweiterung des Holzabfatzes und hat eine für den Ertrag der fraglichen Forfte nicht hoch genug anzufchlagende Hebung des Nutzholz- Procentes zur natürlichen Folge.

Sehr zweckmässig fituirte und ebenfo zweckmäfsig eingerichtete mannig­faltige Holzinduftrialien äussern diefsfalls eine fehr günftige Wirkung, fo dafs feit dem Jahre 1866 bis zum Jahre 1870 die Nutzholzausbringung von 25.8 Percent auf 66 Percent des Gefammtetats geftiegen ift.

Nachdem ein derart günftiges Nutzholzpercent, namentlich in ausgedehn ten Forften mit erheblichem Jahresertrage, für die Dauer nur dann zu erwarten ift, wenn vorherrfchend ftärkere Sortimente zum Einfchlage kommen, dürfte eine Herabfetzung der Umtriebszeit wohl kaum dem wahren wirthschaftlichen Intereffe entſprechen.

Es braucht wohl nur angedeutet zu werden, dafs alle jene Momente, welche geeignet find, für die Bewirthschaftung und Benutzung irgend eines Wald­complexes Schwierigkeiten zu bereiten, fich auch bei der Anfertigung eines diefe Forfte betreffenden Betriebseinrichtungs- Operates und der dasfelbe ergänzenden Ertragsberechnung geltend machen.

Wo die Verhältniffe des Standortes und der Lage für die Ausführung von wo die Nachzucht der Waldbeftände, Forftculturen Schwierigkeiten bereiten ihre Pflege und Sicherung gegen nachtheilige Einflüffe der mannigfaltigen Art, eine Aufgabe von grofser Bedeutung wird; wo die Terrainzuftände der Fällung und Bearbeitung des Materiales einerfeits, fowie der Bringung und dem Transporte desfelben auf die Verbrauchsorte anderfeits nur zu oft fchwer zu überwindende Hinderniffe entgegenftellen; wo aus dem Ertrage des Forftes die mannigfaltigften Nutzungsanfprüche an Holz der verfchiedenften Sortimente, an Streu, Gras u. f. w gedeckt werden müffen wo der Beftand von Waldfervituten der freien wirthschaft­lichen Dispofition höchft fühlbare Hemmniffe und Hinderniffe bereitet, da wird die Durchführung einer forftlichen Wirthfchaftseinrichtung und Ertragsberechnung eine der fchwierigften Aufgaben, welche an eine Forftverwaltung überhaupt her­antreten kann.

Alle jene Detailfragen, welche fich unter günftigen wirthschaftlichen Ver­hältniffen einfach und klar ordnen laffen, bauen fich hier zu einer Summe von Schwierigkeiten, Bedenken und Widerfprüchen auf, welche in ihrer Gefammt heit eine allen mafsgebenden Anforderungen gerecht werdende Löfung der Auf­gabe im höchften Grade erfchweren, ja unausführbar machen.

Die Wirthschaftseinrichtung und Ertragsberechnung, überhaupt die Syfte­mifirung der k. k. Salzkammerguts- Forfte, von welchen die diefsfälligen Operate im Pavillon des k. k. Ackerbau- Minifteriums ausgelegt waren, und der die deffen vorhergehenden Erwägungen gewidmet find, erfcheint als ein Problem, Löfung der lebhafteften Anerkennung eines jeden Fachmannes verfichert fein