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Der Gartenbau : (Gruppe II, Section 5) ; Bericht / von Eduard Fenzl
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DER G GARTENBAU.

( Gruppe II, Section 5.)

Bericht von

DR. EDUARD FENZL,

k. k. Regierungsrath und Profeffor der Botanik.

Oeffentliche Schauftellungen von Producten der Landwirthchaft und des Gartenbaues reichen bekanntlich hinter die Zeit der erften grofsen Induftrie und der auf fie folgenden noch gröfseren internationalen Weltausftellungen zurück. Sie fallen, der Zeit ihres erften Auftretens nach, ziemlich mit der der Bildung, mindeſtens des praktiſchen Eingreifens der in Europa fich bildenden landwirth­fchaftlichen und Gartenbauvereine zufammen.

Sie erfcheinen als die erften Emanationen gemeinfamen Zufammenwirkens intelligenter Grofsgrundbefitzer und vermöglicher Gartenliebhaber zur Hebung diefer Zweige der Bodencultur und des fich darauf ftützenden Producten­handels. In dem Mafse als fich diefe Vereine und Gefellfchaften mehrten, an Aus­dehnung und Bedeutung gewannen, wiederholten fich diefe Schauftellungen von Producten der Landwirthfchaft und des Gartenbaues, namentlich in jenen Ländern in welchen beide Arten der Bodencultur fchon vor dem einen höheren Grad der Entwicklung erlangt hatten.

In jeder derfelben machte fich der befruchtende Einflufs der Naturwiffen­fchaften, der technifchen Induftrie und die Zunahme der fich vervollkommnenden Communicationsmittel geltend, und fchuf für fie eine breitere auf wiffenfchaft­licher Grundlage ruhende Bafis. Die Refultate des wefentlich dadurch veränderten Gefchäftsbetriebes zeigten fich fehr bald in der zunehmenden Mannigfaltigkeit der bei diefen Ausstellungen der grofsen Menge zur Beurtheilung vorgeführten Objecte, ihrer Vervollkommnung und ihres höheren mercantilen Werthes. Der praktifch daraus refultirende Nutzen wurde zwar nur von Wenigen anfänglich gewürdigt, von diefen jedoch rafch und vortheilhaft ausgebeutet. Für die grofse Menge bildeten diefe Ausstellungen lange Zeit nur einen Gegenftand der Neu­gierde, für viele der Producenten galten fie als eine rein koftfpielige Spielerei, aus der kein Capital zu fchlagen fei.

Eines aber, wie wohl unbewufst, lernten doch Alle: das Vergleichen und die Werthfchätzung des Befferen und Schöneren. Erft nachgerade und auch jetzt noch lange nicht in dem Mafse, wie es wünſchenswerth wäre, reifte die Erkenntnifs des individuellen Vortheiles zum Entfchluffe, mehr zu leiften, als man bisher zu leiften gewohnt war, und Anderen auf demfelben Felde Concurrenz zu machen, auf dem man es bisher verfäumte, fich mit eigenen Producten Geltung zu ver­fchaffen.