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Dr. Eduard Fenzl.
mufs, wenn eine Pflanzenausftellung im Grofsen fich würdig an eine internationale Induftrieausftellung anfchliefsen foll.
Bezüglich der erften, die Schauluft der Menge am meiſten befriedigenden, zugleich aber auch den Mafsftab für die Beurtheilung der Höhe der Entwicklung der Horticultur eines Landes abgebenden Gruppe von Ausftellungsobjecten„ der Topfgewächfe" erfcheint als die unerlässlichfte Bedingung ihres Erfolges die Herſtellung eines hinlänglich grofsen, von allen Seiten gefchloffenen ventilirund mindeſtens theilweife heizbaren Ausstellungsraumes mit genügender Oberlichte und ausgiebiger Beleuchtung von mindeſtens einer Seite. Derfelbe mufs feiner Tiefe und Länge nach die Entwicklung grofser Pflanzengruppen zulaffen und von einem beftimmten Punkte aus, am beften von einem centralen, eine Ueberficht der ganzen Ausftellung nach zwei oder mehreren Richtungen gewähren. Fehlen diefe Cardinalbedingungen, fo bleibt jede derartige Ausftellung, mögen auch einzelne Gruppen noch fo reizend oder impofant ausfallen, geradezu wirkungslos.
Nach den fchlimmen Erfahrungen, welche man in jeder diefer Beziehungen in Wien gemacht, werden fich wenige Gärtner von Bedeutung mehr finden, welche, ohne früher Einficht in den Plan des zu derartigen Zwecken auszuführenden Gebäudes genommen zu haben, es wagen werden, ihre Schätze auf eine folche Ausftellung zu bringen, auf der ihnen nur koloffale Verlufte, aber keinerlei Gewinn erwachfen können, ja fogar müffen. Alle übrigen fich weiter daran knüpfenden Bedingungen, wie fie jeder Pflanzenzüchter als felbftverſtändlich vorhanden vorausfetzt, verfchwinden den bezeichneten gegenüber beinahe völlig. Kann man den erfteren aus was immer für einem Grunde nicht vollſtändig entfprechen, fo ziehe man derartige Ausftellungen gar nicht in den Rahmen von Weltausstellungen herein und überlaffe fie getroft den an folchen Orten beftehenden und dazu eingerichteten Gartenbau Gefellfchaften. Schon der Befchaffenheit der Gewächfe nach, welche folche Räume füllen und eine längere Ausftellungsfrift als von acht bis zehn Tagen, ohne den empfindlichften Schaden zu leiden, gar nicht vertragen, können folche Ausftellungen immer nur zeitweilige fein, woraus den Directionen felbftverſtändlich Auslagen erwachfen, welche in gar keinem Verhältniffe zu dem beabfichtigten Zwecke ftehen. Nur unter den günftigften Verhältniffen und auch da nur an Orten, wo, wie in London und Paris, eine fehr grofse Anzahl von Handelsgärtnereien erften Ranges und grofsartige Privatgärten fich in denfelben und ihrer nächften Nähe befinden, laffen fich permanente Ausftellungen von Topfpflanzen infceniren.
Aber felbft da büfsen fie den Charakter der Internationalität, des anzuftrebenden Gleichgewichtes zwifchen der Zahl der Ausfteller des Inund Auslandes aus derfelben Gruppe von Gegenftänden ein. Nur in Einzelheiten, nicht im Ganzen und Grofsen kann das Ausland da obfiegen. Die enormen Transportkoften und das Rifico der Erhaltung und Verwerthung folcher Pflanzenfchätze erlauben dem entfernten Ausfteller einen continuirlichen Wechfel feiner Objecte, wie ihn eine permanente Ausstellung von Topfpflanzen bedingt, gar nie. Sie tragen felbft unter den günftigften Conftellationen auch an folchen Orten im Vergleiche mit jenen der Landwirthschaft, der Kunft und Induſtrie immer noch den Stempel localer Ausftellungen an fich. Sie erfcheinen defshalb nur als Beiwerk, als Staffage derartiger Ausftellungen und büfsen in unmittelbarer Nähe mit folchen den Charakter verdienter Selbftftändigkeit ein, den fie, a usgefchloffen aus dem gefammten Ausstellungsraum, als ein für fich ftehendes Ganze vollkommen behaupten würden. Diefe Gruppe von Gegenftänden der Horticultur verträgt fo wenig wie die lebende Thierwelt die unmittelbare Nähe der Producte des menfchlichen Fleifses und Scharffinnes. Dasfelbe gilt auch von den Ausstellungen von Obft und Gemüfen. Noch weit vergänglicher als jene, paffen fie fchon gar nicht dahin, verfehlen aber für sich