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Der Gartenbau : (Gruppe II, Section 5) ; Bericht / von Eduard Fenzl
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Der Gartenbau.

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mindeſtens 15.000 Francs der herrfchenden Kälte zum Opfer. Neben folchen Schätzen mufsten begreiflich die fehr fchön gezogenen neuen Azaleen Sorten Johann Verfchaffelt's und Eduard Vandercruyffen's aus Gent verblaffen, ohgleich fie mit jenen anderer Ausfteller einen Vergleich fehr gut aushielten.

Aus der grofsen Anzahl von Specialitäten der Blumiftik, welche man diefs­mal vertreten fand, müffen im Anfchluffe an die Azaleen die in Zwergform blühenden neuen Sämlinge von Rhododendron hervorgehoben werden, welche der königlich württemberg'fche Hofgärtner Müller aus Cannftadt ausgeftellt hatte. Die Mehrzahl von ihnen, abweichend durch Tracht und Färbung ihrer zumeift kleineren Blüthen, trug den Stempel der Neuheit in fo auffälliger Weife an der Stirne, dafs über ihre hybride Natur kein Zweifel entſtehen konnte. Die Wahl der Stammformen mufste mit befonderem Verſtändniffe vorgenommen worden fein, um folche überrafchende Erfolge zu erzielen, und es bleibt dabei nur zu bedauern, dafs Herr Müller nähere Angabe über diefen Punkt zu machen ver­fäumte. Die gröfste und formenreichfte Sammlung von Rhododendron- Blend­lingen ftellte der Altmeifter in der Zucht derfelben, Herr Handelsgärtner T. J. Seidel zu Alt- Striefen in Sachfen, aus. Sie füllten allein die Mitte des öftlichen Pavillons der Ausftellung, umrahmt von Azaleen und Camellien, alle theils als Hoch-, Halbftämme, theils in Bufchform angezogen.- Allgemein bewundert wurde die von Herrn Secretär Fr. Flatz gebildete Gruppe von blühen­den Alpenpflanzen, deren er über 500 in feinem Privatgarten cultivirt. Mehrere feltene Saxifragen, Primula- und Androsace- Arten aus unferen Hochalpen, den Pyrenäen, dem hohen Norden und dem Taurus neben anderen bekannteren zu treffen, gewährte allen Botanikern und Gebirgstouriften ein befon­deres Vergnügen, und verliehen diefer Collection einen fpeciellen Werth.

In Sammlungen diverfer Marktpflanzen, namentlich von immergrünen aus der Ordnung der Palmen und Pandaneen, der Gattungen Dracaena und dergleichen, wie fich folche zur Zimmercultur eignen, nebft Sortimenten von Cinerarien, Fuchfien, Rofen, Gardenien etc., excellirten namentlich die hiefigen Firmen Steck& Comp. und Carl Matzen etter. An Rofen aller Art, manchen ausnehmend fchönen und neuen Sorten, fowohl hoch- als niederftämmig gezogenen, war kein Mangel Nur wollte, bei aller Anerkennung ihres Werthes als Einzelblüthe, die hier übliche Culturweife derfelben, namentlich der hochftämmig gezogenen, bei den auswärtigen Jurymitgliedern aus Deutfchland und Belgien keinen Beifall finden. Man tadelte, und wie mir däucht nicht mit Unrecht, die unverhältnifsmäfsige Höhe des Wildftammes zu der fich bildenden Krone, ihre dadurch bedingte Schwäche mit allen weiteren daran fich knüpfenden bekannten Uebelftänden und ihre ungefällige Verwendung bei Bildung von Klumps und Wand­decorationen. Man beurtheilte fie von diefem Gefichtspunkte aus vielleicht zu ftrenge. Was man bei der Beurtheilung der Rofenzucht in Wien und feiner Umge­bung ganz von diefer Seite her überfah, war der verderbliche Einflufs unferes Klima zur Zeit der kräftigften Entwicklung der Rofen auf deren Belaubung und Entfaltung der Blüthen.

Die Rofe verträgt bei ihrer Verwendung im freien Lande bekanntlich keine zu harten, am wenigften unregelmäfsig verlaufende Winter mit grofsen Sprüngen in der Temperatur, wie fie bei uns zur Regel geworden, keine Tagelang anhal­tende, Alles verfengende heifse Winde, während der Norden Deutfchlands, Belgiens und England mit feiner feuchten windftillen Atmoſphäre wie gefchaffen zur Pflege der Rofe ift. Diefen Cardinalbedingungen kann der tüchtigfte Gärtner nicht Herr werden, während er allen anderen gerecht werden kann.

An der klimatifchen Frage fcheitern hierin, wie bei vielen anderen Culturen, die Bemühungen unferer Pflanzenzüchter. Von der Richtigkeit diefer Thatfache überzeugt man fich am leichteften durch einen Befuch der kleinen Hausgärten und Villegiaturen am Fufse unferer Hochgebirge und Seen im Salzkammergute,