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Der Gartenbau : (Gruppe II, Section 5) ; Bericht / von Eduard Fenzl
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Dr. Eduard Fenzl.

wo die Rofe, ohne befondere Pflege und ohne Schutz wundervoll gedeiht, und die landläufige Bemerkung,, dafs der Bauer auf dem Lande Rofen zu ziehen beffer verftehe als jeder Gärtner in der Stadt" und noch viele andere ehrenrührigere Klagen von Seite der Käufer über Bedienung mit fchlechter Waare, vollkommen erklärlich macht.

Nach diefer gelegentlichen, wie mir däucht aber ganz gerechtfertigten Bemerkung über den Stand der Rofencultur in Wien, will ich nur anführen, dafs die anfehnlichften und fchönften Sortimente hochftämmig gezogener Rofen( in 80 bis 150 Sorten) von den hiefigen Handelsgärtnern Bachraty und Kläring, fowie von dem fürftlich Liechtenſtein'fchen Garten director zu Eisgrub, Herrn Ed. Pohle; ein kleines aber gewähltes Sortiment niederftämmig gezogener von Herrn Handelsgärtner Anton Scheiber und ein gleiches, namentlich neuere feine Sorten enthaltendes von dem früher bereits erwähnten Gartenfreund Herrn Emil Rodek geliefert wurden und die verdientefte Anerkennung fanden.

Von Specialitäten in Marktpflanzen ftellten die Herren Carl Matze­netter Calcolarien; Friedrich Kläring Nelken; Friedrich Lefemann Cinerarien; Emil Rodek Viola tricolor; Lucas Bachraty reich blühende Zwerg- Orangenbäumchen in ausnehmend fchönen Sortimenten aus.

Von den ausgeftellten Pelargonien erhob fich feltfamerweife keine ein­zige Gruppe über das Mafs der Gewöhnlichkeit, obgleich es in Wien an aus­gezeichneten Züchtern diefer Zierpflanzen nicht fehlt.

Vom Auslande betheiligte fich aus der Gruppe blühender Pflanzen des Blumenmarktes Niemand aufser Herrn Wrede in Lüneburg, dem bekannten Züchter von Viola tricolor Sorten. Leider langte deffen Sortiment abge­fchnittener Blüthen diefer Art in einem fo traurigen Zuftande an, dafs es fich jeder eingehenden Beurtheilung entzog.

Sehr anerkennend fprachen fich Kenner von Amaryllideen über ein Sortiment von in Blüthe ftehender hybrider Sämlinge von Amaryllis- Arten aus, welche Herr Hofgärtner Guttermann in Regensburg ausftellte, fowie über ein kleines Sortiment von Primula japonica in fünf Farbenvarietäten aus dem Hofburggarten.

Von Coniferen, in Töpfen gezogen, erfreuten fich zwei Sortimente ver­fchiedener Art des ungetheilten Beifalles. Das eine derfelben, von Herrn Handels­gärtner Alexis Dalliére in Gent ausgeftellt, zählte zwar nicht mehr als 25 in Kübeln gezogene Bäumchen längst bekannter Arten, aber fo meiſterhaft gefchult, dafs Stück für Stück als Schaupflanze gelten konnte. Urfprünglich für die per­manente Ausstellung im freien Lande beftimmt, verfchwand diefe Sammlung am Schluffe der temporären, nachdem fich für diefelbe rafch ein Käufer gefunden hatte. Die zweite numerifch weit bedeutendere, über 100 Arten und Varietäten zählende, auch manche noch nicht fehr verbreitete Art enthaltende Sammlung des Herrn Carl Kammel& Comp. aus Grufsbach in Mähren erwarb fich durch ein fehr verſtändiges Arrangement ungetheilten Beifall. Abweichend von der gewöhnlichen Art der Aufftellung verfuchte der Herr Ausfteller die Bildung eines mit frifchem Moos dicht überkleideten Hügels mit fanft abfallender welliger Böfchung, auf der die Töpfe zwifchen herausragenden Felsftücken eingefenkt waren, was dem Ganzen das Anfehen eines mit Coniferen bewachfenen Berg­abhanges verlieh und fich harmoniſch den übrigen Gruppen blühender Gewächfe einfügte. Von in Töpfen veredelten Gehölzarten ftellte Herr Handelsgärtner A. C. Rofenthal ein 3500 Nummern ftarkes Sortiment aus, welches fich der unge­theilteften Anerkennung aller Sachverständigen zu erfreuen hatte.

Als durch Veredlung künftlich erzeugte Varietäten follten Abies Reit­zensis pendula und Robinia Pscudoacacia tricolor und foliis aureo. variegatis gelten, welche Herr Reif, fürftlich Salm'fcher Schlofsgärtner zu Reitz in Mähren, ausftellte. Die davon ausgeftellten Proben waren jedoch noch