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Der Gartenbau : (Gruppe II, Section 5) ; Bericht / von Eduard Fenzl
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Der Gartenbau.

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viel zu unvollständig ausgebildet, um über ihren Werth oder weit wahrfcheinlicheren Unwerth fich ein Urtheil bilden zu können. Aehnlich verhielt es fich mit Herrn Janaufchek's Propfverfuch von Hedera Helix, auf Aralia Sieboldii, welcher, wenn auch gelungen, fich dermalen nicht zur Nachahmung zu empfehlen fchien. Wir gelangen nunmehr zu den Gemüfen, mit welchen die Ausstellung befchickt worden war. Selbſtverſtändlich konnte es fich zu diefer Jahreszeit nur um getriebene, nicht aber um überwinterte, in den Augen des Züchters keinerlei Werth mehr befitzende Gemüſe handeln.

Gröfsere Sortimente lieferten nur II Ausfteller, unter welchen fich 2 aus Deutfchland, zwei aus Ungarn, je einer aus Kärnthen und Tirol befanden, während von den fünf übrigen aus Niederöfterreich nur zwei profeffionelle Handelsgärtner, die drei anderen Gärtner von Privaten waren. Schlüffe daraus auf den Stand diefes Zweiges der Horticultur in Oefterreich, namentlich in Wien und deffen Umgebung, zu ziehen, wäre ganz unftatthaft, denn notorifch befchäftigt fich die Mehrzahl der hiefigen Gemüfegärtner mit der Treiberei der gefuchteften Artikel, fcheut fich aber, entfprechend ihrem Bildungsgrad, noch zu fehr vor der Oeffentlichkeit und jeder Art von Concurrenz. Des Abfatzes ihrer Producte ficher, richten fie ihr Gefchäft für den täglichen Bedarf ein und gehen hierin nicht um einen Schritt weiter, als eben nothwendig ift Ungemein fleifsig, aber jedes kauf­männifchen Sinnes bar, vermögen fie ihr Gewerbe lange nicht fo lucrativ zu geftal ten, als es unter den gegebenen Verhältniffen möglich wäre. Viel Schuld daran tragen noch der unter ihnen herrfchende, alte, jeder Neuerung im Gefchäfts­betriebe abholde Zunftgeift und gewiffe unter dem Mittelftande unferer Bevöl­kerung immer allgemeiner werdende fociale Verhältniffe, welche nichts weniger als ermuthigend auf die Gärtner und die Treiberei von Gemüfen einwirken. Nament­lich ift es die Scheu der jüngeren Frauen, fich felbft um den Gemüſemarkt zu bekümmern, und die Gewohnheit, diefes Gefchäft dem weiblichen Dienftperfonale zu überlaffen. Dafs im wohlverftandenen Intereffe der letzteren und in Folge deffen die Nachfrage nach üherwintertem und elendem Gemüfe zu- und die nach frifchem und feinerem, weil theuerem, abnehmen mufs, liegt auf der Hand.

Dazu kommt noch, dafs der Handel mit Gemüfen bei uns in der Hand der Zwifchenhändler fich befindet, und kein Gärtner fich um den Detailhandel weiter kümmert. Würden fich die Intelligenteren von ihnen zur Führung eines derartigen gemeinfchaftlichen Betriebes, namentlich zu dem vereinigen, den Markt mit getriebenem Gemüfe zu verforgen, fo könnten fie die fchönften Gefchäfte machen. Daran denkt aber Niemand, theils aus Bequemlichkeit, theils aus Mangel an kauf­männifchem Wiffen. Man fchiebt diefe offen eingeftandenen Uebelftände hundert anderen Verhältniffen, nur nicht den felbftverfchuldeten zu. Anders verhält es fich in anderen Ländern und fieht man namentlich dort fchönes Marktgemüfe, wo der kleine Mann ftatt der Frau das Marktgefchäft beforgt.

Dafs es in Oefterreich nicht an Wiffen und Können, Gemüfe zu treiben, fehlt, das haben die wenigen auf der Ausftellung erfchienenen Gärtner von Privaten, wie die Herren Hirfch, Skebra, Jirafek, Janaufchek und Schilhan bewiefen, welche gröfsere Sortimente verfchiedenartiger Gemüfe lieferten. Ein kleines, aber ausgezeichnetes diefer Art ftellte der Wiener Handelsgärtner Georg Mayer, ein etwas gröfseres Herr Weifs aus Klagenfurt und die Ackerbau­Gefellfchaft in Trient aus.

Von Deutfchland aus befchickten diefsmal nur Herr E. Junge aus Schönbrunn in Preufsen und der bürgerliche Gärtnerverein in München die Ausftellung mit fehr fchönen und reichen Sortimenten.

An Specialitäten ftellten aus: Herr Franz Bamberger aus München eine kleine Sammlung getriebener Kartoffeln; Herr Franz Mayer in Wien kolof fale Sellerieknollen; Herr Klempf Meerrettig in Prachtexemplaren; Herr Piccoli aus Rovigno in Iftrien riefige Artifchocken; Herr Ludwig Tfchugguel aus Botzen im freien Land getriebenen Spargel von befonderer Schönheit und