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Dr. Eduard Fenzl.
Gemüfe waren diefes Mal im Ganzen fchwächer, in einigen Specialitäten jedoch fehr gut vertreten. Gröfsere Sammlungen ftellten von hiefigen Handelsgärtnern die Herren Georg Steck& Comp., Carl und Georg Mayer; von auswärtigen aus Cisleithanien die Herren Jof. Hirfch aus Gravenegg und A. Auer aus Klagenfurt; aus Ungarn die Herren Privatgärtner Janaufchek und Schilhan; von Ausländern die Ausftellungscommiffion von Verona und Herr Gratfchew aus St. Petersburg aus. Als ganz ausgezeichnet wurden von Sachverständigen die von den beiden Herren Mayer gezogenen Gemüfeforten bezeichnet. Zu den artenreichften zählte die des Herrn Hirfch mit 28 verfchiedenen Nummern.
Spargel ftellten der landwirthschaftliche Verein in Eibenfchitz in Mähren, dann die Herren Worell von eben daher und Zaufaly aus Miltfchan in Mähren aus. Alle drei wetteiferten mit einander an Gröfse und Güte, namentlich der des letzteren in erfterer Beziehung. Ihnen allen ftand der aus Argenteuil, dem berühmten Spargelzüchtungs- Ort bei Paris, zur erften Ausftellung eingefendete entfchieden nach, und Eibenfchitz behauptete auf diefer Ausstellung abermals feinen alten in diefer Cultur bewährten Ruf. Herr Klempf aus Rudolfsheim bei Wien excellirte auch diefsmal wieder durch feine Specialität im Meerrettig.
Früchte und Topf- Obftbäume ftellten nur Wenige aus. Die fchönften Erdbeeren lieferten diefsmal die Herren Rudolf Abel und Bachraty: grofse Ananasse blos Herr Carftanjen aus Oedenburg; einige Früchte der Vanilla lutescens( die unter dem Namen Vanillosma im Handel vorkommende Sorte) Herr Kramer in Flotbeck bei Hamburg; in Blüthe ftehende Exemplare von Vaccinium macrocarpum mit Beigabe confervirter Früchte Herr Hofgärtner Maurer in Jena, der diefe nordamerikanifche Heidelbeere im Grofsen cultivirt.
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Getriebene Trauben von enormer Gröfse und ganz vorzüglichem Gefchmacke ftellte Herr A. de Goes aus Schaerbeck bei Brüffel und ChaffelasTrauben Herr Rosé Charmeux aus Thomery fur Marne aus. In Oefterreich legt man gegenwärtig nur mehr geringen Werth auf getriebene Obftforten diefer Art und verringert fich defshalb von Jahr zu Jahr mehr der Betrieb und die Kenntnifs diefes Zweiges der Horticultur. Der Süden liegt uns fchon zu nahe und die Leichtigkeit des Bezuges feiner Früchte in diefer Jahreszeit tragen wefentlich zu dem Verfalle diefer Kunft bei.
Eine fehr hübfche Collection von 20 Stück veredelter Stachelbeerbäumchen und vier Sorten Apfelbäumchen in Töpfen brachte Herr Jof. Kienaft, Pomologe des Stiftes St. Florian in Oberöfterreich; fehr gut gezogene Scherben Obftbäumchen noch die Herren R. Abel und Bachraty aus der Umgegend von Wien. Sehr ſchöne Südfrüchte lieferte das Ausftellungscomité von Brescia; die vorzüglichfte Sammlung von Orangen und Citronen in 40 Varietäten, mitunter von ungewöhnlicher Form und Gröfse, Herr Profeffor Theodor Orphanides aus Athen. Sie bildete unftreitig den Glanzpunkt der Ausftellung in diefer Partie. Zugleich exponirte derfelbe eine reiche Sammlung zur Einführung in die Gärten als Decorationspflanzen empfehlungswerther Arten der Flora Griechenlands in vorzüglichen Herbariumsexemplaren, darunter feine neuen fchönen Species von Colchicum.
Ein zweites, zum gröfseren Theile Moofe, Flechten und Gräfer Deutſchlands umfaffendes Herbar ftellte der frühere Zögling der Gartenbau- Schule der Wiener Gartenbau- Gefellſchaft Jof. Krislička, und ein drittes Herr Carl Tfchernikel, Obergehilfe im k. k. Hofgarten in Schönbrunn, von um Wien wild wachfenden oder im Grofsen gebauten Phanerogamen aus. Aufserdem brachte derfelbe noch fieben Arten in Topf gezogener Orchideen der Wiener Flora in Blüthe, fowie einen ganz gefchmackvoll aus hier wildwachfenden blühenden Pflanzen gebildeten Tafelauffatz. Mit Ausnahme der zierlichen von gutem Gefchmacke