Der Gartenbau.
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Zeugnifs gebenden Bouquets des Fräuleins Lidwine Alt brachte auch diefe Ausftellung keinen decorativen Gegenftand gleicher oder ähnlicher Art, welcher einer befonderen Erwähnung werth wäre.
Die bekannte Firma Baltet frères in Troyes ftellte für Lehrzwecke eine Sammlung von Holzmodellen aus, welche die verfchiedenen Veredlungsmethoden, deren man fich in der Horticultur bedient, fehr gut und praktiſch verfinnlichten. Von Linden in Brüffel befanden fich verfchiedene Tafeln feiner bekannten für den Botaniker wie für den Züchter neu eingeführter tropifcher Gewächfe ganz unentbehrlich gewordenen„ Illustrations horticoles" ausgeftellt.
Die dritte vom 20. bis 30. Auguft währende temporäre Ausftellung.
Nach den grofsen pecuniären Opfern, welche die Belgier für ihren Nationalruhm, als die unternehmendften und fähigften Gärtner auf dem Continente, in der Branche der höheren Ziergärtnerei bei den erften beiden temporären Ausftellungen gebracht hatten, durfte man ein abermaliges Erfcheinen derfelben auf diefer dritten nicht mehr erwarten. Ebenfowenig konnte man nach den bisher gemachten Erfahrungen auf eine bedeutende Befchickung diefer Ausftellung aus Deutfchland und anderen Ländern rechnen. Die Infcenirung einer die beiden früheren an Mannigfaltigkeit, innerem Werthe und Schönheit der Objecte nicht nachftehenden Ausftellung blieb nunmehr alleinige Aufgabe des Inlandes, ihre Löfung eine um fo fchwierigere, als fie des blendenden Schmuckes und Reizes, welchen die Menge .in Blüthe stehender Gewächfe den früheren Ausftellungen verlieh, in diefer Jahreszeit entbehren mufste.
Wenn fie trotz diefer empfindlichen Einbufse fich dennoch als eine ihnen vollkommen ebenbürtige erwies, fo verdankt man diefs einzig und allein dem einträchtigen Zufammenwirken der wenigen hiefigen gröfseren Handelsgärtner und Gartenfreunde. Bei der geringen Theilnahme des Auslandes, das nur durch 17 ( bei einer Gefammtzahl von 77 Ausftellern) vertreten erfchien, erhielt diefe dritte temporäre Ausftellung ganz den Charakter einer nationalen, liefs aber gerade dadurch das Verdienstliche mancher Leiftungen mehr als auf den früheren hervortreten. Noch unter dem Bann des frifchen Eindruckes ftehend, welchen die werthvollen und intereffanten Gegenftände der belgifchen Ausfteller auf die Gärtner des Inlandes übten, bangte den meiften von ihnen vor dem Erfolge diefer dritten Expofition, die fie nunmehr allein zu beforgen hatten. Aber gerade diefer Umstand war es, der zu ihrem Vortheil ausfiel. Keiner der bisherigen Ausfteller wollte jetzt, wo es fich handelte, die Ehre des Tages zu retten, hinter feinen früheren Leiftungen zurückſtehen und fo kam es, dafs fie zur freudigen Ueberrafchung der dabei direct Betheiligten, was Topfpflanzen betraf, weit ausgezeichneter ausfiel, als man überhaupt erwarten durfte. Der Mangel an blühenden Gewächfen in diefer Jahreszeit wurde durch die Mannigfaltigkeit der Blattformen und Färbung derfelben hinlänglich ausgeglichen, fo dafs ebenfo viel Bewegung und Leben in diefe Maffe gerieth, als diefs bei den vorhergegangenen beiden Ausftellungen der Fall war. Der Charakter derfelben war durch die Menge von Palmen, Marantaceen und Aroideen aber ein ganz anderer, ernfterer, feierlicherer geworden. Es fehlte nur am nöthigen Raume, um damit eine grofse, an manche Waldesdickichte unter den Tropen erinnernde Gruppe zu bilden.
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Von den Ausftellern grofser gemifchter Sammlungen werthvoller Pflanzen diefer Art aus den verfchiedenften Ordnungen waren felbftverſtändlich das Gärtnertriumvirat Abel, die Herren Emil Rodek, Lefemann, der Obergärtner im k. k. Univerfitätsgarten Benfeler und die Herren Imelin, fürftlich Schwarzen