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Der Gartenbau : (Gruppe II, Section 5) ; Bericht / von Eduard Fenzl
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Der Gartenbau.

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eingehen. Einige derfelben, wie die Rafenparterre und Anlagen um den Achmet­Brunnen, fowie jene im Innern des Induſtriepalaftes und zwifchen den dahinter liegenden Gebäuden der zweiten Reihe befindlichen offenen Räume oder einzeln ftehender Bauten dienten zumeift zur Ausfchmückung des Ganzen; einige andere zur Darstellung von Gartenanlagen für Unterrichtszwecke. Sie können fammt und fonders unter der Bezeichnung Anlagen" zufammengefasst werden.

Eine zweite Gruppe von Culturftätten bildeten die zur Aufnahme von Ausftellungsgegenständen beftimmten, welche abermals in eine für Ziergewächfe und eine die Culturmethoden des Obft- und Weinbaues illuftrirende zerfiel. Für die erftere derfelben war der fchon erwähnte Floraplatz, für die zweite die Böfchun­gen des diefem nahe liegenden fchmalen Donauarmes adaptirt.

Unter den fogenannten Anlagen waren es die grofsen vor der Südfront des Induſtrialpalaftes liegenden, regulär angelegten Rafenparterre mit ihren Wafferrefervoiren und vielbewunderten Fontainen, welche von den Wiener Samenhändlern Rud. A be 1, Baumann's Nachfolger, Bofchan, Markel's Söhne und Soutton und Sohn aus London, der einzigen Firma diefes Reiches, welche fich in horticoler Beziehung zur Verwunderung der ganzen Welt an der Ausftellung betheiligte, befamt worden waren. Zu entfcheiden, welche hierin das Befte geleiftet, gehörte zu den Unmöglichkeiten. Ihre Ausfaaten erwiefen fich, dank der reichlichen Bewäfferung und Pflege als vollkommen rein, gleichmässig und widerftandsfähig gegen den Sonnenbrand die ganze Zeit hindurch bis in den Spätherbft hinein.

Die ftilvoll angelegte und forgfältig gepflegte Anlage um den Brunnen Achmet's, ein Werk des im Dienfte der Generaldirection ftehenden Gärtners Ferd. Maly, enthielt nur krautartige Gewächfe in vorzüglicher Auswahl und voll­ftem Verſtändniffe ihrer Verwendung Namentlich wirkfam erwiefen fich die fchönen Ricinusarten und die Büfche des Pennisetum latifolium.

Als eine im beften Gefchmacke ausgeführte gemifchte Anlage aus Zier­fträuchern, hohen und niederen annuellen und perennirenden, blühenden oder viel­färbigen Blattpflanzen in Gruppen mufs die den Kaiferpavillon umrahmende er klärt werden. Ausnehmend gefchmackvoll angelegt und vortrefflich erhalten erwiefen fich die vom k. preufsifchen Hofgärtner Walter beforgten Teppich­pflanzungen und Strauchpartien um den Pavillon des deutfchen Reiches und feiner Annexe.

Einen fehr freundlichen Eindruck machte die Anlage um den Ausftellungs­pavillon des Fürften von Monaco. Grofse Exemplare von Phormium tenax, Agaven, Bambufen, Ficus, Cacteen und Craffulace en etc. erwiefen fich fehr wirkfam in ihrer Gruppirung. Namentlich zogen zwei grofse, in voller Blüthe ftehende Exemplare von Agave americana die Blicke des Publicums auf fich. Ihre Pflege liefs dagegen Manches zu wünfchen übrig.

Unter den kleineren Anlagen diefer Art zeichnete fich der fchmale Vor­garten an der Front des öfterreichifchen Ausftellungspavillons des Ackerbau Minifteriums aus. Derfelbe repräfentirte eine aus Felsftücken des Karftes con­ftruirte Alpenpartie, welche mit blühenden alpinen und fubalpinen Kräutern und Sträuchen befetzt war und fich überraschend gut über Sommer erhielt.

Ein weiteres derartiges Object bildete der kleine, aber gefchmackvoll angelegte Wintergarten am franzöfifchen Commiffionshaufe, welchen Herr A. C. Rofenthal angelegt hatte. Als ein ähnliches, aber durchaus feinem Charakter nach verfchiedenes Object in diefer Reihe von Anlagen mögen noch die im orien­talifchen Gefchmack ausgeführten Teppichpflanzungen im Hofraume des Palaftes des Khedive von Egypten gelten.

Viel dürftiger als die vorerwähnten kleineren Anlagen nahmen fich aus: das kleine vom Carlsbader Stadtgärtner Hahmann ausgeführte, mit Terracotten gefchmückte Hausgärtchen und das bei dem Brande des Elfaffer Bauernhaufes fpäter mit zu Grunde gegangene Gärtchen in deffen Hofraume.