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Der Gartenbau : (Gruppe II, Section 5) ; Bericht / von Eduard Fenzl
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Dr. Eduard Fenzl.

Bei dem den Unterrichtsanftalten gewidmeten Annexe des deutfchen Reiches befand fich noch ein Kindergarten", der eine Reihe von Beeten zeigte, welche mit Zier- und Gemüfepflanzen befetzt waren, von welchen jede Art mit dem Vornamen des Kindes bezeichnet wurde, das als deffen Eigenthümer und Pfleger gelten follte. Die Mitte diefes Gartens nahm eine zierliche Blumen­teppich- Anlage ein, der zur Seite noch ein gröfseres Gemüfebeet fich befand.

Bei dem öfterreichifchen Schulhaufe jenfeits des Heuftadelwaffers, im fogenannten Dörfel, war dem Programm gemäfs auch ein Mufter Schul­garten angelegt worden, welcher zweckmässig eingetheilt Proben von Nutz-, Futter-, Medicinal-, Gift- und Zierpflanzen, eine kleine Baumfchule und Mufter von Obftbaum Sorten u. f. w. enthielt. Diefe Anlage wurde von dem Herrn Gärtner Heinrich ausgeführt und die bezüglichen Gewächfe theils aus dem Subfcriptionsfonde für die Errichtung des Schulhaufes angekauft, theils von der k. k. Gartenbau Gefellfchaft, dem k. k. Univerfitätsgarten und den Herren Rudolf Abel, Friedrich Kläring, A. C. Rofenthal und C. Matznetter gefpendet.

An der permanenten Ausftellung von Ziergehölzen und krautartigen Pflanzen aller Art betheiligten fich nicht weniger als 55 Perfonen davon 16 aus dem Auslande, und zwar aus Deutſchland 5, aus Frankreich 4, aus Italien I, aus Belgien 2, aus Niederland 2, aus Japan I und Brafilien I; aus dem Inland 26 zu­meift Wiener Handelsgärtner.- An der Spitze der Ausfteller von Gehölzen aller Art ftand unbeftritten der Baumfchulen Befitzer und Handelsgärtner F. J. C. Jürgens aus Ottenfen und Nienftädten in Schleswig- Holftein. Seine grofse Sammlung von exotifchen, im Freien ausdauernden Coniferen in Prachtexem­plaren, feine fchönen Allee, Solitär- und Trauerbäume mit hängenden Aeften, feine bunt und fchlitzblättrigen Sträucher und Rhododendrons waren auf einem grofsen, wellenförmig hergerichteten Rafenplatz landfchaftlich mit eminentem Gefchmack gruppirt und vertheilt.

An Schönheit der Exemplare von Coniferen( ein Sortiment von 200 Arten und Varietäten von allen Gröfsen) ihm nicht nachstehend hatten Peter Smith& Comp. aus Hamburg, Hermann Ohlendorf aus Ham und Martin Müller aus Strafsburg ausgeftellt; kleinere Sammlungen derfelben, aber in fehr fchönen Exemplaren, die Herren Alexis d'Allière und Jean Verfchaf felt aus Gent; eine 117 Sorten ftarke die Firma Croux& fils in Aulnay les Sceaux in Frankreich.

Unter den Ausftellern gemifchter Zierfträucher und Bäume im freien Grunde lieferte Herr Park- und Gartendirector Petzold aus der königl. priv. nieder­ländifchen Baumfchule zu Muskau eine Collection von 602 Ziergehölz- Arten und Spielarten aus 22 Familien.

Diefe Sammlung zeichnete fich nicht blos durch die grofse Mannigfaltig­keit der Arten, fondern ebenfo fehr durch den Culturftand der jungen Bäumchen, richtige Nomenclatur und Zufammenftellung aus, und erregte allgemeines Intereffe. Sie lieferte eine lebendige Illuftration zu dem Vortrage des Herrn Profeffor Dr. Koch aus Berlin über die Anlage von dendrologifchen Gärten, welchen derfelbe in dem gleichzeitig mit diefer Ausftellung tagenden Gärtnercongreffe hielt. Wie reich in diefer inftructiven Expofition die einzelnen Arten und Varie­täten vertreten waren, möge die Thatfache beweifen, dafs die Gattung Quercus allein durch 129 derfelben vertreten war.

Im Vergleiche zu diefer koloffalen Sammlung mufsten jedenfalls die folgen­den derartigen, für fich betrachtet ganz verdienftlichen Sammlungen Jacob Juriffens& Sohn aus Naarden, des Pomologifchen Vereines zu Boscoop in Holland, und Rofenthals in Wien zurückftehen.

Kleinere Sammlungen von Coniferen und anderen durch Färbung oder Geftalt ihrer Blätter oder Blüthen fich auszeichnende immergrüne Zierfträucher

* Infoferne mehrere von ihnen zugleich verfchiedentlich ausftellten: 60.