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Der Gartenbau : (Gruppe II, Section 5) ; Bericht / von Eduard Fenzl
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Der Gartenbau.

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lieferten die Herren Rud. Abel, L. Bachraty, C. Matznetter und Emil Rodek in Wien und Umgebung.

Eine der gröfsten an Stückzahl der Arten, Spielarten und Sorten, wohl an 1000 Nummern zählende Sammlung von Obftbäumen, Zierfträuchern und peren­nen Pflanzen fandte die griechifche Regierung durch den Univerfitätsprofeffor in Athen Herrn Theodor Orphanides. Sie repräfentirte nahezu vollſtändig den Pflanzenbeftand der nationalen Baumfchule dafelbft, aus der um den beiſpiellos billigen Preis von 10 Centimes per Stamm, zur Auspflanzung gezogene und ver­edelte Obftbäume, Citronenbäumchen, Gehölze und perennirende Gewächfe, darunter A gave americana, Chamaerops humilis und dergleichen zu dem von I bis 3 Francs abgegeben werden. Allerdings liefsen Cultur und Ver­edlungsweife der ausgeftellten Exemplare Vieles zu wünſchen übrig, aber Befferes zu folchen Spottpreifen herzuftellen ift auch nicht wohl möglich.

Man begnügt fich übrigens dort zu Lande mit diefen Producten und kann, wie Profeffor Orphanides mir mittheilte, man nur auf diefe Weife dafelbft der Horticultur Eingang auf dem Lande verfchaffen. Leider theilte diefe in mehr­facher Beziehung intereffante Collection das Schickfal aller übrigen in die Niede­rung der oben erwähnten Böfchung des Donauarmes verwiefenen pomologifchen Sammlungen, durch den andauernden Austritt des Waffers nämlich erfäuft zu werden. slim Uebergehend zu den Ausftellungen blühender Gewächfe, zumeift Specialitäten, auf dem Floraplatze, mufs noch zweier Teppichanlagen ge­dacht werden, von welchen die eine von dem damaligen Gärtner der Wiener Gartenbau Gefellſchaft, die andere von dem hiefigen Handelsgärtner Franz Fre­lich angelegt worden waren. Die erfte, in zwei Gruppen zerfallende gröfsere überbot durch ftilvolle Zeichnung und gewähltere Zufammenftellung der Farben entfchieden die letztere.

Diefe in neuerer Zeit in Mode gekommene horticole Spielerei ift bereits zu einem Unfegen für den Gartenbau geworden. Eine Unfumme von Geld, Zeit und Arbeitskraft confumirende, dabei fehr vergängliche und zumeift unäfthetiſche Mofaikarbeit, wirkt diefe Cultur erfahrungsmäfsig durch die damit verknüpfte geifttödtende Arbeit demoralifirend auf das heranwachfende Gefchlecht der Gärt­ner. Sie gibt nur Zeugnifs von dem fchlechten Gefchmacke der Menge, die an folchen Tändeleien Gefallen findet.

Weit intereffanter und belehrender erwies fich die an den japaniſchen Bazar anfchliefsende Culturanlage eines Confortiums japanefifcher Gärtner, welche aufser einer Menge baum- und ftrauchartiger Gewächfe ein grofses Sortiment von auch bei uns theilweife im Freien ausdauernden Lilienforten enthielt. Manche derfelben, wie Lilium lancifolium, Thunbergi aureum, japonicum und auratum waren allerdings uns bekannte Erfcheinungen; dagegen durfte man eine noch gröfsere Anzahl von ihnen, wenn auch nicht immer als Arten, doch als Spielarten der genannten, für uns bisher unbekannte anfehen. Eine be­deutende Menge hübfcher Nutz- und Ziergewächfe, waren auf dem Transporte theils zu Grunde gegangen, theils fo befchädigt angelangt dafs fie nicht ausftell­bar waren und anderwärts, um fie noch zu retten, in Pflege genommen werden mufsten. Als fehr praktiſch, ungemein leicht und dauerhaft erwiefen fich noch ihre aus fchmalen Bambuslatten angefertigten Schattendecken, welche im Freien über Pfähle gefpannt, nach Umftänden eben fo gut als Dach wie als Wandfchirm verwendet werden konnten.

Rofen Sortimente hatten die Herren Harms aus Wolfenbüttel, der pomologifche Verein zu Boscoop aus Holland, Bachraty und Wolf­ram aus der Wiener Umgebung im Freien ausgeftellt. So hübfche Sorten auch die Sortimente der drei letztgenannten Ausfteller enthielten, fo ftanden fie doch in jeder andern Hinficht jenem des erfteren weit nach. Namentlich traten bei den Wiener Ausftellern die fchon früher gerügten Mängel der hochftämmig gezogenen Rofen durch Verwendung allzu hoher Unterlagen bei der Veredlung recht augen­