Dokument 
Appreturmittel und Harzproducte : (Stärke und Stärkeproducte, Albumin, Casein, Leim, Hausenblase, dann Lacke, Firnisse, Siegellacke etc.) ; (Gruppe III, Section 7) ; Bericht / von Wilhelm Friedrich Gintl, Prof. am dt. polytechn. Landesinst. zu Prag
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen

Appreturmittel und Harzproducte.

19

der Fall war, auch heute noch auf Tellern, Taffen und dergleichen, die in Trocken­räumen, deren Temperatur gut regulirt werden kann und die felbftverſtändlich gut ventilirbar find, aufgeftellt werden, und es beftehen wohl nur in Hinsicht auf das Materiale diefer Taffen, deren Herftellung aus Porcellan( obwohl diefs das befte Materiale wäre) felbftverſtändlich für den Grofsbetrieb viel zu koftfpielig wäre, gewiffe Verfchiedenheiten, die nicht felten auch in der Qualität des erzielten Albumins zum Ausdrucke kommen.

Es fehlt auch heute noch an jedweder brauchbaren Methode, um aus einem ftärker gefärbten Serum ein blaffes Albumin zu gewinnen, ebenfo wie bisher ein dem Eieralbumin im Anfehen völlig gleichkommendes Blutalbumin in gröfserem Mafsftabe noch nicht dargestellt zu werden vermochte.

Auch die von Köchlin bereits vor Jahren befprochene Methode des Bleichens von Albumin durch Peitfchen mit Terpentinöl( etwa 4 Percent), obwohl diefe für fchwach gefärbte Serumforten immerhin mit gutem Refultate verwendet werden kann, ift bei ftärker farbigem Rohmateriale ziemlich erfolglos, abgefehen davon, dafs fie nicht ohne Nachtheil für die Qualität des erzeugten Productes ift. Dafs diefer Vorwurf felbftverſtändlich in noch höherem Mafse von der Anwendung von Säuren( Schwefel- Effigfäure) und anderen zum Zwecke des Bleichens( Her­ftellung von Patentalbumin) vorgefchlagenen und nicht felten auch verwendeten Mitteln gilt, ift klar, denn es wird trotz der Neutralifation mit Ammon, die natür­lich bei Verwendung von Säuren nicht unterlaffen werden darf, die Gegenwart eines fremdartigen Salzes im Albumin nicht für alle Fälle der Verwendung des­felben gleichgiltig fein.

Die Praxis hat fich daher der Verwendung von reinem Eieralbumin, namentlich für die Zwecke des Kattundruckes, fowie auch für die Herftellung photographifcher Papiere und Platten, nicht entfchlagen können, und wird diefer Artikel in immer noch ganz koloffalen Maffen fabricirt, wiewohl fein Preis felbft­verftändlich ein nicht nur bedeutend höherer als jener des Blutalbumins iſt, fondern auch einem ftetigen, nicht felten bedeutenden, Schwanken unterworfen ift. So koftete der Centner Eieralbumin im Jahre 1860 und 1861 500 fl ö. W., der Centner Blutalbumin im felben Jahre 250 fl.; kurz nach Beginn des amerika­nifchen Krieges fielen in Folge der für die Cattuninduftrie hereingebrochenen Krife die Preife auf 200 fl. für Eieralbumin und circa 90 fl. für Blutalbumin, um im Jahre 1868 und 1869 wieder die enorme Höhe von 900 fl. für Eieralbumin und 450 fl. für Blutalbumin zu erreichen. Als Mittelpreife laffen fich für Eieralbumin 400 fl. und für Prima- Blutalbumin 200 fl. ö. W. per Centner anfetzen.

Der Verbrauch an Blutalbumin, das bei gleicher Tauglichkeit zum Zwecke der Farbenfixirung nur in Hinficht auf feine Färbung mit zarteren Farben unver träglich ift, erweift fich geringer als jener des Eieralbumins, und namentlich wird für dunkle Nuancen Blutalbumin felbft in Secunda- Qualität noch mit ganz vorzüglichem Erfolge verwendet. Die Verwendung der Tertia- Qualität des Blut­albumins befchränkt fich im Allgemeinen auf jene für Zwecke der Zuckerraffinerie, und nur vereinzelt pflegt eine beffere Tertiawaare noch für den Druck von Schwarz­farben verwendet zu werden.

Dafs fich bei dem hohen Mittelpreife des Albumins, der felbft das Blut­Albumin immerhin noch als ein ziemlich koftfpieliges Materiale erfcheinen läfst, allenthalben Bemühungen geltend machten, das Albumin wenigftens in der Cattundruckerei durch andere, billigere Mittel von gleicher Wirkungsweise zu erfetzen, ift leicht einzufehen; doch hat trotz des hohen Preifes, den die Société induftrielle" zu Mühlhaufen auf die Beifchaffung eines folchen Erfatzes ausgefetzt hat, fich bisher kein wirkliches Subftitut des Albumins gefunden, und alle diefs­falls vorgefchlagenen Mittel haben fich nur mehr oder weniger einfeitig bewährt. Am meiſten hatte dem Albumin noch das bereits im Jahre 1854 von Grüne empfohlene Cafeïn, wenigftens für den Ultramarindruck, Concurrenz gemacht, wie­wohl es jenem gegenüber den entfchiedenen Nachtheil hat, trübe Farben zu geben.