24
Dr. Wilh. Fried. Gintl.
falls in Prag etablirten Firma S. Engelmann ausgeftellte Albumin fich durch offenbar auf mangelhafte Sortirung des Fabrikates zurückzuführende Ungleichartig. keit der Farbe unvortheilhaft von den Erzeugniffen anderer Fabrikanten unterfchied. Ein ganz gutes Eieralbumin, dagegen ein minder gutes Blutalbumin hatte auch S. B. Berg in Krakau ausgeftellt, der auch eine Probe von tadellofem confervirten Eiweifs in flüffiger Form aufzuweifen hatte.
Endlich möchte von öfterreichischen Ausftellern auch noch die Firma F. Zailenthal jun. in Penzing bei Wien genannt werden, welche fich an der Collectivausftellung des niederösterreichifchen Gewerbevereines( Darftellung der Abfallverwerthung, im Pavillon des Welthandels) betheiligt hatte. Diefelbe brachte drei Sorten von Blutalbumin von mittelguter Qualität, dann Eieralbumin und Lactrin, letztere beide in ganz guten Proben zur Ausftellung. Nebenbei zeigte diefelbe auch eine Verwerthung der bei der Albuminfabrikation abfallenden Eierfchalen, die darin befteht, dafs fie diefelben auf Kalk verarbeitet. Ob die Verwerthung von Eierfchalen überhaupt jemals eine praktiſche Bedeutung zu gewinnen verfpricht, läfst fich allerdings nicht vorfchnell entfcheiden, doch von einer Verwerthung derfelben auf Aetzkalk, den man fich reiner und billiger auf anderen Wegen verfchaffen kann, möchten wir glauben, dafs eine folche lediglich den Charakter einer intereffanten Spielerei behalten wird, die als ein fehr lehrreiches Exempel in ein Laboratorium, nimmermehr aber für die Praxis pafst.
Neben Oefterreich, das durch die bereits gewürdigten Bemühungen Hofmeier's gewiffermafsen zum Stammlande der Albumininduftrie geworden ist, und deffen Albumininduftrie jene aller anderen Staaten überragt*, hatte zunächft noch Deutfchland eine achtenswerthe Vertretung diefes Induftriezweiges auf der Ausftellung aufzuweifen.
Sie war hier durch die Fabricate von M. Häffner in Hamburg, Fritz Seydler in Königsberg und G. Sumper in München vertreten. Sämmtliche hatten Eieralbumin und Blutalbumin, die letztgenannte Firma auch trockene Blutkuchen ausgeftellt, und kann den vorgeführten Proben das Zeugnifs nicht vorenthalten werden, dafs namentlich das Eieralbumin fich durchwegs fchön und auch das Blutalbumin recht gut erwies, obwohl das letztere bei keinem der genannten Ausfteller fo hell und klar befunden wurde, wie es beiſpielsweife bei Hofmeier und Pollak fich fand. Von den drei angeführten Repräfentanten der deutſchen Albumininduftrie ift die Firma Sumper in München die ältefte( 1859 gegründet), wogegen die beiden anderen verhältnifsmässig junge Unternehmungen find( Häffner 1869 und Seydler 1870 gegründet). Seydler hat übrigens eine im Verhältniffe zu den meiften übrigen Albuminfabrikanten, namentlich Oefterreichs, ganz erhebliche Productionsgröfse aufzuweifen, die fich beifpielsweife im Jahre 1872 auf die Verarbeitung von 7500 Schock Hühnereier und das Blut von 12.500 Stück Rindvieh erftreckte. Diefem Rohmaterial- Verbrauche entſprach angeblich eine Ausbeute von 30 Centner Eieralbumin und 100 Centner Blutalbumin.
Auch Dänemark hat feit Kurzem eine Albuminfabrik. Diefe ,, Albuminfabrik in Kopenhagen" brachte ein vortreffliches Eieralbumin zur Ausftellung, das dem Hofmeier'fchen Fabrikate kaum nachftand. Blutalbumin fcheint diefe Fabrik, über deren Betriebsverhältniffe nichts Verlässliches in Erfahrung gebracht werden konnte, nicht zu erzeugen.
Von anderen Ländern waren Producte der Albumininduftrie nur feitens Rufslands, Italiens, dann Nord- und Südamerikas zur Ausstellung
* Die Gefammtproduction an Albumin läfst fich beiläufig zu 12.000 Centner Albumin befferer Sorte, und etwa ebenfoviel der für die Zuckerraffinerien beftimmten geringeren Sorte fchätzen. In Oefterreich producirt Hofmeier allein etwa die Hälfte diefer Ziffer und neben ihm beſteht in Oefterreich als zunächft bedeutendftes Etabliffement noch eines zu Obergerfpitz bei Brünn, deffen Rohmaterialverbrauch fich auf circa 150,000 Schock Eier und etwa 2000 Centner Rinds- und Schöpfenblut beläuft.