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Arthur Freiherr von Hohenbruck.
Dann aber dient zu diefem Ende erftens allerdings, wie bereits oben angeführt, die Verbreitung einfchlägiger Kenntniffe und Fertigkeiten unter den flachsbauenden Landwirthen; fodann aber nichts mehr als eine Veranſtaltung, welche den Abfatz der überfchüffigen oder fchon örtlich entarteten Leinfaat erleichtert und lohnende Preife verfichert.
Eine folche Anftalt find Samenmärkte, welche aber zur Vorausfetzung haben, dafs der Flachsbau concentrirt und auf zahlreichen kleinen und mittleren Gütern betrieben wird.
Grofse Güter haben kein Intereffe, ihre maffenhaften Producte zu Markte zu fahren, fondern wollen aufgefucht fein. Uebrigens bietet die Anlage neuer Märkte immer die Schwierigkeit, das Intereffe der Käufer und Verkäufer an das Neue und Verfuchsweife zu feffeln.
Eine folche empfehlenswerthe Anftalt, insbefondere für Gegenden, welche einen wenig concentrirten oder auf Grofsgütern betriebenen Flachsbau befitzen, wäre ferner, fei es ein Verein, fei es eine Genoffenfchaft, fei es endlich eine Handelsanftalt, welche fich, am beften gegen fefte Provifion, damit befafste, den blofs örtlich entarteten Samen nach Gegenden zu vertreiben, in welchen er beffere Ergebniffe liefert. Diefe Anftalt müfste, zumal in grofsen, verfchiedene natürliche und ökonomifche Verhältniffe umfaffenden Ländern fowohl zu einem allgemeineren Samenwechfel anregen, als auch den ausländifchen Samenbezug auf jenes Mafs bringen, welches den Intereffen der Volkswirthfchaft am meiften entspricht.
Der fünfte Befchlufsantrag lautet:
,, In Anbetracht, dafs für die Löfung der Frage der Leinfamen- Production in mancher Beziehung genügende Erfahrungen zur Zeit noch nicht vorliegen, empfiehlt der Congress in Berücksichtigung der Wichtigkeit des Gegenftandes das fortgefetzte eingehende Studium derfelben in den leinbauenden Ländern, und bezeichnet es als eine wichtige Aufgabe des von ihm gewählten ftändigen Ausfchuffes, diefer Frage feine volle Aufmerkfamkeit zuzuwenden."
Die Abficht diefes Antrages liegt fo klar vor und die Nothwendigkeit der Mafsregel ift fo evident, dafs mir die hohe Verfammlung ficherlich eine nähere Begründung desfelben erlaffen wird."
Die Refolution des Congreffes über Frage I lautet hiernach:
I. Auf Grund der mit einer Reihe von Leinfaat- Samen gemachten Erfahrungen ift auszufprechen, dafs fich vom Standpunkte der Leinengewerbe der Anbau des blau blühenden Schliefsleines( linum usitatissimum vulgare) zumeift empfiehlt. In Bezug auf die Wahl der Leinfaat empfiehlt fich erfahrungsgemäfs der Wechfelderfelben. Um den Leinfaat- Verfälfchungen, welche im Zwifchenhandel vorkommen, wirkfam zu begegnen, empfiehlt fich, die Bildung von gröfseren Import- und Samenbezugs Genoffenfchaften ins Auge zu faffen.
2. Brauchbare Säe- Leinfaat könnte und follte als um Vieles allgemeiner, als in Wirklichkeit der Fall ift, gezüchtet werden. 3. Behufs Erzielung guter Säe- Leinfaat fowohl als guter Fafer erfcheint die holländifche, insbefondere die Kortryk'fche oder eine analoge Erntemethode( Kapolung) zumeift empfehlenswerth. Nur ganz gereinigte Saat foll in den Handel gebracht
werden.
4. Als für die Hebung der Leinfaat Erzeugung zweckdienlich erfcheinen:
a) Belehrung der flachsbauenden Landwirthe, b) Errichtung von Samen Märkten, c) Förderung der Abgabe von überfchüffigem oder örtlich entartetem Saatgute
5. In Anbetracht, dafs für die Löfung der Frage der Leinfamen Production genügende Erfahrungen zur Zeit noch nicht