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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Die Thonwaaren- Induftrie.

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gaben prachtvolle Wanddecorationen ab. Der Quadratmeter folcher Platten wird jedoch mit 450 Francs berechnet, jener mit Malerei, fous couvert" mit 350 Francs.

Unter den vielen, mitunter coloffalen Vafen und ähnlichen Gefäfsen heben wir noch einige hervor, an denen ein fchön gelungenes Craquelé erzeugt war.

Arbeitet ſchon Collinot faft nur nach einer Richtung fort, fo gilt diefe Ein­ieitigkeit in weit höherem Mafse noch von L. Parvillée in Paris, der wahrhaft Unübertreffliches in der Decorationsweife des orientalifchen Stiles leiftet.

Seine Studien an Ort und Stelle, fein volles Eindringen in die Behandlungs­weife des Ornamentes zeigte fich an jedem feiner ausgeftellten Stücke, die alle von ihm felbft entworfen und mit Beihilfe feiner Söhne ausgeführt werden. Meift find es Teller, Platten, dann aber auch Krüge u. f. w., die mit grofser Präcifion ein ganz opakes, dick aufgelegtes Email ziert, deffen Trennungsftellen tief heraus­genommen erfcheinen.

Er fowohl wie Collinot benützen die Eigenfchaft der ftark zinnhaltigen Emails, fich von der Contour zurückzuziehen, um ihre fchwarz umfahrenen Deffins. rein und gegen den dicken Emailauftrag relativ vertieft zu erhalten.

Während Collinot jedoch vorher mit weifs em Email gewiffermafsen den Grund legt, ja das Relief faft modellirt, um erft darauf die Farbe zu fetzen, malt Parvillée fofort mit durch und durch gefärbtem Email. An fehr vielen chinefifchen Fayencen, namentlich den aus Kiukiang ftammenden Vafen fanden wir genau dasfelbe Verfahren angewendet, das Parvillée benützte.

Die für feine Arbeit übrigens geforderten Preife halten wir für enorm hoch. Während die drei erftgenannten vorzüglich unter Benützung orientalifcher Motive arbeiten, wenn auch jeder in anderem Sinne, befchäftigt fich, gleich jenen in Italien, eine Reihe von Fabrikanten mit der Imitation der altitalienifchen und franzöfifchen Majoliken und Fayencen.

Vor Allem imponirt unter diefen Geoffroy& Comp. in Gien, der 800 Arbeiter in feinem wohlgeleiteten Etabliffement befchäftigt. Vorzüglich find es die altitalienifchen Urbinowaaren, dann die altfranzöfischen Fayencen von Rouen, dunkel­blau, auch untermifcht mit Roth auf hellem, blau grünlichem Grunde, die Fayencen von Mouftier und die denfelben ähnlichen von Delft, die mit manchem Gefchick, en gros, ja oft directe mittelft lithographifchem Umdruck reproducirt werden. Geht hiebei auch der eigentlich künftlerifche Werth zum Theile verloren, fo ift doch eine folche Verwerthung muftergiltiger alter Formen recht erwünſcht. Frei­lich unterläuft bei der Auswahl der Originale auch hier nicht felten ein grober Verftofs.

In ähnlicher Richtung arbeitet eine Reihe anderer, zum Theile recht ftrebfamer kleinerer Firmen. So imitiren Soupireau& Fournier vorzugsweife italienifche Urbinowaaren, zum Theil auch altfranzöfifche Ausführungen. Wir heben unter dem Ausgeftellten einen im italienifchen Stile gehaltenen Ofen als den einzigen feiner Art im Induftriepalais hervor, und meinen, dafs ab und zu ein Verfuch, in folcher Weife zu decoriren, auch ganz erwünfcht wäre. Keinen rechten Erfolg vermögen wir uns aber von der Anwendung der Fayenceplatten nach alten, gleichfalls italienifchen Motiven an der Decke des Hotels Menier in Paris zu denken, von der einzelne Stücke, dann aber die Zeichenfkizze der ganzen Anordnung zu fehen waren.

F. Laurin in Bourg la Reine brachte Majoliken und Fayencen, meift nach eigenen Compofitionen und in einem mehr naturaliftifchen Genre gehaltene Vafen, Schüffeln und dergl. in fehr flotter, oft allzu forglofer Behandlung. Seine Blumen, Blattpflanzen, Vögel etc. auf einem eigenthümlich taubengrauen Fond intereffiren, ohne dafs ihnen eigentlicher Kunftwerth zugefprochen wer­den kann.

Von gröfserer Bedeutung ift A. Barbizet in Paris, der die alten Paliffy­waaren nachahmt und mit einer eigenthümlich monotonen Farbenfcale behandelt.

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