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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
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Dr. Emil Teirich.

Eine grofse Tifchfchüffel, Grotefkfiguren moderner Arbeit, waren an fich ganz gut modellirt und glafirt, geben aber, in gröfseren Mengen, wie auf der Ausstellung zufammen betrachtet, ein etwas unerfreuliches, faft leichenfarbiges Bild.

Th. Sergeant verfolgt denfelben Weg, auch er hatte einige gute Stücke aufzuweifen, fo feine im Scharffeuer gebrannten blauen Vafen u. f. w.

In der Erzeugung von modernen Fayencen, von Tifchgeräthen u. f. f. nimmt H. Boulanger's Fabrik in Choify le Roi, was Ausdehnung des Fabriks­betriebes angeht, wohl den erften Rang ein. Hier wurden zum erften Male im Grofsen die Hilfsmittel der Technik zur Maffenerzeugung inFrankreich herangezogen, hier hat die mechanifche Arbeit fich in der letzten Zeit vollſtändig Bahn gebrochen, fo dafs die feit etwa fünf Jahren beftehende Fabrik heute ganz concurrenzfähig mit allen anderen dafteht. Ein Dutzend Teller, mittelft Umdruckverfahrens decorirt ift da mit 3.50 Francs zu kaufen.

Die moderne Erzeugung Boulanger's von currenter Waare bezieht fich hauptfächlich auf Teller, von denen mehrere Sortimente in landläufiger Weife decorirt, neben einigen Wafchgarnituren zur Ausstellung gelangten. Ausserdem aber befchäftigt fich das Etabliffement mit der Erzeugung feinerer Fayencen, die dann wieder den beliebten alten Muftern der fpäteren Renaiffancezeit nachgebildet werden. Einige orientalifche Gefäfse mit goldumfäumten Cloifonnédecors hatten nicht die Feinheit anderer, z. B. der von Denk in Wien ausgeftellten. Noch fei des grau in grau gemalten, gelb umränderten Tifches gedacht, der von Goftiaux ausgeführt, im Mittelfeld die Vifion Fauft's darftellt. In die Randdecoration find die widerlichen Blocksberg Scenen verflochten. Als Fayencemalerei war diefe Platte fowie manche andere recht gelungen.

Im gröfsten Gegenfatze zu den billigen Preifen Boulanger's fteht wohl die decorirte Fayence von E. Rouffeau in Paris, ein angeblich neues Genre, das als folches wenigftens bezahlt werden foll. Es find diefs Teller und Service, die auf gelblichem, recht warmem( cream coloured) Fond, bunte, ziemlich keck, aber auch etwas roh gezeichnete Vögel, Infecten etc. in ganz naturaliftifcher Weife tragen. Die ganze Decorationsweife erinnert lebhaft an die von Coleman, deren wir bei Minton gedachten.

Rouffeau, lediglich Decorateur, fowie J. Houry in Paris oder Schlofs­macher, welche die Fayence und Porzellanmanufactur in ihrem Zufammenhange mit der Möbel- und Bronce- Induftrie zur Anfchauung brachten, boten trotz der Mannigfaltigkeit des Gebotenen wenig fehr Hervorragendes. Nichts deftoweniger hat die Lampenfabrication Schlofsmacher's eine grofse Bedeutung erlangt und viele feiner Erzeugniffe wandern jährlich nach Oefterreich. Hie und da fanden wir bei beiden letztgenannten Firmen einige wirklich recht gefchmackvolle und anmuthige Stücke.

Das Gefammtbild der Thonwaaren- Induftrie Italiens, welches im Wefent­lichen fich auf Imitation der alten Majoliken und Fayencen bezieht, und nur wenig Bedeutendes in der modernen Richtung aufzuweifen hat, ift ein ziemlich befchränktes.

Gewöhnlich fchliefst fich der Erzeuger allzuenge an feine Mufter an, er imitirt mit vielem Verftändnifs die alte Technik, aber mit allen ihren Unvoll­kommenheiten, mit allen Schwächen. Ein Weiterftreben, eine Vervollkommnung auf Grundlage der altererbten Kunfttraditionen ift nur felten bemerkbar. Dabei mangelt meift der gute Gefchmack in der Wahl diefer alten Vorbilder- nicht alles Alte, auch aus befter Zeit, ift gut.

Einer der originellften Fayencefabrikanten ift gewifs Farina& Comp. in Faenza, der alten Stätte diefer Induftrie.

Einige gut mit Sgraffiato gezierte Gegenftände waren recht verdienftliche Werke. Der röthliche Thonfcherben wird engobirt und bleibt das Ornament nach Fortnehmen des Grundes weifs auf blafsroth ftehen. Zwei grofse Platten mit