Die Thonwaaren- Induſtrie.
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Medaillons in der Mitte, mehrere Vafen waren zur Illuftration des hübfchen Verfahrens ausgeftellt. Dabei bringt Farina auch noch eine neue Decorationsweife. mit an, die freilich dem Stile zuwiderläuft. Auf die weifse Engobage zeichnet er mit einem rothen Farbftift vor der Glafur Porträts und Ornamente, welche ganz den Eindruck einer Kreidezeichnung machen und deckt das Bild mit der Glafur. Ein Toilettetifch in Majolica war recht gelungen, gut in Modellirung und
Farbe.
Recht verftändig war die Anwendung des Metallluftre auf einigen Tellern, worunter beifpielsweife jener mit einem Porträtkopf, der von einer mehrfachen Reihe Pfauenaugen umgeben war, erwähnt fein mag.
Giovanni Spinacci in Gubbio verfteht es freilich, feinen Luftrefarben mehr Glanz und Feuer zu geben als Farina, bleibt hinter diefem aber zurück in der Wahl feiner Vorbilder. Während Erfterer meift freier componirt, imitirt Letzterer fklavifch. An zwei grofsen, bemerkenswerthen Vafen und einigen Tellern mit befonders gelungenem Roth erſchien leider die blaue Farbe weniger gut gefloffen.
Mindeſtens gleichwerthig, wo nicht beffer, war die Ausftellung von Angelo Minghetti& Sohn in Bologna.
Diefe Firma legt das Hauptgewicht auf die Nachbildung der Robbiawaare und der Majoliken fpäterer Zeit. Ein grofses Medaillon, die heilige Familie darftellend, mit gut modellirtem Fruchtkranz, deffen Farben auch gut geftimmt waren, verdient trotz feiner etwas rohen Ausführung erwähnt zu werden.
Eine koloffale Vafe, in fehr bunter und bemalter Majolica, war äufserft reich mit ftark outrirten, plaftifchen Figurendarftellungen geziert, anerkennenswerth hinfichtlich der techniſchen Ausführung und der zwar unvollkommenen, aber relativ zu andern Leiftungen doch immerhin nennenswerthen Modellirung. Eine kleine dofenförmige Vafe mit braunvioletter Engobage zeigte eine gute Anwendung der Sgraffiato- Technik.
Torquato Caftellani in Rom brachte Bauernmajoliken in der Manier alter Urbiner Meifter. Auf einer Engobage von weifsem Thon wird die Mineralfarbe aufgetragen, die Glafur aufgefetzt und mit einem Male eingebrannt. Alle Uebelſtände eines folchen Verfahrens, namentlich aber die ftets matten Farbentöne, welche die Verwendung gepulverter Mineralien anftatt künftlich bereiteter Metallfarben nach fich zieht, zeigten fich an diefen Erzeugniffen, die nur einen gewiffen Reiz naiver Urfprünglichkeit fich bewahrt haben.
Wir haben während der Betrachtung der genannten vier Ausftellungen die im Mittelpunkte des Raumes etablirte grofsartige Gruppe der Producte von Lorenzo Ginori in Doccia bei Florenz, umkreift.
Das Gefammtbild, welches diefe Ausftellung bot, war ein entfchieden günftiges. Ginori arbeitet mit grofsen Mitteln und hatte viel gebracht. Seine Farbenpalette ift reich, feine Arbeiter find gefchult, aber der Charakter feiner ganzen Ausftellung vermochte oft nicht zu befriedigen. Wenn Ginori fich nicht direct an die Werke alter Meifter anlehnt, fo verfällt er meift in einen wüften Naturalismus, deffen Prototyp das Mittelftück feiner Aufftellung, die grofse Vafe mit dem von Benaffai gemalten Prairienbrand, bildete. Dabei ftört noch die überaus glänzende, firnifsartige Glafur, welche alle feine Fayencen tragen.
Ginori arbeitet nach der Weife der alten Urbiner Meifter feit 1848, wo er das Verfahren wieder erfand, auf der Emailfchicht direct zu malen. Der gebrannte Scherben wird mit einer zinnhältigen weifsen Emailmaffe überzogen, auf diefe fofort gemalt, etwas verglüht und dann in die bleihältige OberflächenGlafur getaucht. Mit einem Male wird fchliefslich Alles zufammen eingebrannt.
Auch die grofsen Porträts in Robbia- Manier, welche Ginori doch vielfach früher fchọn mit Erfolg imitirte, imponirten nur durch ihre Gröfse. Wie fchon erwähnt, waren feine Vafen, Gefäfse und Teller nach Art der Urbiner Meifter das Befte unter dem Gebrachten. Gewöhnlich entbehrt die Modellirung, befonders die der figuralen Theile, eines gewiffenhaften Studiums.