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Die Thonwaaren-Industrie (Gruppe IX, Section 2) : Bericht / von Emil Teirich
Entstehung
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Dr. Emil Teirich.

Wir legen an Ginori, deffen Fabrik eine alt begründete, feit 1735 ift, viel­leicht einen ftrengeren Mafsftab als an andere Ausfteiler, die mit befcheidenen Kräf­ten arbeiten; einem folchen Mafsftab aber vermag er auch nicht völlig gerecht zu werden, denn wir glauben einen Fortfchritt zu vermiffen, wenn wir uns den Eindruck gegenwärtig halten, der uns von feiner Ausftellung in Paris im Jahre 1867 geblieben ift. Die Jury hat nichts deftoweniger dem Etabliffement das Ehrendiplom

zuerkannt.

Die Fabrication von Majolica Wandbekleidungs- und Fufsboden- Platten, welche im füdlichen Italien die ausgedehntefte Anwendung finden, war hier faft gar nicht vertreten.

Tajani bei Salerno fandte eine ganz unbedeutende Suite feiner bekannten Platten, die, bei einem beiſpiellos billigen Preife von circa 15 Centimes per Stück von 150 Millimeter im Quadrat, trotz ihrer fehr rohen und primitiven Ausführung relativ befriedigen müffen.

Bedauerlich ist es, dafs auch die Ausftellung des Miniftero d'Agricul­tura, Induftria& Commercio keine reichhaltigere Sammlung folcher Fliefen uns brachte. Nur wenige Muſterſtücke aus Salerno und Neapel mit fehr unvollkommener Bemalung, theils frei, theils geometriſch ornamentirt, dann einige Platten, Florentiner Arbeit, auf denen das Deffin mittelft Patrone aufgetragen ift, veranfchaulichten diefe Technik. Aus Verona find zudem einige recht intereffante, meift braun glafirte Ofenkacheln mit mittelalterlichen Reliefornamenten gefandt worden, welche dort von mehreren heimifchen Töpfern für den Bedarf von bei­nahe ganz Oberitalien erzeugt werden.

Hiemit könnten wir nun füglich unferen Rundgang durch Italien fchliefsen, denn was uns noch zu fehen übrig blieb, war zumeist ein trauriges Bild eines Ver­falles der einft fo blühenden Thonwaaren- Induftrie des Landes. Ab und zu trafen wir wohl noch auf beffere Ausführungen, Reminifcenzen gleich, aus guter alterZeit. Antonibon& Sohn aus Nove bei Vincenza brachten unter Anderem einen Majolica- Rahmenfpiegel, der unfer Intereffe in Anspruch nehmen konnte, hart dabei gaben uns zwei koloffale, fehr dünne Platten mit übrigens herzlich fchlechter Decorirung einen Begriff von der Kunftfertigkeit Galvani's aus Pordenone in der Behandlung grofser Maffen. Statten wir endlich noch der Ausftellung Ter­niani's aus Faenza einen Befuch ab, um zu fehen, wie diefe ältefte der beftehen­den Majolicafabriken, welche die gräfliche Familie, wie wir hören, nicht ohne Opfer im Betriebe erhält, auf abfchüffiger Bahn vom guten alten Wege abweicht. Zwei grofse, ovale Platten von Calzi mit Figuren reich bemalt, davon eine mit braunem Grundton, zeugten auch hier von einer gewiffen Technik, die, beffer ver­werthet, Lobenswerthes erreichen liefse.

Der Tifch mit achtzig Majolicatellern, für welchen von Terniani der befcheidene" Preis von 13.000 fl. gefordert wird, dürfte unverkauft geblieben fein.

Der Name Devers aus Turin, deffen Hauptverdienft in der Malerei auf Majolica und Steingut liegt, und der manches gute Stück ausgeftellt hatte, fei hier noch genannt. Eine intereffante und reich decorirte Majolicafchüffel nach einem alten Holzmodell, Eigenthum des Conte Baldo, geprefst, ift ebenfo hervor­zuheben.

Im Allgemein genommen war es mit der Gefchirrfabrication Italiens für den Hausgebrauch äufserft elend beftellt.

Einige wenige Stücke der fogenannten Bauernmajolica, aber keine der intereffanteften, gaben nicht im Entfernteften ein richtiges Bild jener nationalen Töpferei, wie fie heut zu Tage mit Erfolg noch von den Töpfern des flachen Landes in Süd- und Mittelitalien getrieben wird. Hier wäre es leichte Sache der italienifchen Commiffion gewefen, mindeftens eine ebenfo fchöne Collection zufammenzubringen, wie jene, die Caftellani im Jahre 1871 in London ausftellte und dem South- Kenfington- Muſeum widmete. Einige Vafen und Krüge mit rothem Grund ftellte die Societé Pefarefe aus, Benucci lieferte gleichfalls