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Bier, Malz, sowie Maschinen und Apparate für Brauereien und Mälzereiern (Gruppe IV, Section 2) : Bericht ; Andere gegohrene Flüssigkeiten (Gruppe IV, Section 3) : Bericht / von Gustav Noback / von Eduard Schmidt
Entstehung
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Malz, Bier etc.

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Franz Lutoslawski, Brauereibefitzer in Drozdowo, ftellte Bier in Flafchen ganz eigenthümlicher, den Gläfern für confervirte Früchte ähnlicher Form aus. Das Bier, welches, dem Gefchmacke nach zu urtheilen, aus 14 bis 16 Percent Würzen bereitet ift, hatte in Farbe grofse Aehnlichkeit mit den Wiener Bieren, nur war dasfelbe füfslicher im Gefchmacke.

Die wohl im ruffifchen Specialkatalog verzeichnete und renommirte Brauerei von J. Dauder& Comp.( Auguft Kennert) zu Riga war trotz alles Suchens nicht aufzufinden.

Der Brauereibetrieb in Rufsland hat feit einigen Jahren fehr anfehnliche Fortfchritte gemacht, und ift es zu bedauern, dafs die grofsartigen Etabliffements, wie die Kalinkin- Brauerei, fowie die Bavaria- Actienbrauerei in St. Petersburg, ferner die Golthaer Actienbrauerei bei Odeffa und die Actienbrauerei in letzt­genanntem Orte fich leider nicht betheiligten bei der Weltausstellung.

Der im ruffifchen Reiche für Bierbrauerei eingeführte Befteuerungsmodus ift ein folcher, dafs durch die Steuerergebniffe Rückfchlüffe über die erzeugten Biermengen mit vollkommener Genauigkeit nicht gemacht werden können.

Der im europäifchen Rufsland eingeführte Bierbefteuerungs- Modus ift der einer Raumfteuer, und zwar werden im Sudhaus der Pfannenraum, fowie der Maifchbottichraum per einen ruffifchen Vedro mit 6 Kopeken verfteuert.

Da nun erfahrungsgemäfs nach den in Rufsland obwaltenden Brauerei­Betriebsverhältniffen per 1 Vedro fertigen Bieres circa 12 bis 14 Kopeken an oben erwähnter Raumfteuer entfällt, fo laffen fich die erzeugten Biermengen auf Grund der eingegangenen Steuerbeträge annäherungsweife beſtimmen.

Das europäiſche Rufsland weift eine ftete Steigerung der Bierproduction auf. Die Hauptplätze, an denen die Bierbrauerei zur Zeit in gröfserem Umfange betrieben wird, find St. Petersburg, Riga, Moskau, Odeffa und Warfchau.

In St. Petersburg, dem Sitze fehr bedeutender und umfangreicher Bier­brauereien, wurden während der letzten Reihe von Jahren nachftehende Mengen Bier verfchiedener Qualität producirt:

Bierproduction in St. Petersburg.

Jahr

1865

1866

1868

1869

1870

1871

Bierproduction in ruffifchen Vedro

1,714.800

2,407.400

2,512.900

2,675.400

2,884.600

2,932.600

Im gefammten übrigen europäiſchen Rufsland wurden, mit Ausfchlufs von St. Petersburg und der dort erzeugten bereits eben angegebenen Biermenge, fol­gende Quantitäten producirt:

Im Jahre 1863/64

99

94

1867/68

27

29

1869/70

99

99

1870 71

5,588.991 Vedro 6,128.416

وو

6,884.520

79

7,122.384

27

In richtiger Erwägung, dafs die Production eines guten und gefunden Bieres das einzige nachhaltige Mittel gegen das in Rufsland ftark verbreitete Branntweintrinken ift, bietet die ruffifche Regierung Vieles auf, um die Erweiterung der beftehenden und die Errichtung neuer Bierbrauereien zu fördern.*

Sehr intereffant find die Daten über die Steigerung der Bierproduction und das gleichzeitige Fallen der Spirituserzeugung im gefammten europäiſchen Rufsland.

* Von der Brauerei- Mafchinenfabrik Brüder Noback und Fritze in Prag wurden letzterer Jahre grofse Brauereibauten in Riga, Wilna, Dubno, Olwiopol bei Odeffa und in St. Petersburg ausgeführt.