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Bier, Malz, sowie Maschinen und Apparate für Brauereien und Mälzereiern (Gruppe IV, Section 2) : Bericht ; Andere gegohrene Flüssigkeiten (Gruppe IV, Section 3) : Bericht / von Gustav Noback / von Eduard Schmidt
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Gegohrene Flüffigkeiten.

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ftellern können wir nur die Albion Diftillerie bei Calcutta und die Firma Carew& Comp. von Shahjehanpore für ihren vorzüglichen Rum hervorheben. Was ihre landesgebräuchlichen oder nach europäifchen Muftern imitirten Liqueure anbelangt, fo find fie als ganz abfonderlich fchmeckend zu verwerfen.

Das Comité von Bengalen hat verfchiedene Speife- Effige, aus Rohrzucker und Dattelfaft, fowie aus anderen Früchten erzeugt, ausgeftellt und damit auf europäiſche Confumenten wohl nicht reflectirt.

Seit Frankreich die Verheerungen der Traubenkrankheit empfunden und zuweilen auch fchlechte Getreide- Ernten hatte, mufste es bedacht fein, neue Quellen aufzufchliefsen, um den Entgang an Alkohol aus andern Stoffen feinen Erforderniffen entſprechend zu erfetzen, was ihr bisher nur unvollftändig gelang, da Frankreich noch von Belgien und Deutfchland bedeutende Quantitäten von Spiritus importirt.

Dubrunfaut und nach ihm Champonnois waren die Erften, welche das werthvolle Material der Zuckerrüben zur Spiritusfabrication, begünftigt durch mäfsige Steuern, verarbeiteten. Die Rüben liefern einen fehr hohen Ertrag an Alkohol von der Bodenfläche und werthvolle Futterrückftände, fo dafs es vor­theilhafter wurde, diefelben auf Spiritus anftatt auf Zucker zu verarbeiten. Gegen­wärtig beträgt der in Frankreich erzeugte Spiritus aus Rüben mehr als den vierten Theil( von 84 Percent oder 3/6) der Gefammtproduction aus allen anderen Subftanzen, wie Wein und Weinrückstände, Cider, Melaffen und ftärkemehlhaltige Subftanzen zufammengenommen. Was die Qualität des aus Rüben, fowie aus anderen Subftanzen gewonnenen franzöfifchen Spiritus anbelangt, fo ift diefer in Folge der grofsen Fortfchritte in der Technik der Spiritusfabrication als der vor­züglichfte bekannt. Leider fanden fich auf der Ausftellung nur wenige Proben vor, darunter bei der Collectivausftellung der Landwirthfchafts- Gefellſchaften des Departements Herault und du Gard, welchen von der Jury für ihre Weine, Wein­geift, Spiritus und Effige das Ehrendiplom zuerkannt wurde. Nebft dem Spiritus fpielen in Frankreich die Weinbranntweine von Cognac und Armagnac im weft­lichen und die ebenfalls aus dem Weingeläge erzeugten Weinfprits( 36) im füdlichen Frankreich eine bedeutende Rolle. Die Erfteren( die Cognacs) werden aus den weifsen Weinen der Departements Charente und Charente inférieure und je nach der Lage und Befchaffenheit des Bodens die fines und petites Cham­pagnes, dann die erften und zweiten Bois genannt, durch Deftillation gewonnen, und auf eine Stärke von 60 bis 65 Percent Tr. gebracht. Die Weinbranntweine, genannt Armagnacs, von 52 Percent Alkohol werden von den drei Departements Landes, Gers und Lot et Garonne, geliefert und ftehen dem Cognac in Güte nach. Die verfteuerten Quantitäten, welche aus einem 15jährigen Durchfchnitte erhoben wur den, entſprechen einer Jahresproduction von 275.000 Hektoliter Cognac und von 130.000 Hektoliter Armagnac, was durchſchnittlich zu 300 Francs per Hekto­liter gerechnet einen Werth von 121,500.000 Francs repräfentirt.

Die Letzteren, die Weinfprits von 84 Percents Alkohol, auch genannt, werden im Süden Frankreichs im Departement du Gard und Herault, hauptfäch­lich in und um Montpellier aus Wein- und Weinrückftänden gewonnen, jedoch ift uns die Productionsfähigkeit von dort nicht bekannt, ift aber ebenfalls von Bedeu­tung. Diefe Deftillate zeichnen fich durch Reinheit des Gefchmackes und feines Bouquet aus, und fanden fich befonders eine Anzahl Firmen, welche vorzügliche Mufter ausftellten und von der Jury prämiirt wurden. Wir nennen als die beften die Firmen d'Auffy von St.- Jean- d'Angély- Bellot H. von Cognac, Dubois Emanuel und Dubois frères von Blanzac, die Société des Diftilleries von Jonzac, Schönberg zu Cognac. Die Primawaare davon geht nach England und Amerika. Das Meifte wird im Lande genoffen.

Die franzöfifchen Liqueure erfreuen fich eines Weltrufes und nimmt deren Confumtion fortwährend zu. Paris und Bordeaux erzeugen das Köftlichfte,